Altöttinger Liebfrauenbote

Auf den Spuren des heiligen Joseph in Regensburg

"Nährvater Jesu"

Dass im Freistaat Bayern ein paar Feste mehr gefeiert werden, als in anderen Bundesländern, ist hinlänglich bekannt. Ein Fest aber, das bis 1968 sogar ein staatlicher Feiertag in Bayern war, ist heute bei vielen schon nicht mehr im Bewusstsein: Das katholische Hochfest des heiligen Joseph am 19. März, kurz einfach Josefstag oder Josephi genannt. – Eine Spurensuche in Regensburg.

Der hl. Joseph mit dem Jesusknaben in der Karmelitenkirche am Regensburger Kornmarkt, geschmückt zu den Josefs-Mittwochen.
Der hl. Joseph mit dem Jesusknaben in der Karmelitenkirche am Regensburger Kornmarkt, geschmückt zu den Josefs-Mittwochen.

In der Ostkirche setzte schon bald die Verehrung des Heiligen ein, der als Bräutigam der Gottesmutter und als "Nährvater Jesu" verehrt wird. In der Westkirche genießt er erst seit dem 12. Jahrhundert eine größere Verehrung. Vielfältig sind auch seine Patronate, er ist Schutzpatron der Ehepaare und Familien, Kinder, Jugendlichen und Waisen, aber auch der Jungfräulichkeit. Selbst Handwerker gewesen, rufen ihn Arbeiter und Zimmerleute, Schreiner, Wagner, Totengräber und Ingenieure in Notsituationen an. Der hl. Joseph ist aber auch Patron der ganzen Kirche und vieler einzelner Länder wie u.a. Bayern, Böhmen und Österreichs. Seit 1985 setzt sich im schwäbischen Aichach die "Königlich Bayerische Josefspartei" (KBJP) für die Wiedereinführung des Josefstags in Bayern als staatlichem Feiertag ein, bisher zwar sehr eindrucksvoll im jährlichen "Weltparteitag" mit hochrangigen Festrednern, aber bisher noch ohne jeglichen Erfolg.

"Josefs-Mittwoche"

Der barocke Hochaltar in der Karmelitenkirche zeigt als Hauptmotiv ein Ölgemälde auf dem der hl. Joseph mit dem Jesuskind dargestellt ist.
Der barocke Hochaltar in der Karmelitenkirche zeigt als Hauptmotiv ein Ölgemälde auf dem der hl. Joseph mit dem Jesuskind dargestellt ist.

In Regensburg begegnet man dem hl. Joseph auf vielfache Weise. Da ist z.B. die Karmelitenkirche am Alten Kornmarkt, 1641 bis 1672 erbaut, sie wurde ihm geweiht, der gerade in diesem Orden eine große Verehrung erfährt. In der Kirche lädt direkt rechts vom Hochaltar eine überlebensgroße Figur zum Gebet ein. Diese ist nicht nur an seinem Festtag, dem 19. März in vollem Kerzen- und Blumenschmuck, sondern auch an den neun Mittwochen davor. Dann finden nämlich die sogenannten "Josefs-Mittwoche" statt. Sie werden jeweils mit nachmittäglichen Andachten begangen, die auf eine Stiftung aus dem Jahre 1782 zurückgehen, die durch den Priester Josef Höfelmayr getätigt wurde.

Namenstag des emeritierten Papstes

Auch über dem Eingangsportal von St. Josef im Regensburger Stadtteil Reinhausen grüßt der Schutzpatron der Arbeit die Kirchenbesucher.
Auch über dem Eingangsportal von St. Josef im Regensburger Stadtteil Reinhausen grüßt der Schutzpatron der Arbeit die Kirchenbesucher.

Auch im Stadtteil Reinhausen ist die von Heinrich Hauberrisser (1872-1945) von 1906 bis 1912 erbaute neobarocke Kirche dem hl. Joseph geweiht. Der 1910 im Barockstil fertiggestellte 14 m hohe Hochaltar, entstand unter der Leitung des Regensburger Bildhauers Guido Martini (1881-1964) und war die letzte größere Altarstiftung einer Adelsfamilie im Raum Regensburg. Wenn der 1. Mai auch erst 1955 von Papst Pius XII. zum Gedenktag "Joseph, der Arbeiter" erklärt wurde, so passte sich das Patronat der neuen Pfarrei aber gut an die Lebenssituation der Menschen im Pfarrgebiet an, die in der Maschinenfabrik ihr täglich Brot verdienten. In der Pfarrei des Arbeiter-Patrons war bereits 1892 auch die Arbeiterpartei, die bayerische SPD gegründet worden, da dies in der Stadt Regensburg von den Behörden untersagt worden war.

Im Stadtsüden, im Stadtteil Ziegetsdorf, findet sich eine weitere Pfarrkirche, die das Patronat St. Josef trägt. Auf dem Friedhof in unmittelbarer Nähe zu dieser in den 30er-Jahren erbauten Kirche befindet sich auch das Familiengrab eines Namensträgers, nämlich das des Gendarmeriemeisters Joseph Ratzinger (†1959). Bekanntestes Namenstagskind an diesem Tag ist sein Sohn Joseph Aloys Ratzinger, der von 2005 bis zum 28. Februar 2013 als Papst Benedikt XVI. auf dem Stuhle Petri saß. Er feiert den Josephi-Tag heuer bereits zum zweiten Mal nicht mehr als amtierender Pontifex maximus. So wie das beim katholischen Kirchenoberhaupt üblich ist, feiert er nämlich seinen Namenstag auf seinen Taufnamen und nicht auf den Papstnamen.

Text und Fotos: Carl Prämaßing