Altöttinger Liebfrauenbote

Erzabt Korbinian Birnbacher hält 1. Altöttinger Fastenpredigt

"Wir müssen’s nur tun!"

Erzabt Korbinian Birnbacher OSB aus Salzburg St. Peter hat die Gottesdienstbesucher in seiner Fastenpredigt in der Altöttinger Stiftspfarrkirche zu mehr tätiger Nächstenliebe und Engagement aufgerufen. Zum Leitwort der Predigtreihe, "Erneuerung der Kirche im Geist des hl. Franziskus", legte er seinen Fokus auf Papst Franziskus.

Erzabt Korbinian Birnbacher während seiner Predigt.
Erzabt Korbinian Birnbacher während seiner Predigt.

Erzabt Korbinian resümierte am Ende seiner Predigt: "Ganz einfach kann man das Reformprogramm des Papstes für seine Kirche zusammenfassen, wenn wir auch durch die Tat beherzigen, was wir im heutigen Evangelium gehört haben: 'Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen!' (Mt 7, 12) – Ja, liebe Schwestern und Brüder, so einfach wäre es. Wir müssen's nur tun!" Als Vorbild stellte er – anlässlich des Jahrestages seiner Wahl – Papst Franziskus vor: "Dieser Papst – so dürfen wir immer wieder erkennen – nennt die Probleme beim Namen."

Mit Blick auf den hl. Franz von Assisi – den "großen Reformer und Erneuerer der Kirche" – erinnerte Erzabt Korbinian daran, dass die Kirche eine "ecclesia semper reformanda", eine ständig zu erneuernde Kirche sei. Mit Papst Franziskus sei nicht nur ein neuer Stil, sondern auch frischer Wind in die Kirche eingekehrt, Erzabt Korbinian: "Seit dem Amtsantritt von Franziskus sind Wörter wie Barmherzigkeit und Nächstenliebe immer öfter zu hören in Rom. Das kann einem nach den innerkirchlichen Grabenkämpfen der letzten Jahrzehnte, all dem Reformstreit und den spitzen Argumenten fast sentimental vorkommen: Nächstenliebe! Barmherzigkeit!" Dieser Papst sage dauernd: "Das Christentum sei keine Ideologie, sondern ein Weg." Man erlerne diesen Weg indem man ihn beschreite. Die Aufgabe der Kleriker sei es, die Menschen auf diesem Weg zu begleiten, und nicht die Einhaltung der Lehre zu überwachen. "Deutlicher als so kann man wohl kaum eine antidoktrinäre Theologie zum Ausdruck bringen."

Arm, authentisch, christusbezogen, fröhlich und zukunftsorientiert

Erzabt Korbinian Birnbacher neben Gastgeber Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl und Pfr. i.R. Kanoniker Alois Schießl.
Erzabt Korbinian Birnbacher (M.) neben Gastgeber Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl (r.) und Pfr. i.R. Kanoniker Alois Schießl.

Erzabt Korbinian stellte fest: "Dieser Papst spricht die Dinge an und möchte selber stets ansprechbar bleiben. Er verzichtet auf eigenen Personenschutz genauso wie er auf die Insignien der Macht verzichtet. Vielmehr stellt er sich den Menschen und ihren Problemen. Wenn es sein muss ruft er persönlich an, spendet Trost. Gott hat lebendige Menschen geschaffen, nicht Strukturen, die es um jeden Preis zu erhalten gilt. Deshalb ist der Weg Gottes immer auch der Weg des Menschen. Dieser Papst ist nicht mehr wie viele seiner Vorgänger Gefangener seines Apparates, er hat sich eigene Berater aus dem Kardinalskollegium gewählt und trifft selber die Entscheidung, wen er empfängt und wen nicht."

Ausdrücklich betonte Erzabt Korbinian, dass er sein Lob an Franziskus nicht als Kritik an dem emeritierten Papst Benedikt XVI. verstanden wissen wolle, der sehr viel dazu beigetragen habe, dass sich die Kirche heute erneuern könne. "Die Dramatik seines Amtsverzichtes – ein absolut singuläres Ereignis in der Kirchengeschichte – prägt unsere Erinnerung, nicht selten gepaart mit großer Wehmut."

Wie eine ständige Erneuerung aussehen könne, erklärte Erzabt Korbinian mit Blick auf den heiligen Namensgeber des Papstes: "Wenn der heilige Franz von Assisi sich jemals Gedanken über die Reform der Kirche gemacht hat, so nur in dem Sinn, dass Wort und Tat, Botschaft und Gewissen übereinstimmen müssen. Arm, authentisch, christusbezogen, fröhlich und zukunftsorientiert."

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner