Altöttinger Liebfrauenbote

Der heilige Bruder Konrad von Parzham (1818-1894) – sein Leben, sein Vorbild

"Wie Gott will"

Bruder-Konrad-Darstellung, Gemälde im Kapuzinerkloster St. Magdalena, Altötting.
Bruder-Konrad-Darstellung, Gemälde im Kapuzinerkloster St. Magdalena, Altötting.

Meine Lebensweise besteht nun meistens darin: Lieben und Leiden, im Staunen und Anbeten und Bewundern der namenlosen Liebe zu uns armen Geschöpfen." Dieser Satz stammt keineswegs von einem Theologen oder Mystiker, sondern von einem einfachen Menschen, der in seiner kindlichen Einfachheit die Nähe und Gegenwart Gottes überdeutlich erfahren hat und etwas von dieser Gegenwart Gottes weitergeben konnte an unzählige Menschen, die zu ihm kamen: Bruder Konrad von Parzham, der kleine, unscheinbar wirkende Klosterpförtner von Altötting, der auf dem Venushof in der Pfarrei Weng im niederbayerischen Bauernland geboren wurde und hier seine Heimat fand, bis er aufbrach, dem Ruf Jesu Christi folgend, um in schlichtem Dienst Zeugnis abzulegen für das größere Leben in der wahren Freiheit der Kinder Gottes.

Bruder Konrad hat in einem Brief vom  28. April 1872 sein geistliches Lebensprogramm niedergeschrieben.  Ein Programm, das in Widerspruch zu einer Zeit zu stehen scheint, in der jeder irgendwie darauf aus ist, seine wenn auch noch so kleine Macht zu sichern und zu bewahren, in der viele Menschen sich selbst göttliche Macht zusprechen und dabei übersehen, dass dabei Leben, auch das eigene Leben, gefährdet, ja zerstört wird.

"Lieben und Leiden" sind die Grundhaltungen, die das Leben Konrads prägten. Selbst seinen Widersachern im eigenen Kloster brachte er eine kindlich-einfältige Liebe entgegen. Er konnte gar nicht anders als einfach nur gut sein, denn er wusste sich geborgen und getragen in der Gnade Gottes. Lieben und Leiden, das sind Haltungen, die im Widerspruch stehen zum Kampf um Erfolg, zu Aufstieg und Karriere, Haltungen, die nicht von außen, sondern von innen heraus die Kirche und die Welt verwandeln können.

Wir lassen uns allzu leicht verführen zu einem Anspruchsdenken: Ich leiste etwas, dafür habe ich eine Gegenleistung zu erwarten. Dies gilt oft auch im Blick auf Gottes Hilfe und Beistand. Wir übersehen manchmal, dass letztlich alles Gnade ist, und dass diese Gnade nur Geschenk ist, das wir dankbar, mit offenen Händen annehmen können und dürfen, dass dieses Geschenk aber wieder zum Auftrag wird, im Namen Gottes die Welt zu verwandeln. Lieben und Leiden, das heißt nicht selbstquälerisches Opfer, sondern ist nur ein unbedingtes Ja zum Willen Gottes.

Dieser Wille Gottes ist eben oft so ganz anders als unser menschlich-berechnender Wille. Wir stellen heute oft Fragen nach der Zukunft der Kirche, nach der Zukunft des Glaubens angesichts einer Welt, in der immer mehr Werte verlorenzugehen scheinen. Da kann es leicht geschehen, dass wir mutlos werden, oder dass wir uns zurückziehen in den schützenden Innenraum der Kirche, dorthin, wo die Welt scheinbar noch in Ordnung ist, in einer Ordnung, die sich von außen deutlich markieren lässt. Es fällt uns oft schwer, trotz vieler dunkler Wolken am Horizont die Sonne nicht zu übersehen, trotz aller Unsicherheit die Geborgenheit in Gott zu erspüren.

Kind seiner Zeit – der Zeit voraus

Darstellung des Heiligen im Klostergang St. Konrad in Altötting.
Darstellung des Heiligen im Klostergang St. Konrad in Altötting.

