Altöttinger Liebfrauenbote

Altöttinger auf Gegenbesuch in Landshut und Moosburg

Zur Quelle lebendigen Wassers

Die 48. Altöttinger Pilgerfahrt mit 350 Teilnehmern aus der Wallfahrtsstadt und Umgebung unter der geistlichen Leitung von Stadtpfarrer und Stiftspropst Prälat Günther Mandl und der bewährten Organisation durch das Wallfahrts- und Verkehrsbüro Altötting führte am Sonntag, 23. März nach Landshut und Moosburg – "auf den Spuren des heiligen Kastulus".

Einzug in Landshut.
Einzug in Landshut.

Gerade Landshut und Altötting verbindet historisch vieles: das Altöttinger Kollegiatsstift zur Zeit der ersten überlieferten Wunder 1489 stand unter Leitung eines Landshuters, Stiftspropst Dr. Johannes Mair – dieser brachte die "Leinberger Werkstatt" (Stiftspfarrkirch-Portale) mit. Auch die erste Landshuter Fußwallfahrt nach Altötting geht bereits auf das Jahr 1493 zurück.

Ob die Bauern und Waldbesitzer wegen der aktuell milden Temperaturen und der anhaltenden Trockenheit zu intensiv zum hl. Kastulus, dem Fürsprecher bei Wassernot, gebetet haben? Jedenfalls ließ es der Wetterheilige St. Kastulus ordentlich am Sonntag regnen. Doch das tat der guten Stimmung unter den Altöttinger Wallfahrtsteilnehmern – darunter die kirchliche Vertretung mit Bischof em. Wilhelm Schraml, Administrator Prälat Ludwig Limbrunner, dem stellvertretenden Wallfahrtsrektor Guardian P. Norbert Schlenker, Kaplan Dominik Flür, Diakon Dr. Johannes Schachtl sowie von Seiten der Stadt allen voran Bürgermeister Herbert Hofauer mit Gattin Geli – keinen Abbruch. Auch hielten die Busse direkt in der Landshuter Altstadt beim Rathaus, so dass kein langer Fußweg zur St. Martinskirche vonnöten war.

Die Landshuter Delegation mit Stiftspropst Dr. Franz Joseph Baur, Diakon Eduard Daser, Oberbürgermeister Hans Rampf, Oberbürgermeister a.D. Josef Deimer sowie einer Pilger- und Fahnenabordnung (das Kreuz trug der Pilgerleiter der Landshuter Fußwallfahrer, Günter Fries) stand bereits Spalier und hatte gleich zum Pilgersegen Weihwasser mitgebracht. Festlich war dann der Einzug zur Pfarrkirche St. Martin mit einer großen Ministrantenschar und den Fahnenabordnungen der Altöttinger kirchlichen Vereine und Verbände unter den Klängen der Musikkapelle Altötting. Ebenso festlich wurde der Gottesdienst mit Hauptzelebrant und Prediger Bischof Schraml vom Altöttinger Pfarrchor St. Josef mit Schülern und Lehrern der Berufsfachschule für Musik unter Leitung von Anselm Ebner gestaltet.

Bischof Schraml zelebriert hl. Messe

Gut beschirmt machten sich die Altöttinger Pilger sowie die Gastgeber in Landshut auf den Weg zur Martinskirche. In der Mitte ist Bischof Wilhelm Schraml neben Stadtpfarrer Günther Mandl zu sehen.
Gut beschirmt machten sich die Altöttinger Pilger sowie die Gastgeber in Landshut auf den Weg zur Martinskirche (Hintergrund). In der Mitte ist Bischof Wilhelm Schraml neben Stadtpfarrer Günther Mandl zu sehen.

Leider nur kurz konnte Stiftspropst Baur nach seinen herzlichen Grußworten die wichtigsten geschichtlichen Merkmale der spätgotischen Hallenkirche St. Martin erklären: bemerkenswert seien etwa der mit 131 Metern höchste Backsteinturm der Welt, im Kircheninnern die 29 Meter hohen Pfeiler, das mächtige Holzkreuz am Torbogen (1495) oder die Leinberger Madonna (1520).

Ein großes, festes, starkes Band im Glauben verbinde Altötting mit Landshut, bekräftigte Bischof Schraml in seiner Predigt und verwies auf das Evangelium vom Jakobsbrunnen, die Begegnung Jesu – der Quelle lebendigen Wassers, die nie versiegt – mit der Samariterin. In geistiger Weise auf unser Leben übertragen bedeute dies: Wir sollten nicht müde werden, uns von Jesus finden zu lassen! Ein Gespräch mit Christus verwandle: "Christus das lebendige Wasser, löscht unseren Seelendurst!"

