Altöttinger Liebfrauenbote

Eucharistisches Stundengebet der Kapuziner mit Predigten über den hl. Br. Konrad

Zu einem "Leben in Fülle"

Das Eucharistische Stundengebet der Kapuziner am 8. und 9. März in Altötting stand heuer ganz im Zeichen des Br. Konrad-Gedenkjahres. Mit Blick auf den heiligen Klosterpförtner, der vor 120 Jahren in Altötting verstarb, vor 80 Jahren heiliggesprochen wurde und vor 30 Jahren zum dritten Bistumspatron der Diözese Passau erhoben wurde, stellte Kapuzinerpater Norbert Schlenker in vier Predigten in der St. Magdalenakirche heraus, dass Almosen geben, Beten und Fasten auch heute noch zu einem "Leben in Fülle" führen kann.

Br. Konrads letztes Wort an seinem Sterbebett – "Wie Gott will" – stellte P. Norbert als "sein Vermächtnis, ein heiliges Testament, eine wichtige Botschaft an uns" heraus. Br. Konrads Worte, die heuer im Jubiläumsjahr sowohl am Gnadenort Altötting als auch im Bistum Passau als Jahresmotto dienen, empfahl er den Gottesdienstbesuchern in seinen insgesamt vier Predigten als "Einstimmung in die österliche Bußzeit, in die Vorbereitungszeit auf das Osterfest, den Höhepunkt des Kirchenjahres". In drei der vier Predigten griff P. Norbert die Botschaft des Evangeliums vom Aschermittwoch, Worte Jesu aus der Bergpredigt, auf.

Almosen geben

P. Norbert Schlenker spendet mit der Monstranz in der Hand den Eucharistischen Segen.
P. Norbert Schlenker spendet den Eucharistischen Segen.

"Denn es war Gottes Wille, ich musste alles verlassen, was mir lieb und teuer war, ich musste meinem Beruf (d.h. meiner Berufung) nachkommen – ich konnte nicht anders", zitierte P. Norbert in seiner ersten Predigt am Samstagvormittag aus einem Brief von Br. Konrad vom 29. Dezember 1864. Br. Konrad gab sehr viel, nicht nur als er den Kapuzinern beitrat – und wie P. Norbert ausführte, tat er dies ohne es "in die Welt hinauszuposaunen" – so wie Jesus forderte (Mt 6,1-4). "Als Johann Birndorfer noch auf dem Venushof in Parzham lebte und arbeitete, gehörte die Familie eher zum wohlhabenderen Teil der Bevölkerung. Aber es war auf diesem Bauernhof gang und gäbe, dass vorüberziehende Bettler Essen und sogar Übernachtung erhielten", erzählte P. Norbert. Und wie er es in seiner Familie gelernt habe, teilte er und gab sein Vermögen weiter. "Als er sich zum Klostereintritt entschloss, verzichtete er auf das elterliche Erbe und teilte seinen Anteil auf. Einen Teil vermachte er den Armen, einen Teil stellte er für die Vergrößerung des Friedhofs seines Pfarrortes Weng zur Verfügung und weiter spendete er für den damals neu gegründeten Bonifatiusverein und für den Ludwig-Missionsverein."

Vor allem aber gab er Almosen an der Pforte des St. Anna Klosters, wie P. Norbert schilderte. "Wallfahrer, Bettler und Kinder klopften an und erhofften sich eine milde Gabe – nie vergeblich. Unerschöpflich waren seine Geduld und Freigebigkeit und das nicht immer zur Freude und Begeisterung seiner Oberen." Weiter betonte P. Norbert: "Bruder Konrad hat dabei – um das Wort des Evangeliums zu gebrauchen – seine Gerechtigkeit, seine Ausrichtung auf die Menschen, gerade und besonders auf die Armen, nicht zur Schau gestellt, auch, wenn das viele Gute, das er tat, nicht im Verborgenen bleiben konnte. Seine Güte und Hilfsbereitschaft hat sich zu seinen Lebzeiten bereits herumgesprochen, aber sein Umgang mit den Almosen des Klosters war sicher im Sinn des Evangeliums, nicht zuletzt auch deswegen, da er in großer Güte und Menschenfreundlichkeit sich den Bedürftigen an der Klosterpforte zuwandte. Nicht nur um die materiellen Gaben ging es ihm, er hatte viel mehr zu geben, ein gutes Wort, menschliche Zuwendung, Anleitung zum Gebet und das war für ihn Erfüllung des Willens Gottes." Nach wie vor sei der hl. Br. Konrad in dieser Hinsicht ein Vorbild.

Mann des Gebetes

Heilige Messe in der St. Magdalenakirche – ein Mann mit dem Gebetbuch in der Hand beobachtet Vorbereitung zur Eucharistiefeier.
Hl. Messe in der St. Magdalenakirche.

