Altöttinger Liebfrauenbote

Ausseer Fasching

Von Flinserln und Trommelweibern

Beim Ausseer Fasching ziehen im steirischen Salzkammergut "Maschkera" – kunstvoll maskierte Musikgruppen – von Wirtshaus zu Wirtshaus. Der Umzug der so genannten Flinserl gilt als Höhepunkt der fünften Jahreszeit. Die Brauchtumsfiguren sind einzigartig und nur im Ausseerland zu erleben.

Der Faschingdienstag bringt den bunten Höhepunkt der Festlichkeit: den Auftritt der "Flinserln" mit den Saublasen.
Der Faschingdienstag bringt den bunten Höhepunkt der Festlichkeit: den Auftritt der "Flinserln" mit den Saublasen.

Sie dauern vom Faschingsonntag bis zum Faschingdienstag und sind für viele die drei wichtigsten Tage im Jahr: Gefeiert wird der "vast schanc", was einst soviel wie "letzter Ausschank" vor Beginn der Fastenzeit bedeutete. Die Bewohner des Ausseer Salinenspitals bekamen Wein und Krapfen, und aus der mittelhochdeutschen Bezeichnung wurde bald der "Vaschang". Bergknappen, Salinenarbeiter und Holzknechte hatten den Nachmittag vor dem Aschermittwoch frei, und dabei blieb es trotz späteren Einspruchs der Behörde. Heute wird an allen drei Faschingstagen nur am Vormittag gearbeitet, nachmittags sind Geschäfte und Betriebe geschlossen. Und die "Maschkera", das ist jeder, der ein Faschingskostüm anlegt, beherrschen die Straßen...

"Bund der Trommelweiber"

Als Frauen verkleideten Trommler.
Als Frauen verkleideten Trommler.

Die Trommelweiber rücken an! Unter den Klängen des "Ausseer Faschingsmarsches" ziehen sie unter ohrenbetäubendem Getrommel und Geblase durch die von Bewohnern und Besuchern gedrängt volle Stadt. Diese Figuren in langen, weißen Nachthemden und Schlafhäubchen sind aber keine Weiber, sondern Mannsbilder. Entstanden sein soll die eigenartige Tracht aus einem Rache-Akt: Weil es öfter vorkam, dass Ehefrauen zur Faschingszeit ihre besseren Hälften aus den Wirtshäusern holen mussten, schlüpften die Männer in die Nachtgewänder ihrer Gattinnen, um sie zu ärgern und zu verspotten.

Marschiert wird von einem Wirtshaus zum anderen, und für jeden Wirt, der etwas auf sich hält, ist die Bewirtung Ehrensache! Bei so einer Rast ist neben der Erfrischung auch noch die Aufnahme von jungen Anwärtern in den "Bund der Trommelweiber" vorgesehen. Das Obertrommelweib waltet feierlich seines Amtes: die "Neuen" haben drei Pfefferoni zu schlucken und ein Glas Schnaps auf einen Zug zu leeren. Unter Tränen ist danach der Eid auf die Fahne abzulegen, der da heißt: "Lebenslang die heiligen drei Faschingstag nicht arbeiten, nicht nüchtern werden und nicht nach Haus gehen". Wahrlich keine leichte Verpflichtung.

Am Rosenmontag sind die Ausseer Bürger, am Faschingdienstag die Arbeiter unterwegs. Sie huldigen gleichermaßen dem Motto auf der Fahne:

Heut is da Faschingstag, heut sauf i was i mag, heut mach i's Testament, s'Geld geht zu End!

Vorbereitung auf den Umzug.
Vorbereitung auf den Umzug.

Nicht nur die Wirtshäuser sind beliebte Raststätten, sondern auch die Schalterhallen von Bank und Post. In den Gassen teilt der Bäckermeister frische "Beugeln" aus. Das sind Weißbrotringe, ein Faschingsgebäck. Weil diese aber beim Musizieren und Marschieren hinderlich wären, hängt man sie um den Hals oder gar auf die Fahnenstange. Dort landen übrigens auch die Würste des Fleischers. Das lustige Treiben dauert bis in den Abend hinein und wird, je später die Stunde, umso ausgelassener. Aber dann wird es draußen doch zu kalt und allmählich füllen sich die Gaststuben des Ortes. Denn der Tag ist noch lange nicht zu Ende.