Die Zeit des Bruders Konrad, das 19. Jahrhundert, war in mancher Hinsicht nicht so viel besser. Es war die Zeit nach der Säkularisation, in der viele Klöster aufgehoben wurden, Wallfahrten abgeschafft und Wallfahrtskirchen in aufklärerischem Bildersturm dem Erdboden gleichgemacht wurden. Es war die Zeit der anbrechenden Indus-trialisierung, in der viele Menschen aus ihrer Heimat entwurzelt wurden und verarmten. Es war die Zeit der neuen, weltoffenen Denkweisen, in denen sich kirchliche Überlieferungen nur noch als eine Weltsicht neben vielen anderen behaupten konnten. Es gab im 19. Jahrhundert auch schon Zeiten mit einem erschreckenden Rückgang der geistlichen Berufe, Zeiten, in denen nur wenige Priester geweiht wurden. Es war aber auch eine Zeit, in der viele Menschen in stiller Treue ihren Glauben bewahrten und weitergaben, manchmal sogar trotz aller öffentlichen Anordnungen, in einem gewissen Widerstand zur politischen Führung, damals zum Königreich Bayern und seiner Minister. Nur diesen glaubenstreuen und mutigen Menschen verdanken wir es, dass trotz aller Aufklärung manche Wallfahrtskirche, so auch das Heiligtum Altötting wieder zu neuem Leben erweckt wurde, dass der Strom des Gebetes nicht abriss und sogar immer breiter wurde, dass neue Klöster,  wie etwa Tettenweis, Thyrnau oder die Niederlassungen der Englischen Fräulein wie Niedernburg in Passau, Simbach, Pocking oder Neuhaus am Inn entstanden.

Bruder Konrad war ein Kind seiner Zeit, dennoch lebte er über diese Zeit hinaus. Er lebte seinen unerschütterlichen Glauben mit einer ungebrochenen Geradlinigkeit, die ihn über alle Widerwärtigkeiten hinweg führte. Sein Ideal war der heilige Franz von Assisi, dessen Minderbrüder die Kirche mit neuem Geist, dem Geist der Armut und der dienenden Liebe durchzogen hatten. Bruder Konrad wusste sich als armes Geschöpf Gottes im Reichtum seiner Schöpfung. Seine Würde war die Armut, die ihn offen machte für die Größe Gottes. "Staunen, Anbeten und Bewundern der namenlosen Liebe" wurde seine Lebensweise. Staunen konnte er lernen in seiner Arbeit auf dem elterlichen Bauernhof. Damals war ein Bauer noch nicht ein kleiner Fabrikbesitzer, sondern lebte mit allem Lebendigen, spürte das Wachsen der Kräfte im Frühjahr, die Fülle der Frucht im Sommer, bangte wohl auch manchmal um die Ernte eines Jahres und erlebte auch das Absterben der Natur in Herbst und Winter. In allem wurde Gottes schöpferische Lebenskraft spürbar, die der Mensch dankbar annahm, ohne eigenmächtig einzugreifen. Aus diesem Staunen wurde dann auch die Anbetung Gottes.

Viele Menschen können nicht mehr staunen und darum auch nicht mehr beten. Staunen können höchstens noch Kinder. Sie sehen noch mit anderen Augen, sie berechnen noch nicht den größtmöglichen Nutzen, sondern können sich einfach, in aller Einfalt des Herzens, noch freuen.

Staunen und Anbeten gehören für Konrad von Parzham untrennbar zusammen. Wer sich das Staunen bewahrt, kann sich den Blick für Gott bewahren. Anbeten ist mehr als fromme Pflichterfüllung. Es wächst aus einem übervollen Herzen, das sich nicht kleinlich ängstigt und sorgt, sondern das ruhen kann in Gott.

Im Anbeten wird Gottes Größe spürbar, leuchtet sie herein auch in manche Dunkelheit des Lebens, in manche Angst, die sich einschleicht, in manche Unsicherheit und manchen Zweifel. Gott anbeten heißt nicht nur, alles andere, was zu den Verantwortungen und Aufgaben gehört, einfach liegen zu lassen, sondern heißt, mit dem ganzen Leben anbeten, alles Tun zur Anbetung Gottes zu machen, in allem Gottes Gegenwart erspüren. Bruder Konrad lebte mit dem Satz "Wie Gott will". Diese drei kleinen Wörter machten ihm alles erträglich, gaben ihm Kraft, Halt und Trost. "Wie Gott will" - allein in dieser Hingabe in den Willen Gottes zeigt sich auch die Anbetung Gottes. Gott führt uns auf den Weg, den er für uns bestimmt hat, unser Ja zu diesem Weg ist auch eine Verneigung vor seiner Größe.

Kindliche Liebe zu Gott

Die Silberfigur des hl. Br. Konrad am Gnadenaltar in der Altöttinger Gnadenkapelle.
Die Silberfigur des hl. Br. Konrad am Gnadenaltar in der Altöttinger Gnadenkapelle.

