Altöttinger Liebfrauenbote

Bruder Konrad-Triduum im Jubiläumsjahr

Mit Mut und Glaube vorangehen

Am 21. April vor 120 Jahren ist er gestorben, vor 80 Jahren wurde er heiliggesprochen und vor 30 Jahren zum 3. Diözesanpatron des Bistums Passau erkoren – der hl. Bruder Konrad steht heuer nicht nur in Altötting, sondern in der gesamten Diözese im Zentrum vieler Feierlichkeiten. Das Dreifachjubiläum prägte auch das traditionelle Triduum vom 25.-27. April zu Ehren des Heiligen in Altötting. Doch die Zahlen allein seien "zu wenig", warnte der Provinzial der Deutschen Kapuzinerprovinz, Kapuzinerpater Br. Marinus Parzinger in der Orchestermesse am 27. April in der St. Anna-Basilika. Denn: "Wir feiern Br. Konrad nicht als ein Stück Geschichte, sondern wir alle sollten uns fragen, was er uns sagt." Br. Marinus forderte vor allem den "Mut, voranzugehen".

Die Hauptreliquie des hl. Br. Konrad stand bei der Vesper im Mittelgang der Basilika.
Die Hauptreliquie des hl. Br. Konrad stand bei der Vesper im Mittelgang der Basilika; 3.v.r. Prediger Br. Jeremias Borgards.

Ein Impuls, den bereits Kapuzinerpater Norbert Schlenker in der ersten Predigt am Freitagabend aufgriff, als er den heiligen Klosterpförtner als "echten Volksheiligen" vorstellte, der "intuitiv" gespürt habe, "was Gott von ihm wollte". Insbesondere könnten die Menschen heute von Br. Konrad die Bedeutung des Gebets in der Familie neu lernen; außerdem könnten sie von ihm lernen, sich "trotz aller Hektik füreinander Zeit zu nehmen, zuhören zu können und ein gutes, ermutigendes Wort für den anderen übrig zu haben". Für P. Norbert steht fest: "Br. Konrad lebt weiter." Der hl. Klosterpförtner, der 41 Jahre lang an der Pforte von St. Anna in Altötting gedient hatte, könne angerufen werden als "Mittler zwischen zwei Welten, umdrängt von Hilfesuchenden und solchen, die Hilfe erfahren haben und nun dankbar zu ihm kommen."

Als Suchenden stellte auch Kapuzinerpater Br. Jeremias Borgards den Heiligen in seiner ersten von insgesamt drei Predigten am Samstag dar. "Wir alle sind auf der Suche. Wir suchen nach Sinn", stellte er fest und als Johann Birndorfer damals mit über 30 Jahren an die Klosterpforte der Kapuziner geklopft habe, "hatte er bereits ein Leben hinter sich, das geprägt war vom Suchen und von vielen Wegen, die er schon gegangen war". Nicht allwissend auftreten, nicht bevormunden wollen, riet Br. Jeremias den Zuhörern mit Blick auf Br. Konrad. Er lade uns ein "auf Christus zu schauen und zu fragen: was willst du von mir, um dann zu leben: wie Gott will". Wie sich aus diesem Glauben leben lässt und wie man "auf die unendliche Liebe Gottes im Hier und Heute" antworten könne, erläuterte Br. Jeremias in seinen zwei folgenden Predigten.

"Echtheit und nicht Fassade"

Die Kapuzinerpatres Br. Marinus Parzinger und Br. Georg Greimel verteilen Br. Konrad-Weckerl am Basilikavorplatz nach der Festmesse am Sonntagvormittag.
Die Kapuzinerpatres Br. Marinus Parzinger und Br. Georg Greimel verteilen Br. Konrad-Weckerl am Basilikavorplatz nach der Festmesse am Sonntagvormittag.

Das "Hier und Heute", in dem uns der schlichte, bescheidene Kapuzinerbruder – aufgewachsen in einer von der Volksfrömmigkeit geprägten Zeit – sehr fremd erscheine, war denn auch Schwerpunkt der Predigt von Br. Marinus. Interessant sei nicht unbedingt der historische und gesellschaftliche Hintergrund seines Lebens, wie Br. Marinus erklärte, sondern vielmehr: "Was er aus seinem Leben macht". Die Menschen heute suchten "Echtheit und nicht Fassade", sie erwarteten Glaubwürdigkeit von der Kirche nach all den Krisen in den letzten Jahren. Gerade in diesem Zusammenhang könne der Heilige ein Vorbild sein: "Br. Konrad war wie er war und bei ihm hat das christliche Alltagsleben etwas bewirkt. Br. Konrad hat den Menschen die Freundlichkeit Gottes spüren lassen." Die Bedeutung von Heiligen in der Kirche sei es schließlich, "in die Tiefe" zu blicken, "Alltägliches" neu zu entdecken und "Fragen" anzuregen. Wie Br. Konrad sollten wir "auf das Kreuz schauen und was wir dabei lernen dürfen ist, dass wir kostbar sind – jeder einzelne Mensch", stellte Br. Marinus fest.

