Altöttinger Liebfrauenbote

Ausstellung der Stadt Regensburg zum 99. Katholikentag

"Brücke zum Wunderbaren"

Als eine Reise in die Vergangenheit der ostbayerischen Glaubenslandschaft bezeichnete Kulturreferent Klemens Unger die am Nachmittag des Palmsonntags feierlich eröffnete Ausstellung im Historischen Museum der Stadt Regensburg. "Brücke zum Wunderbaren – Von Wallfahrten und Glaubensbildern – Ausdrucksformen der Frömmigkeit in Ostbayern" lautet der Titel der eindrucksvollen Objektschau, die sich als Beitrag der Stadt zum 99. Katholikentag vom 28. Mai bis 1. Juni 2014 versteht.

Schirmherr Bischof Dr. Rudolf Voderholzer bei der Ausstellungseröffnung mit einer Votivtafel des Gnadenbildes von Neukirchen b. Hl. Blut aus dem Jahre 1727.
Schirmherr Bischof Dr. Rudolf Voderholzer bei der Ausstellungseröffnung mit einer Votivtafel des Gnadenbildes von Neukirchen b. Hl. Blut aus dem Jahre 1727.

Die Ausstellung nimmt jenes Phänomen in den Blick, das allgemein als "Volksfrömmigkeit" bezeichnet wird, das die Volkskundler "private Religiosität" nennen und von dem die Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils, "Sacrosanctum concilium", als "Andachtsübungen des christlichen Volkes" spricht. Als Bischof von Regensburg freute es Dr. Rudolf Voderholzer sehr, dass ihm die Schirmherrschaft dieser Ausstellung angetragen wurde. "Volksfrömmigkeit ist der Humus, ohne den die Liturgie nicht gedeihen kann", so zitierte er bei der Eröffnung Joseph Ratzinger aus dessen Werk "Der Geist der Liturgie".

"Die gelebte Frömmigkeit unserer Vorfahren ist in heutiger Zeit zum Teil aus unserem Bewusstsein gerückt... wenngleich der Raum Ostbayern, gerade in ländlichen Gegenden, weiterhin eine starke Verbundenheit im und zum katholischen Leben und seinen Glaubenshandlungen aufweist", so formulieren es in ihrem Vorwort zum Ausstellungs-Katalog die beiden Kuratorinnen Karin Geiger und Sabine Tausch. Zahlreiche farbenfrohe Votivtafeln und oft sehr ausgefallene Votivgaben geben einen tiefen Einblick in den Alltag und Glauben unserer Ahnen.

Da danken Gläubige z.B. für die Errettung bei einem Unfall oder die Heilung von einer schweren Krankheit bei Mensch oder Vieh. Vom Herrgottswinkel und Rosenkranz über die schwarze Wetterkerze und Reliquienmedaillons bis hin zu Schluckbildchen und Amuletten ist die Vielfalt all dessen in Augenschein zu nehmen, was unsere Ahnen durch den oft sehr beschwerlichen Alltag führte und ihnen Kraft gab.

Viehpatrone, Wallfahrten, Wunderheiler

Josef und Barbara Winkler aus Zell in der Stube unterm Herrgottswinkel (1940er-Jahre).
Josef und Barbara Winkler aus Zell in der Stube unterm Herrgottswinkel (1940er-Jahre).

Die Ausstellung nimmt auch drei der bedeutendsten Pilgerziele Ostbayerns in den Blick: Die Wallfahrten auf den Bogenberg und nach Neukirchen beim Hl. Blut (Bistum Regensburg) sowie ins niederbayerische Kößlarn (Bistum Passau).

Auch der Verehrung des Viehpatrons Leonhard und der damit verbundenen Wallfahrten, so z.B. nach Aigen am Inn im Landkreis Passau widmet sich die Ausstellung. In Verbindung damit stehen auch die kleinen eisernen Votivgaben, schlichte Darstellungen von Pferden und Rindviechern. Sie wurden entweder zum Dank bei Genesung des Viehs oder als Fürbittgaben auf den Altarstufen niedergelegt. Die eisernen Votivgaben sind Ergebnisse der Sammelleidenschaft des Regensburger Hans Herramhof (†2012), aus dessen Nachlass zahlreiche Objekte in den Museumsbestand übergegangen sind. Vergangenes, wie das Wirken des Regensburger Wunderheilers und Exorzisten Johann Joseph Gaßner, wird genauso dargestellt, wie Aktuelles. Nicht fehlen darf da die Regensburger Maria-Läng-Kapelle, die tagtäglich das Ziel vieler Beter in der Innenstadt ist.

Text und Fotos: Carl Prämaßing

Bis zum 6. Juli noch zeichnet das Historische Museum der Stadt Regensburg mit rund 300 Ausstellungsstücken christlicher Volkskunst aus Ostbayern ein eindrucksvolles Bild. Geöffnet ist die Ausstellung immer Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr, auch am 9. Juni 2014 (Pfingstmontag). Der Ausstellungskatalog mit 328 Seiten und zahlreichen Bildern und Beiträgen namhafter Autoren, u.a. mit einem Geleitwort des Schirmherrn Bischof Dr. Rudolf Voderholzer, ist erschienen im Verlag Schnell & Steiner Regensburg und zum Preis von 24,95 Euro im Museum erhältlich.Der Ausstellungs-Flyer mit allen Informationen steht zum Download zur Verfügung im Internet unter der Adresse www.regensburg.de/bruecke-zum-wunderbaren.

Altötting auf dem Katholikentag: Mit Maria Brücken bauen

Am Freitag, 30. Mai geht es auf dem Katholikentag in Regensburg in einer Podiumsdiskussion von 16.30-18 Uhr unter dem Motto "Mit Maria Brücken bauen" um das Thema "Wallfahrtsorte als geistige und kulturelle Netzwerke". Das Impulsreferat hält Altöttings Erster Bürgermeister Herbert Hofauer. Weitere Podiumsteilnehmer sind Juraj Molnár, Mitglied des Stadtrats von Pribram in Tschechien und Jerzy Nowakowski, stellv. Vorsitzender des Stadtrates von Tschenstochau in Polen. Die Moderation übernimmt Helmut Degenhart aus Pocking, als "Anwalt des Publikums" fungiert Sepp Rottenaicher aus Halsbach. Ort: Universität, Zentrales Hörsaalgebäude, EG, Raum H3.

Text: red