"In der Liebe meines Gottes komme ich an kein Ende. Da hindert mich nichts, da bin ich immer mit meinem lieben Gott auf das Innigste vereinigt", schreibt Bruder Konrad in dem anfangs zitierten Brief weiter. Die wahre Liebe zu Gott kommt an kein Ende, sie wird zur Glut, die im Herzen eines Menschen immer bleibt, die zur rechten Zeit aufflammt, leuchtet und wärmt, die auch das Hartgewordene zum Schmelzen bringt. Die Liebe zu Gott wird zur innigsten Vereinigung mit Gott. Oft ist diese Liebe geprägt und belastet von einer unbestimmten Angst vor der Größe Gottes, vor seiner unfassbaren Macht. Gottes Macht ist die Liebe, die befreit von allen Ängsten, die unser Leben bestimmen. Gottes Liebe wurde offenbar in seinem Sohn Jesus Christus, in seiner Botschaft, am deutlichsten aber in seinem Kreuz und seiner Auferstehung. Nicht Ängste dürfen unseren Glauben prägen, sondern allein die wohl immer auch bruchstückhafte Liebe zu Gott. "Auch bei meinen vielen Geschäften bin ich oft um so inniger mit ihm vereinigt", schreibt Konrad. Und er hatte wohl viele Geschäfte an der Klosterpforte zu Altötting!

Hören wir wieder auf Bruder Konrad: "Ich rede da auch ganz vertraulich wie ein Kind mit seinem Vater. Ich klage ihm da meine Anliegen, meine Bitten, was mich am meisten drückt. Dann bitte ich ihn, er möchte mir diese oder jene Gnade verleihen, aber mit recht kindlichem Vertrauen, ja mit recht großem Vertrauen." Das Gottvertrauen ist der tragende Grund für Konrads Leben. In diesem Gottvertrauen wagte er den Schritt weg vom heimatlichen Bauernhof in den radikalen Dienst in der Nachfolge Jesu Christi. Immer galt ihm das Wort: "Wie Gott will." - Dein Wille geschehe! Dieses Wort, diese Bitte des "Vater unsers" geht uns leicht über die Lippen. Es ist dies eine Bitte: Dein Wille geschehe! Eine Bitte, aus der das Vertrauen spricht. Gott, lass deinen Willen geschehen, auch wenn wir dich immer wieder daran zu hindern versuchen! Lass deinen Willen geschehen, auch wenn wir ihn nicht begreifen! Wenn wir wirklich so bitten können, dann werden alle unsere Sorgen und Ängste klein und gering, dann können wir auch in der größten Not unseres Herzens noch getrost aufschauen.

Vertraulich wie ein Kind hat Konrad gebetet. Er brauchte wohl keine große Anleitung, kein Lehrbuch des Betens. Sein Meister war Jesus Christus, der uns zu beten gelehrt hat: "Vater unser". In inniger Gemeinschaft mit Christus hat Konrad gebetet. Diese Gemeinschaft erfuhr er durch die Mitfeier der Eucharistie und den Empfang der Kommunion. Es war dies für ihn ein Stück seines Lebens geworden, ja die Mitte seines Lebens überhaupt, die ihm Kraft gab zu lieben und zu leiden.

Die Gemeinschaft mit Christus führte ihn nicht am Kreuz vorbei, sondern durch das Kreuz zur Fülle und Weite des Lebens. Konrad wusste sich immer als Beschenkter, der lebte, weil Gott ihm Gnade verlieh. Er lebte das, was Maria im Magnificat besingt: "Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut." Gott wendet sich dem Niedrigen zu, dem Unscheinbaren, der noch ganz offen sein kann, der lebt aus einem kindlichen Vertrauen. Wer nur auf seine eigene Kraft vertraut, auf seine eigenen Fähigkeiten baut, der geht Gefahr, sich der Zuwendung Gottes zu verschließen. "Der Mächtige hat Großes an mir getan", singt Maria. Großes tut Gott an jedem Menschen, der sich für seine Gnade öffnet. Gott schreibt für jeden Menschen eine Heilsgeschichte, und diese Heilsgeschichte ist immer wieder Einladung zum Aufbruch auf Leben und Zukunft hin, die nicht allein aus menschlicher Kraft erreichbar und machbar ist.

Stiller, lautloser Kampf

Darstellung des Heiligen im Kapuzinerkloster St. Konrad in Altötting.
Darstellung des Heiligen im Kapuzinerkloster St. Konrad in Altötting.