"Spannungsfelder" im Leben des Heiligen

P. Norbert Schlenker erteilt den Einzelreliquiensegen in der St. Konradkirche.
P. Norbert Schlenker erteilt den Einzelreliquiensegen in der St. Konradkirche.

Fragen an Br. Konrad, bzw. "Spannungsfelder" im Leben des Heiligen und Antworten für die Menschen heute prägten die Predigt von Br. Marinus: – "Die Spannung zwischen Aktivität und Kontemplation": "Wenn wir uns sammeln und ruhig werden, dann schaffen wir Platz für uns selbst, für unsere Gedanken und auch für Gott." – "Überzeugung im konkreten Tun": "An Br. Konrad sehen wir, wie sein Glaube sich in ganz einfachen Formen ausdrückt. Er redet nicht viel darüber, er betet und handelt. Üben wir das auch! Beten wir einfach!" Denn: "Ohne Gebet wird Glaube zur Einbildung, zur gedanklichen Konstruktion." – "Die Spannung zwischen Diesseits und Jenseits": Beides gehöre zusammen. "Wir dürfen unser Leben nicht auf Arbeit reduzieren, sondern wir müssen uns auch Muße gönnen." – "In der Gegenwart leben ohne die Herkunft zu vergessen": "Br. Konrad war progressiv! Er hat sich Ziele gesetzt und ist vorangegangen, er konnte staunen und Freude haben an der Begegnung mit Menschen." – "Die Spannung zwischen Geben und Empfangen": "Es kamen damals viele arme Leute an die Pforte und Br. Konrad war einfach da für die Menschen." – "Die Spannung zwischen 'alles haben wollen' und der Angst zu kurz zu kommen": "Ich wünsche mir, dass wir wie der barmherzige Br. Konrad nicht ängstlich sind und offen sind für Fremde."

Br. Marinus resümierte: Br. Konrads "Wie Gott will" – seine Antwort auf die Frage nach seinem Befinden am Sterbebett – sei "nicht schicksalsergeben oder resignativ" – "Es war aktiv, denn auf Gottes Seite ist Br. Konrad ein Leben lang gestanden!" Den "Mut", im tiefen Glauben voranzugehen, betonte Br. Marinus und riet: "Machen wir es wie er, machen wir ihn zu unserem Vorbild – mit seiner schlichten Art, mit seiner Aufmerksamkeit für Menschen und mit seinem Vertrauen auf Gott. Dann habe ich Zuversicht."

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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Am Samstagvormittag übertrugen die Kapuziner in einer feierlichen Prozession die Hauptreliquie des Heiligen von der St. Konradkirche in die St. Anna-Basilika.
Am Samstagvormittag übertrugen die Kapuziner in einer feierlichen Prozession die Hauptreliquie des Heiligen von der St. Konradkirche in die St. Anna-Basilika.
Einzug mit der Reliquie in die frisch renovierte Basilika.
Einzug mit der Reliquie in die frisch renovierte Basilika.
Br. Marinus Parzinger bei der Eucharistiefeier.
Br. Marinus Parzinger bei der Eucharistiefeier.
Kapuziner spenden den Einzelreliquiensegen.
Kapuziner spenden den Einzelreliquiensegen.
Br. Konraddarstellung.
Br. Konraddarstellung.
Taube über dem St. Konradkloster.
Taube über dem St. Konradkloster.
Br. Jeremias Borgards bei der Predigt.
Br. Jeremias Borgards bei der Predigt.
Basilika-Mesner Br. Vinzenz Müller neben der Hauptreliquie im Altarraum.
Basilika-Mesner Br. Vinzenz Müller neben der Hauptreliquie im Altarraum.
Br. Ludwig Wörle veteilt Br. Konrad-Weckerl.
Br. Ludwig Wörle veteilt Br. Konrad-Weckerl.