Altöttinger Liebfrauenbote

Misereor-Fastenaktion 2014: Der Kampf gegen den Hunger

Geben, wenn alle nehmen

842 Millionen Menschen auf der Welt leiden Hunger. Auch wenn in einigen Ländern Fortschritte bei der Bekämpfung des Hungers erzielt werden konnten, wuchs in 45 Staaten Afrikas, Asiens und Lateinamerikas die Zahl der unter- oder mangelernährten Menschen um 25 Prozent. Der Hunger fordert jedes Jahr mehr Tote als Malaria, Tuberkulose und Aids zusammen – 8,8 Millionen Menschen! Das bedeutet: Alle vier Sekunden stirbt ein Mensch an den Folgen des Hungers, jeder vierte davon ist ein Kind unter fünf Jahren. Auf diese Katastrophe – und Ansätze zu ihrer Beseitigung in Uganda – lenkt die Misereor-Fastenaktion 2014 den Blick.

Uganda: Dank neuer Anbaumethoden ist auch während der Trockenzeit ein Anbau möglich.
Uganda: Dank neuer Anbaumethoden ist auch während der Trockenzeit ein Anbau möglich.

Die Ursachen für den Hunger in der Welt sind vielfältig: Dürren und Missernten als Folge des Klimawandels lassen vielerorts die Felder vertrocknen, Erosion und Landraub verknappen die Anbauflächen für Kleinbauern, ungerechte Handelsstrukturen oder die globale Nahrungsmittelspekulation verteuern das Essen und sorgen so dafür, dass Familien z.B. in Norduganda nicht mal mehr eine Mahlzeit am Tag erhalten.

Die Zahlen machen deutlich: Über bereits vorhandene erfolgreiche Entwicklungsprojekte hinaus sind unsere Solidarität sowie neue Ideen und Konzepte bei der Bekämpfung des Hungers gefragt. Wie aber kann der Hunger begrenzt werden? Und was kann jeder einzelne dazu beisteuern? Der Hunger im Süden stellt daher auch die Lebensweise im Norden, unser Konsumverhalten und die Essgewohnheiten in Europa und in Nordamerika in Frage.

Die Suche nach den eigenen Handlungsoptionen passt in besonderer Weise in die Fastenzeit, in der viele Menschen bewusst ihr eigenes Verhalten auf den Prüfstand stellen. Misereor weist mit seiner Fastenaktion 2014 auf diesen Zusammenhang hin und ruft zur Solidarität mit den Hungernden auf. Die Fastenaktion steht unter dem Leitwort: "Mut ist, zu geben, wenn alle nehmen". Denn dort, wo alle nur an den eigenen Profit, den eigenen Konsum denken, bleiben die Schwachen auf der Strecke. Es erfordert Mut, sich gegen die herrschenden Konsummuster zu stellen. Die Fastenaktion regt dazu an, das eigene Leben so zu gestalten, dass alle überleben können. Dazu gehört etwa der verantwortungsvolle Umgang mit Lebensmitteln, aber auch das solidarische Teilen. Mit den während der Fastenaktion gesammelten Spenden und Kollekten unterstützt Misereor den Kampf gegen den Hunger u.a. in Uganda, dem Partnerland der diesjährigen Aktion. Es geht u.a. um Projekte, in denen kleinbäuerliche Familienbetriebe neue landwirtschaftliche Konzepte erlernen. So können sie den Ursachen ihres Hungers selbst begegnen (s.u.).

Beispiel-Projekt Uganda: Mit Buchstaben Probleme lösen

Kotido liegt im extrem trockenen Norden von Uganda. Die Männer ziehen während der Trockenzeit mit den Rindern umher. Ihre Familien bleiben in den Dörfern.
Kotido liegt im extrem trockenen Norden von Uganda. Die Männer ziehen während der Trockenzeit mit den Rindern umher. Ihre Familien bleiben in den Dörfern.

Kotido liegt im äußersten Nordosten von Uganda. Hier herrscht semiarides Klima, es ist über Monate hinweg sehr trocken. Die Männer und älteren Söhne sind Viehhirten und ziehen während der Trockenzeit mit Kühen und Ziegen auf der Suche nach Wasserstellen und Weideland umher. Landwirtschaft wird von den Frauen betrieben.

Vom Sorghum, einer Art Hirse, das während der Regenzeit angebaut wird, ernähren sie die Kinder und die alten Menschen, mit denen sie in den so genannten Manyattas, ihren Runddörfern, zurückbleiben. Die Ernte war schon immer knapp. Seit durch den Klimawandel das Wetter unvorhersehbar geworden ist, hat sich die Situation verschlimmert. Über 30 Prozent der Menschen leiden unter Hunger. Hinzu kommt, dass noch nicht einmal zehn Prozent der Menschen, die in dieser Region leben, lesen und schreiben können. Das von Misereor unterstützte Projekt zur ganzheitlichen Alphabetisierung und Gemüseanbau der Diözese Kotido setzt hier an und entwickelt mit den Menschen gemeinsam Lösungen.