Bruder Konrad wusste sehr wohl, dass selbst sein Gottvertrauen brüchig werden konnte, und dass diese Brüchigkeit zur Sünde werden kann: "Habe ich gefehlt, dann bitte ich recht demütig, er möchte mir wieder verzeihen, ich will ja ein recht gutes Kind werden." Entscheidend für das Kind-Werden ist die Demut, die Gottes Heil annimmt und aus diesem Heil lebt. Es fällt uns manchmal nicht leicht, eigenes Fehlverhalten in aller Ehrlichkeit einzugestehen, zum eigenen Menschsein mit seiner Brüchigkeit zu stehen. Aber nur, wer um seine eigenen Fehler und Grenzen weiß, der kann auch andere Menschen verstehen und so annehmen, wie sie sind, der misst nicht mit einem zu engen Maßstab, sondern mit dem Maßstab der Barmherzigkeit Gottes. Bruder Konrad machte die Erfahrung, dass Leben immer bruchstückhaft ist. Er spürte die Verdächtigungen und Demütigungen seiner Mitbrüder im Kloster und an der Pforte. Er spürte, dass die Welt nicht heil ist, sondern immer noch der Heilung bedarf. Es fällt uns auch in der Kirche manchmal recht schwer, auch diese Bruchstücke auszuhalten. Heute neigen viele eher dazu, alles hinzuschmeißen, weil es sich nicht mehr dafür zu kämpfen lohnt. Bruder Konrad musste kämpfen, den stillen, lautlosen Kampf mit den vielen kleinen und großen Mächten, aber er gab in diesem Kampf nie auf. Er wusste um seine Kindschaft Gottes, die ihm Geborgenheit und Trost gab. Seine Antwort war die noch innigere Liebe zu Gott: "Ich will ihn dann – in der Erfahrung des Fehlens und der Bruchstückhaftigkeit - um so inniger lieben", schreibt er. Das Vertrauen in das Erbarmen Gottes gibt uns die Kraft, Gott zu lieben.

"Und das Mittel, das ich gebrauche, mich in der Demut und Sanftmut zu üben, ist kein anderes als das Kreuz. Dies ist mein Buch. Nur ein Blick auf das Kreuz lehrt mich in jeder Gelegenheit, wie ich mich zu verhalten habe. Da lerne ich Geduld und Demut, Sanftmut und jedes Kreuz mit Geduld zu ertragen. Ja, es wird mir süß und leicht." Das Kreuz wird zum Buch, zur Botschaft der Erlösung. Es ist die unmittelbarste Sprache Gottes, die keiner Übersetzung bedarf, keines Kommentars, keiner Deutung. Das Kreuz ist der Brennpunkt menschlichen Lebens und Glaubens, in dem das Leben eingeschmolzen wird im Feuer der Liebe Gottes, um neu zu werden, erlöst und geheilt von aller Krankheit der Sünde.

Demut und Geduld im Zeichen des Kreuzes

Br. Konrad-Darstellung in der Kapuzinergruft.
Br. Konrad-Darstellung in der Kapuzinergruft.

Bruder Konrad übt Demut, Sanftmut und Geduld im Zeichen des Kreuzes, das heißt, in der Hingabe mit Christus in den Willen des Vaters erfährt er Auferstehung, Befreiung von tödlicher Enge, Erlösung und Heil. Das Kreuz war von Anfang an ein Zeichen, dem widersprochen wurde, es war ein Bild der tiefsten Erniedrigung des Menschen, die zum Tode führte. Es ist wohl auch zu bedenken, dass Bruder Konrad gerade in jener Zeit heiliggesprochen wurde, als ein anderes Kreuz zum Zeichen einer "glorreichen" Macht wurde, das Hakenkreuz der Nationalsozialisten, für die einer, der wie Konrad nur ein stiller, unscheinbarer Diener war, zur großen Anfrage an ihre Macht wurde.

Das Kreuz wurde für Konrad zum Buch, dessen Buchstaben von der Liebe Gottes künden. Für Konrad wurde diese Liebe Gottes zum Auftrag, die Menschen zu lieben. Mit größter Geduld diente er an der Pforte, da gab es kein Murren und kein Klagen, trotz der Grenzen, die auch er schmerzhaft erfahren musste. Aber für ihn wurde das Kreuz zur Gewissheit des ganz in Gott ruhenden Lebens, des Lebens, das in der Gnade Gottes Verwandlung erfährt. Wir Heutigen leben aus der Botschaft vieler Bücher, aus der Botschaft, die uns sagt: Nutze dein Leben, genieße dein Leben, nimm dir alles, was du zum Leben brauchst. Die Botschaft des Kreuzes steht da völlig dagegen. Viele vergessen heute das Kreuz und den Gekreuzigten und damit die Zusage jenes neuen Lebens, das sich nicht aus menschlicher Eigenmächtigkeit machen lässt, das sich im Vergehen erneuert, das im Loslassen seine Erfüllung findet.

