Altöttinger Liebfrauenbote

Dem Musiker und Priester Peter Griesbacher zum 150. Geburtstag

Gefeiert und umstritten

Peter Griesbacher war vielseitig begabt: er wirkte als Kirchenmusiker, Priester, Komponist und Glockensachverständiger. Dabei war er heimatverbunden, tief gläubig, empfänglich für die Genüsse des Lebens, ein feinsinniger Künstler, dabei gesellig und mit einer guten Portion Humor ausgestattet. Am 25. März 1864, es war ein Karfreitag, erblickte Peter Griesbacher das Licht der Welt in der elterlichen Mühle zu Hengsberg bei Egglham im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn. – Ein Porträt.

Peter Griesbacher 1930 als Stiftsdekan in Regensburg.
Peter Griesbacher 1930 als Stiftsdekan in Regensburg.

"Himmelszeichen auf etwas ganz besonderes" so nennt Max Tremmel, der erste Biograph Griesbachers dessen zweimalige Taufe. Der damalige Koadjutor Franz Xaver Fischer taufte den Peterl wie damals üblich, noch am Geburtstag. Nachdem ihm aber Zweifel an der Gültigkeit dieser Taufe kamen, wurde die Zeremonie ein paar Tage später wiederholt.

Seine Musikalität und die stattliche Figur hat Peter von seiner Mutter geerbt. Die Schule machte ihm keine Probleme. Er war ein aufgeweckter und lebhafter Bub. Der Vorschlag von Kooperator Fuchs "geistlich zu werden" fand bei Peter und dessen Eltern Zustimmung, so nahm der Zehnjährige Abschied von Egglham und zog nach Passau. Im Bischöflichen Knabenseminar und am Humanistischen Gymnasium erhielt er die weitere Ausbildung. Zu seiner großen Enttäuschung durfte er erst vier Jahre später Unterricht in Harmonielehre und Klavierspiel nehmen. Seine ersten Kompositionsversuche begannen.

Nach Abschluss der Schule kam der Eintritt ins Klerikalseminar. Und am 31. Juli 1886 wurde er im Dom zu Passau zum Priester geweiht. Nach der Primiz in Egglham wurde er zuerst als Kurat in Mariahilf über Passau in der Wallfahrtsseelsorge eingesetzt. In den folgenden vier Jahren leistete Griesbacher in verschiedenen Pfarreien Dienst. Seine Gesuche an das Ordinariat um Freistellung zum Besuch der Kirchenmusikschule Regensburg wurden wegen Priestermangels immer wieder abgelehnt. In Kirchberg holte er sich eine Herzbeutelentzündung, wurde für die Seelsorge untauglich und kam auf das Mayr'sche Benefizium nach Osterhofen.

Seine Komponistenlaufbahn begann.

Schon im Februar 1891 erschien sein Opus 1, die Missa "Jam sol recedit" für gemischten Chor, das obwohl von der herrschenden Musikrichtung abweichend, bei Kennern Zustimmung fand. Seine Gegner werfen ihm "unkirchliche Gestaltung" vor. 1905 veröffentlicht er die Missa "Mater admirabilis". Sie macht Griesbacher mit einem Schlage berühmt. Er erhält Unterstützung durch bedeutende Musiker seiner Zeit. Auch die Kirchenchöre stehen hinter ihm, um 1905 ist er dort in aller Munde. Die Kritik wird leiser. Seine Neuerscheinungen werden begierig aufgenommen und sind, wie die Marienlieder "Am tiefen Weg" bereits nach kurzer Zeit vergriffen und müssen neu aufgelegt werden.

"Stella maris" als "Bestseller"

Mit Erscheinen seiner neuen Messe "Stella maris" 1910 wird er, nach Aussage seines neuen Verlegers Anton Böhm und Sohn in Augsburg zum meistverkauften aller zu der Zeit lebenden Komponisten geistlicher Musik, und das obwohl die Gegner, gerade in Regensburg immer mehr werden und seine neuen Chorgesänge als "Verballhornung des Gregorianischen Chorals" bezeichnen.

Im gleichen Jahr veröffentlicht er das Lehrbuch "Kontrapunkt". Es findet viel Zustimmung und im nachhinein erscheint es fast, als wäre es seine Habilitationsschrift, denn im Frühjahr 1911 wird er zum Dozenten für Kontrapunkt an die Musikschule in Regensburg berufen. Er erhält Urlaub von seiner alten Diözese Passau und zieht um in das Stift St. Johannes. Bald darauf wird er dort Kanoniker.

Neben seiner Lehrtätigkeit komponiert Griesbacher und arbeitet an dem vierbändigen Werk "Stilistik und Formenlehre", beschäftigt sich mit Glockenmusik und ist gefragter Gutachter für Orgelbau.