Bei einer Pilgerfahrt darf natürlich auch das leibliche Wohl nicht zur kurz kommen. Dafür wurde in den umliegenden Landshuter Gasthäusern bestens gesorgt und denjenigen, die der "Goldenen Sonne" zugeteilt waren, wurde wenigstens namentlich Wetterbesserung zuteil. Nach der nachmittäglichen Stadtführung über geschichtliche Glanzlichter der niederbayerischen Metropole, unter anderem mit Besichtigung des prächtigen mittelalterlichen Rathaussaales ging's mit den Bussen weiter Richtung Moosburg ins Kastulusmünster mit dem prächtigen gotischen Hochaltar von Hans Leinberger, aber auch dem sehenswerten Altöttinger Altar mit einer Nachbildung des Gnadenbildes. Michaela Hofmann gab fachkundig und kompetent Auskunft über die neu renovierte Pfarrkirche.

"Her mit euch" rufen die Kirchtürme

Im Moosburger Kastulusmünster überreichte Stiftspropst und Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl eine Votivkerze als Geschenk.
Im Moosburger Kastulusmünster überreichte Stiftspropst und Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl eine Votivkerze als Geschenk.

Eine feierliche Andacht mit Eucharistischem Segen bildete den Abschluss des Pilgertags, wobei Administrator Prälat Ludwig Limbrunner in einer "gepfefferten Predigt" mit Parallelen der Pilgerorte "seinen Senf" zum Besten gab: "Her mit euch!" riefen sowohl die Türme vom Moosburger St. Kastulus-Münster wie auch die Altöttinger Stiftspfarrkirch-Türme den Pilgern und allen Gläubigen zu, so Limbrunner. Dies sei durchaus in Ordnung und mache Wallfahrtsorte aktiv, attraktiv und anziehend. Nicht nur Kirchtürme, auch die Gottesmutter und vielverehrte Heilige wirkten angesichts der Pilgerströme zu Gnadenorten anziehend und so bat Limbrunner um ein Echo des Gnadengebets: "O Maria hilf ...!"

Gnadenorte bezeichnete Limbrunner als "Werteorte", denn diese brächten "frisches Blut" herein! Deshalb die Bitte des Predigers: "Laden wir einander immer wieder neu zur Wallfahrt ein, zu einem Ort mit Herz, zur ewig jungen Gnadenmutter!" Bevorzugt werde auf althergebrachte Weise gewallfahrtet: die stillen Wallfahrer zu Fuß, denn Wallfahren gehe in die Füße (Anm. des Prälaten: "Hoffentlich auch ins Herz!") und in die Knie ("edelste Form des Gebets am Gnadenort").

Jeder wolle letztendlich ankommen bei Gott, sagte Limbrunner. Wallfahren – ein schweißtreibendes Zeichen des Glaubens, der noch nicht verdurstet ist – beginne an der Schwelle des Herzens und am eigenen Lebensort: Betend, singend, mit Schwielen und Blasen an den Füßen, ein Segensnetz aus Gläubigen verschmelze mit unserer Heimat und werde so zu einer spirituellen Lebensader auf den Straßen. Schritt für Schritt, ein Bein auf der Erde, ein Bein in der Luft, bedeute geerdet und zugleich ein wenig abgehoben sein, dem Himmel zu. Limbrunner empfahl dabei bequemes Schuhwerk, keine High Heels, um ans Ziel zu gelangen. Und zum Schluss gab er die Belehrung eines Fußpilgers zum Besten, der vier Tage nach Alt-ötting und auch wieder heimwärts marschierte: "Nein Herr Prälat, wir laufen nicht, wir beten wieder heim!"

Ein herzliches Vergelt's Gott richteten Limbrunner wie auch Mandl an die fleißigen Helfer vom Roten Kreuz sowie an das Wallfahrts- und Verkehrsbüro für die Organisation, vor allem an Ulrike Kirnich, die heuer zum ersten Mal die Altöttinger Pilgerfahrt "souverän" leitete.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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Auszug aus der St. Martinskirche.
Bischof Wilhelm Schraml predigt in St. Martin, im Vordergrund ist die Jubiläums-Wallfahrtskerze der Landshuter Fußwallfahrt nach Altötting zu sehen.
Hl. Messe in St. Martin, links neben Bischof Wilhelm Schraml ist Stiftspropst Dr. Franz-Joseph Baur.
Wenigstens ging es an einem Regentag in ein "sonniges" Gasthaus. In der Mitte ist Wallfahrtsorganisatorin Ulrike Kirnich, Leiterin des Wallfahrts- und Verkehrsbüros, zu sehen.
Führung durch den mittelalterlichen Rathaussaal, im Hintergrund ein Wandgemälde von der Landshuter Hochzeit.
Blick in die St. Martinskirche mit den 29 hochragenden Säulen.
Schmerzhafte Muttergottes in St. Martin.
Blick in das Kastulus-Münster in Moosburg.
Der Altötting-Altar in Moosburg mit einer Abbildung des Altöttinger Gnadenbildes, im Vordergrund Stadtpfarrer Günther Mandl.