Kreuz bedeutet, loslassen zu lernen, um festgenagelt zu werden, um in der Verwundung die Heilung zu spüren. Durch die Wunden des Gekreuzigten sind wir geheilt, denn dieser Gekreuzigte ist auch der Auferstandene. In die Wunden des erhöhten und auferstandenen Herrn legte Thomas seine Finger, um glauben zu können. Das Kreuz ist es, das uns heute glaubwürdig macht, auch die Wunden des eigenen Menschseins, die wir nicht verbergen, sondern zu denen wir im Licht des Gekreuzigten stehen.

Wir richten uns ein in Ordnungen, die wir uns selbst geben und die auf unserer Lebenserfahrung beruhen oder die uns selbst überliefert worden sind. Die einzige wahre Ordnung aber, die keine Enge kennt, ist Gottes Liebe, die "namenlose Liebe zu uns armen Geschöpfen", wie sie Bruder Konrad erfährt.

Bruder Konrad – Weggefährte in unserer Zeit

Darstellung des hl. Br. Konrad in der Sterbezelle.
Darstellung des hl. Br. Konrad in der Sterbezelle.

Auf diese Liebe können wir nur Antwort zu geben versuchen, eine Antwort aus einem offenen, ehrlichen, unverstellten Herzen. Bruder Konrad war in gutem Sinn einfältigen Herzens. Er verbarg kein Misstrauen, keinen Groll, keine Abneigung unter der Fassade der Frömmigkeit und der Gerechtigkeit. Er konnte jedem Menschen einfach ins Gesicht schauen, auch dem, der ihm Böses wollte. In jedem Menschen aber sah er das Gesicht Gottes, erkannte er den Willen Gottes, zu dem Ja zu sagen es eines kindlich glaubenden, felsenfest vertrauenden Herzens bedarf.

Bruder Konrad starb vor 120 Jahren. Vieles hat sich inzwischen geändert auf dieser Welt, das Streben nach einer neuen Weltordnung stößt immer wieder an Grenzen. Mauern sind gefallen, Grenzen wurden geöffnet. Aber die Unsicherheit bleibt, ja wurde stärker als je zuvor, eine Unsicherheit, die bei vielen, auch bei vielen Christen, Ängste auslöst. Da kann uns ein einfacher Mensch wie es Bruder Konrad war, ein Weggefährte sein. Sein stiller, einfacher Dienst hat mehr bewegt als manche laute Kundgebung. Er hat mit seinem Dienst den Menschen unmittelbar getroffen, und diese unmittelbare Begegnung ist es, die Heilung und Erlösung aus Ängsten und Sorgen schenkt. Er hat voll Vertrauen alles in den Willen Gottes gelegt. Sicher hat er durch die damaligen begrenzten Möglichkeiten die Weite der Welt mit ihren auch damals aufkeimenden Bedrohungen nicht gesehen und nicht erkennen können. Aber das war nicht unbedingt nötig. In seiner Welt wurde Konrad ein Diener im Zeichen des Kreuzes, der durch sein vertrauensvolles Gebet sich ganz in die Gegenwart Gottes stellte und in dieser Gegenwart seine Kraft fand, seinen Trost und seine Zuflucht.

War er ein zu braver Mann, ein allzu unscheinbarer Zeitgenosse? Vielleicht ja, aber er stand fest in der Treue zu Gott, und diese Treue war seine Antwort auf Gottes Treue, der sein Volk auf den Weg des Heiles führt, auch wenn dieser Weg durch die Wüste geht, wenn dieser Weg mühsam und beschwerlich zu werden droht. Gott ist bei uns, mit uns auf dem Weg. Bruder Konrad erfuhr diese Nähe Gottes und legte davon Zeugnis ab in seiner geduldigen, dienenden Liebe, aber auch in seiner stillen, demütigen Anbetung. "Wie Gott will" - das war der Weg des Bruders Konrad, ein Weg des Vertrauens und der Liebe, den zu gehen auch heute noch lohnt.

Text: Msgr. Dr. Hans Würdinger, Fotos: Roswitha Dorfner