Der Streit um die richtige Kirchenmusik geht heftiger weiter. Seine "Karwochenresponsorien" dürfen im Regensburger Dom nicht aufgeführt werden, erst nach 17 Jahren fällt dieses Verbot. Wie so viele ist auch Griesbacher beim Ausbruch des Krieges 1914 begeistert. Nach dem religiös-patriotischen "Hilferuf an die Gnadenmutter von Altötting" erscheinen 15 Kriegslieder unter dem Titel "Schwert und Lyra", denen die "Trost- und Trauerklänge" folgen. Als überall die Glocken zu Kriegszwecken von den Türmen geholt werden, ist er unermüdlich im ganzen Land unterwegs, um dies mit allen gesetzlichen Mitteln zu verhindern.

Die Nachkriegszeit setzt Griesbacher zu. Zudem gibt es in Regensburg Bestrebungen, ihn von der Kirchenmusikschule zu entfernen. Selbst Freunde schwenken um. Im Gegensatz zur Heimat fand er in Amerika und der Schweiz Anerkennung und neue Freunde. Am Pfingstsamstag 1924 bricht Griesbacher zu seiner Amerikareise auf. Überall wurde er begeistert empfangen. Die amerikanische Presse berichtete: "Berühmter Kirchenmusiker eingetroffen. Direktor Griesbacher aus Regensburg bereist Amerika und wird in allen Städten seine Werke dirigieren."

Ziel und Zentrum seiner Reise war jedoch das Kloster Teutopolis. Dort kam es auch zu Tagen der Ruhe und Entspannung, die Arbeiten an der "Missa americana" begannen. Nach einem halben Jahr Amerika geht er mit Geschenken und den Entwürfen zur "Missa americana" an Bord des Dampfers "Albert Ballin". Im Januar 1925 ist er wieder in der Heimat.

Die Reise hat ihn keinen Pfennig gekostet. Er fühlte sich gesünder, die Arbeit lief besser. Die Entwürfe aus Amerika galt es aufzuarbeiten. Er begann sein Buch "Glockenmusik". Er vollendet es 1927. Dieses Werk wurde zur Diskussionsgrundlage für die 1. Internationale Tagung der Glockenexperten, Glockengießer und Glockenfreunde in Frankfurt/Main unter seiner Leitung. Kaum zu bewältigende Aufträge für Glockenprüfungen führen ihn in diesen Jahren durch ganz Deutschland und in die angrenzenden Länder.

Dabei macht ihm seine Krankheit immer mehr zu schaffen. Er geht zur Kur nach Bad Wildungen und Karlsbad. Es wird nicht besser. Griesbacher ist aber auch ein schwieriger Patient. Bierstuben mit deftigen Gerichten wie Schweinernes, Knödel und Kraut besucht er trotz ärztlicher Verbote, er unterbricht seine Diäten immer wieder. Im März 1930 wird er durch das Stiftskapitel von St. Johann in Regensburg zum Stiftsdekan gewählt.

"Jetzt kommen‘s wieder, die Schmerzen"

An der Hausorgel versucht Griesbacher die Schmerzen zu betäuben. "Schwester jetzt kommen's wieder, die Schmerzen" wiederholt er mehrmals. Dann schließt er die Augen. Es ist der 28. Januar 1933, viertel vor sieben Uhr morgens. Peter Griesbacher ist tot. Unter Beteiligung hoher Geistlichkeit und weltlicher Würdenträger, auch eine Abordnung aus Egglham ist dabei, findet am 31. Januar der Trauergottesdienst in der Stiftskirche St. Johann statt. Die sterbliche Hülle wird in der Gruft beigesetzt.

Peter Griesbacher steht nicht in der ersten Reihe großer Komponisten. Doch einige seiner Werke wie die Messen "Mater admirabilis" oder "Stella maris" werden die Zeiten überdauern. Ebenso wird seine Bedeutung als Reformator der Kirchenmusik an der Schwelle zum 20. Jahrhundert bleiben. Er hat der Chromatik und Harmonik den Weg geebnet, nicht umsonst hat man ihn den "Wagner der Kirchenmusik" genannt.

Peter Griesbacher war ein Niederbayer, heimatverbunden und weltoffen. Er war empfänglich für die schönen Dinge des Lebens. Neben Geselligkeit und Musik genoss er die Natur. Die Niagarafälle in Amerika begeisterten ihn ebenso, wie der abendliche Blick aus dem Franziskanerkloster Orbice hinab auf Korcula in Dalmatien. Nichts ging ihm jedoch über seine engere Heimat. Die Aufenthalte in Hirschbach und Egglham waren ihm stets Erholung. Er liebte dieses Land, das sich, wie er selbst auch, unter den Schutz der Muttergottes gestellt hat: "Du meine Mutter, und ich dein Kind".

Text und Foto: Werner Meier

Am 4. Fastensonntag, 30. März findet in seiner Heimatgemeinde Egglham zu Ehren des großen Sohns und Ehrenbürgers um 10 Uhr ein Jubiläumsgottesdienst zum 150. Geburtstag von Peter Griesbacher statt. In der Gnadenkapelle von Altötting werden immer wieder "Griesbacher-Messen" gesungen.