Eine Mitarbeiterin des Projektes zeigt einer Gruppe von Frauen ein Bild von einem leeren Hirsespeicher. "Kennt ihr diese Situation?" Die Frauen antworten: "Ja, so sieht es bei uns fast jedes Jahr aus. Vor allem am Ende der Trockenzeit müssen unsere Kinder hungern."

Erfolg mit Gemüsegärten

Hier gibt es mit dem Erlernen des Alphabets viele Infos zu Landwirtschaft, Ernährung und Gesundheit.
Hier gibt es mit dem Erlernen des Alphabets viele Infos zu Landwirtschaft, Ernährung und Gesundheit.

"Vor Projektbeginn waren die Menschen unwissend und hilflos. Jetzt haben viele Menschen genügend zu essen, und die Frauen sind darüber hinaus unabhängiger und selbstbewusster geworden", sagt Rose Lokiru, Leiterin des Projektes zur ganzheitlichen Alphabetisierung. "Gemeinsam mit den Frauen im Dorf überlegen wir, welche Probleme sie besonders bedrängen. Dann diskutieren wir und schreiben wichtige Wörter auf die Tafel. Die Frauen sprechen die Wörter nach, schreiben sie ab und bilden neue Wörter. Dabei entstehen Ideen für die Lösung ihrer Probleme. Und wie nebenbei lernen sie auch noch Lesen und Schreiben." Einige mutige Frauen haben die Idee eines Gemüsegartens ausprobiert.

Gemüseanbau ist ganz neu für sie. Daher wurden sie von den Projektmitarbeiterinnen der Diözese beraten. Um den Gemüseanbau auch in der Trockenzeit zu ermöglichen, hat Misereor den Bau von Wassertanks und einfachen Bewässerungsanlagen finanziert.

Der Mut wurde belohnt: In der Regenzeit konnten die Frauen sogar Überschüsse auf dem Markt verkaufen und so ein kleines Einkommen für die Familie verdienen. Für den Verkauf auf dem Markt ist es besonders wichtig, dass die Frauen auch lesen, schreiben und ein wenig rechnen gelernt haben.

Mittlerweile haben es schon über 1.300 Frauen geschafft, auf diese Weise ihre Familien auch in der Trockenzeit ausreichend zu ernähren. Lesen und schreiben zu lernen und der Erfolg mit den Gemüsegärten hat die Frauen außerdem selbstbewusster gemacht. Sie übernehmen nun auch andere Aufgaben in der Gesellschaft und in der Kirche, die ihre soziale und familiäre Lebenssituation verbessert haben.

Text: red, Fotos: Hartmut Schwarzbach/MISEREOR

Fastenaktion 2014

Die Fastenaktion 2014 wird bundesweit am ersten Wochenende der Fastenzeit in Berlin gestartet. Am 9. März um 10 Uhr gibt ein Gottesdienst in der Berliner Pfarrgemeinde St. Marien / Liebfrauen das Startsignal und ruft die Gläubigen in bundesweit rund 10.000 Pfarrgemeinden zum Mitmachen auf. Zu diesem Gottesdienst bringen Wallfahrer aus Aachen, wo 2013 die Aktion eröffnet wurde, zu Fuß ein großes Hungertuch nach Berlin. Höhepunkt der Fastenaktion ist der fünfte Sonntag der Fastenzeit, der 6. April. Dann werden in allen katholischen Gottesdiensten die Gläubigen um Spenden für Menschen in Not gebeten. Die Fastenaktion endet am Ostersonntag.

Hungertuch 2013/2014

Das Hungertuch 2013/2014: Links oben die hungernden Menschen und das Kind zu sehen, die das Wenige, das sie haben, zusammentragen und im Geiste der Eucharistie das Wunder erleben, dass durch Teilen alle gesättigt werden. Rechts oben sind die Armen und Verwundeten aller Nationen, die von Christus zum letzten Abendmahl geladen werden. Links unten sind die Mächtigen dieser Welt, die Militärs, die G20, die Vertreter und Vertreterinnen eines weltweiten Wirtschaftssystems, das nicht die Bedürfnisse der Menschen im Blick hat, sondern die Maximierung des Gewinns. Großmäulig und in starrer Gleichgültigkeit schlemmen sie. Rechts unten sind Kinder, die ihre Beine von dem Tisch baumeln lassen, der in der linken Szene noch gewaltsam errichtete Barriere war. Ihre Hände umfassen gefüllte Schüsseln: Sie essen und trinken, probieren und genießen. Der Tisch ist wieder zum Tisch für alle geworden.

Text und Foto: Misereor