Altöttinger Liebfrauenbote

125 Jahre Seraphisches Liebeswerk Altötting – Jahresempfang mit Bischof und ZdK-Präsident

"Werdet wie die Kinder"

Am Freitag, 24. Oktober feierte das Seraphische Liebeswerk (SLW) Altötting, das Kinderhilfswerk der Kapuziner in Bayern, mit einem Gottesdienst und Festakt im Franziskushaus Altötting sein 125-jähriges Bestehen. Hauptzelebrant war Diözesanbischof Stefan Oster, die Festrede hielt Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Beide betonten die besondere Bedeutung des Einsatzes für die schwächsten Glieder unserer Gesellschaft und dankten dem SLW für sein hervorragendes Engagement auf diesem Gebiet.

Pater Heinrich Grumann (r.) erhielt von Johannes Erbertseder drei Zigarren für "30 Jahre SLW-Präses".
Pater Heinrich Grumann (r.) erhielt von Johannes Erbertseder drei Zigarren für "30 Jahre SLW-Präses".

Im Jahr 1889 hob Kapuzinerpater Cyprian Fröhlich zusammen mit der Terziarin Barbara Hartmann das SLW-Kinderhilfswerk in Koblenz-Ehrenbreitstein aus der Taufe. Über den gesamten deutschsprachigen Raum breiteten sich SLW-Einrichtungen für Kinder und Jugendliche aus. Zu Beginn des Gottesdienstes in der Kirche des Franziskushauses ließ Johannes Erbertseder, geschäftsführender SLW-Stiftungsvorstand in wenigen Schlaglichtern die politisch-gesellschaftlichen Wendepunkte in der Geschichte des Liebeswerks Revue passieren.

Plädoyer für eine kinderfreundliche Gesellschaft

Bischof Stefan Oster SDB während seiner engagierten Predigt.
Bischof Stefan Oster SDB während seiner engagierten Predigt.

Hauptzelebrant, Bischof Stefan Oster, freute sich nicht nur über die Begrüßung und Darbietungen von Kindern aus SLW-Einrichtungen, sondern hielt in seiner Predigt auch ein entschiedenes Plädoyer für eine kinderfreundliche Gesellschaft, für den Schutz der Schwächsten. Bischof Oster ging dabei aus vom Wort des Evangelisten Matthäus: "Amen, das sage ich euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen." (Mt 18,3). Für uns Erwachsene sei das "ehrlich gesagt, ziemlich erschreckend", denn Jesus gebe hier ein Ausschlusskriterium an "für das, was da Reich Gottes heißt, (...) ein Reich des Friedens, der Liebe, der Freude".

Und das, so der Prediger weiter, das könne sich im Grunde erst ereignen, wenn wir das Geheimnis des Reiches Gottes wie ein Kind annähmen: "Ein normales Kind ist offen, ist voller Vertrauen im Blick auf diejenigen, die sich um es kümmern. (...) Ein Kind ist voll Staunen, Neugierde, Erwartung an die Welt um es herum. Solche Grundvollzüge und Haltungen (...) meint unser Herr wohl, wenn er uns erinnert, dass wir ein kindliches Herz brauchen, um das Reich Gottes für uns zu erschließen".

Zuwendung und Fürsorge

Zum Abschluss des Gottesdienstes führen Kinder den "Sonnengesang" des hl. Franz von Assisi auf.
Zum Abschluss des Gottesdienstes führen Kinder den "Sonnengesang" des hl. Franz von Assisi auf.

Doch die Realität der Welt mit Enttäuschung, Lüge, Verletzung, Gefahr, Verlust mache auch manchmal Angst und berge die Gefahr, unser Erwachsenenherz härter zu machen, weniger beweglich, weniger offen, weniger unmittelbar. "Aber genau das bräuchten wir im Blick auf die Tiefenerfahrung von Wirklichkeit", so Bischof Oster. Die kindliche Welt sei noch nicht im schlechten Sinn entzaubert, Wirklichkeit noch tief und geheimnisvoll. "Aber, und das ist das Problem unserer Welt, jede Kinderseele, die so offen vor uns liegt und sich ausstreckt auf das Gute und Schöne, ist zugleich ungeheuer verführbar und verletzlich." Wir wüssten, wie sehr Kinder und Jugendliche unsere ehrliche und offene Zuwendung und Fürsorge bräuchten.

"Gottfähigkeit"

Kindergartenkinder des Franziskushauses begrüßen Bischof Oster und die Festgäste mit dem "Guten-Morgen-Lied".
Kindergartenkinder des Franziskushauses begrüßen Bischof Oster und die Festgäste mit dem "Guten-Morgen-Lied".

Doch wir Erwachsene bräuchten ebenso die Zuwendung zu den Kindern, mahnte der Prediger: "Wie sonst sollten wir in unserem Leben die Erinnerung wachhalten, in welcher Verfassung unser Herz sein sollte, wenn wir nicht lebendigen Umgang mit Kindern hätten? Wie sonst sollten wir das tiefe Geheimnis des Vatergottes, von dem uns Jesus verkündet hat, von innen her erspüren können, wenn nicht am Beispiel von Kindern und ihren offenen Herzen?"

Für Bischof Oster sagt das Maß einer aufrichtigen Sorge einer Gesellschaft um ihre Kinder zugleich etwas über die Gottfähigkeit dieser Gesellschaft. "Ich bin Ihnen allen, liebe Kapuziner und liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Seraphischen Liebeswerkes von Herzen dankbar, dass Sie sich um das Wohl von Kindern und Jugendlichen annehmen!" Er schloss seine Predigt mit einem Appell an alle Gottesdienstbesucher: "Ich darf Sie alle bitten, liebe Schwestern und Brüder, helfen Sie mit, (...) dass unsere Kinder und Jugendlichen in ihrem Erwachsenwerden etwas von dem Vertrauen in die Welt bewahren dürfen, das ihnen als Grundausstattung von unserem Herrgott mitgegeben wurde. (...) Und allen, die das hier im Seraphischen Liebeswerk schon längst tun, danke ich von ganzem Herzen. Gott segne dieses Werk!"

Einsatz für die Schwächeren

ZdK-Präsident Alois Glück ging in seiner Festrede auch auf die aktuelle Flüchtlingsproblematik ein.
ZdK-Präsident Alois Glück ging in seiner Festrede auch auf die aktuelle Flüchtlingsproblematik ein.

ZdK-Präsident Alois Glück stellte in seinem anschließenden Grußwort während des Festakts in der Turnhalle des Franziskushauses ebenfalls den Begriff der Fürsorgepflicht in den Mittelpunkt. Gerade die Kinder mit schwierigen familiären Situationen und oft sozial-emotionalen Schädigungen bedürften unserer besonderen Aufmerksamkeit. Unser Papst Franziskus beschreibe dies als die Aufgabe "an die Ränder zu gehen". Dabei sei der Einsatz für die Schwächeren gleichzeitig eine große Bereicherung für unser eigenes Leben. "Das erste und wichtigste, das Menschen brauchen, ist Zuwendung", so Glück.

Freilich wandelten sich im Laufe der Zeit die Umstände und Anforderungen – ihm selbst liege zum Beispiel aktuell die Situation minderjähriger Flüchtlinge ohne Angehörige besonders am Herzen. Man könne diesen Wandel entweder einfach "erleiden", oder ihn annehmen und gestalten. Für letzteres sei das Seraphische Liebeswerk ein hervorragendes Beispiel.

Text und Fotos: Wolfgang Terhörst