Jetzt sind die "Bänkelsänger" an der Reihe. Der Brauch erinnert an die Zeit lange vor der Erfindung von Radio und Fernsehen, als die Menschen selber für ihre Unterhaltung zu sorgen hatten. Das ganze Jahr über werden heitere und komische Vorkommnisse im Alltagsleben, in der lokalen oder globalen Politik in lustige Verse oder Lieder gegossen und an diesen Tagen von talentierten Sängern zum Besten gegeben. Hier sind die Einheimischen eindeutig im Vorteil, denn selbst wenn manche Touristen die Mundart des Salzkammergutes verstehen, die veräppelten Personen oder Begebenheiten blieben ihnen doch verschlossen. Macht nichts, der Stimmung tut das keinen Abbruch.

Höhepunkt: Auftritt der "Flinserln"

Auftritt der "Flinserln".
Auftritt der "Flinserln".

Der Faschingdienstag bringt den bunten Höhepunkt der Festlichkeit: den Auftritt der "Flinserln". Es gibt sie in dieser Form nur im Ausseerland, und ihre aufwändigen Kostüme sollen von Salzfuhrleuten aus Venedig mitgebracht worden sein. Sie gelten als Nachfahren des mittelalterlichen Harlekin, werden aber auch als Perchten gedeutet, die den Winter austreiben sollen. Ihren Namen haben sie vom bunten Flitter, der in kunstvollen Ornamenten aus Filz der Leinenkleidung aufgenäht ist. Der bestickte spitze Filzhut und die geschmückte Gesichtsmaske lassen Träger oder Trägerin – denn hier sind Damen erlaubt – unerkannt. Ein traditionelles Flinserl-Kostüm kostet eine schöne Stange Geld, und entsprechend gesittet verläuft der Zug durch den Ort, heute nicht vom lauten Trommeln, sondern von Streichmusik und Harmonika begleitet.

Damit den Flinserln niemand zu nahe kommt, bewachen Gestalten mit schwarzen Zylindern und Stöcken den Zug. Daran baumeln runde, bunte, ballonartige Gebilde – die aus Schweinedarm hergestellten Saublasen. Wer nicht rechtzeitig Platz macht, riskiert damit einen Schlag auf den Kopf. Am Hauptplatz angekommen, sind endlich die Kinder dran: um jede der glitzernden Gestalten drängt sich eine Gruppe, die aus der schön bestickten Tasche des Flinserls etwas erhaschen will. Es sind Nüsse, die trotz des heutigen Überflusses besonders gut schmecken müssen, weil ein regelrechtes Gerangel darum entsteht. Vorher aber müssen die Kinder Verse aufsagen, die sie im Chor geprobt haben:

Faschingstag, Faschingstag, kimm na bald wieda, wenn ma koa Geld mehr ham, stehl'n ma oan Widder, wenn ma koan Widder ham, stehl'n ma a Aar (weibliches Schaf), drum san de Faschingstag' gar so vül bra (=lustig)

Den ganzen Abend wird weiter gefeiert, gesungen, getanzt. Aber Schlag Mitternacht kommen unter einem Leintuch als Baldachin der Pfarrer mit dem Mesner in die Wirtsstube. Von einem Teller mit Asche wird in feierlicher Stille das Aschenkreuz verteilt und jeder weiß: für dieses Jahr sind die "drei heiligen Faschingtag" vorbei.

Text und Fotos: Wim van der Kallen (storymacher)

"Trommelweiber".
"Trommelweiber".

Fasching in Bad Aussee:

Der erste Höhepunkt ist immer der Steirerball im Kurhaus Bad Aussee am Faschingsamstag. Dies ist der größte Trachtenball der Region, welcher ganz im Zeichen alter Traditionen steht. Die heimischen Tänze wie Steirer, Landler, Kreuzpolka etc. werden nach den Klängen des Großen Streichorchesters der Bürgermusikkapelle Bad Aussee und der "Lupitscher Musikanten" getanzt. Typisch für den Ausseer Fasching ist auch das Vortragen der diversen Faschingbriefe in den verschiedenen Gaststätten. Der eigentliche Flinserlzug findet alljährlich am Faschingdienstag um 14 Uhr statt.

Nähere Informationen bei: Tourismusverband Ausseerland – Salzkammergut, Bahnhofstraße 132, A – 8990 Bad Aussee, Telefon: +43 (0)3622 54040-20, Web: www.ausseerland.at, Email: w.zach@ausseerland.at.