Dass Br. Konrads Nächstenliebe vor allem auf einer lebendigen Beziehung zu Gott beruhte, betonte P. Norbert in seiner zweiten Predigt am Samstagnachmittag, als er den Heiligen als einen "Mann des Gebetes" vorstellte. "Das Gebet war ihm wichtig – schon von Kindheit an", betonte P. Norbert. Von klein auf begleitete den jungen Hans Birndorfer das regelmäßige Rosenkranzgebet, der Sonntag war dem Heranwachsenden heilig. Sehr oft sei er damals als Pilger unterwegs gewesen und habe Gnadenorte der Gottesmutter und anderer Heiliger aufgesucht, wie P. Norbert erzählte. "Denken wir an Maria Hilf oberhalb Passau, an St. Anna bei Ering, die Waldkapelle in der Lugenz, St. Leonhard in Birnbach, Aigen am Inn, wo er im Benefiziaten Dullinger einen geistlichen Begleiter fand, bei dem er regelmäßig beichtete und sich aussprach und der ihn bestärkte, seine Berufung im Kloster als Kapuziner zu leben und denken wir natürlich an Altötting, wo er sich der Marianischen Männerkongregation und dem Dritten Orden des heiligen Franziskus anschloss." Später an der Klosterpforte hatte Br. Konrad "neben dem Pfortenfenster immer auch das Fenster zur Kirche in der Alexiuszelle, und durch dieses Fenster den Altar und den Tabernakel, also das Allerheiligste, im Blick".

So sei der Heilige gerade auch in heutiger Zeit ein Vorbild, in der viele vorgeben, zum Beten keine Zeit mehr zu haben, wie P. Norbert anmahnte. Gerade "das kurze Gebet zwischendurch – wir können es auch 'Stoßgebet' nennen –, heiligt den Tag". Dabei gehe es um ein "echtes Gebet", nicht um das Plappern wie die Heiden, wie dies Jesus im Evangelium kritisiert (Mt 6,5-15), sondern um eine "echte und stimmige Beziehung zum Du Gottes und auch zur Gottesmutter und zu den Heiligen". P. Norbert erklärte: "Verwurzelung im Gebet bedeutet Christus im Herzen zu tragen." Den Gottesdienstbesuchern legte P. Norbert insbesondere die Altöttinger Anbetungskapelle ans Herz.

Fasten

P. Norbert Schlenker und P. Alexander Madathil bei der Eucharistiefeier in der St. Magdaelnakirche.
P. Norbert Schlenker und P. Alexander Madathil bei der Eucharistiefeier in der St. Magdaelnakirche.

Über die Urversuchung im Paradies predigte P. Norbert am Sonntagvormittag: "Die Urversuchung der Menschheit: Wir wollen selber Gott sein. Doch Adam und Eva mussten erkennen: "Nicht, dass sie wie Gott sind, sondern sie sind in Wirklichkeit 'nackt', d. h. ganz und gar bedürftig". Anders Br. Konrad: "Er wusste sich bedürftig, er wusste darum, dass er Nahrung für die Seele braucht und nicht selber alles machen und leisten kann ohne Gottes Hilfe. Er hatte Hunger nach mehr. Um den Willen Gottes mehr und mehr kennen zu lernen, war ihm das Wort, das aus dem Munde Gottes kommt, ganz wichtig." Zum Evangelium über die "Versuchung Jesu" (Mt 4, 1-11) stellte P. Norbert fest: "Wir sind aufgerufen, in seine (Jesu) Nachfolge zu treten, die vielfältigen Versuchungen unseres Lebens zu erkennen und ihnen deutlich zu widerstehen. Dann wird diese Fastenzeit keine trübsinnige, entsagungsreiche und finstere Zeit, sondern ein Fest der Befreiung, eine Zeit der Gnade."

Schließlich sei die Fastenzeit keine Zeit zum Trübsalblasen und das Evangelium vor allem eine "frohe Botschaft", wie P. Norbert erinnerte. "Und so will auch der Aufruf Jesu in der Bergpredigt zum Fasten (Mt 6,16-18) nicht unser Leben einschränken, sondern unserem Leben eine Tiefe geben." Denn das Fasten "will befreien von falschen Bindungen und Abhängigkeiten und damit in die wahre Freiheit führen". P. Norbert stellte fest: "Buße im Sinn des Evangeliums will nicht den Buchstaben des Gesetzes erfüllen, sondern zu einer Kreativität führen, die den Blick öffnet für das, was gerade aus dem Blickwinkel des Evangeliums sinnvoll und notwendig ist." Das Leben des hl. Br. Konrad zeige, dass der Weg der Buße "eben auch die menschlich-brüderliche Zugewandtheit zu seinen Mitmenschen" sein kann. P. Norbert resümierte: Gerade in der Zeit der Buße können sich Gläubige "am Beispiel des heiligen Bruders Konrad orientieren und auf seine Fürsprache vertrauen".

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner