Altöttinger Liebfrauenbote

Nachdenkliches zum Jubiläumsjahr, von Kapuinerpater Br. Georg Greimel OFMCap

Br. Konrad – einer für heute

Darstellung des hl. Br. Konrad in der Sakristei der St. Anna-Basilika.
Darstellung des hl. Br. Konrad in der Sakristei der St. Anna-Basilika.

Liebe Leserinnen und Leser!

Vor 120 Jahren ist Br. Konrad gestorben, vor 80 Jahren wurde er heilig gesprochen und vor 30 Jahre zum dritten Diözesanpatron des Bistums Passau erwählt. Diese geschichtlichen Daten haben einen tiefen Gehalt, vor allem die Heiligsprechung im Jahr 1934.

Gott zeigt in jeder Zeit Menschen mit der Qualität des Heiligseins, um dadurch sein eigenes Gesicht neu sichtbar zu machen. Bruder Konrad war im Land der Reformation der erste deutsche Heilige nach ca. 400 Jahren. Papst Pius XI. hat 1934 Bruder Konrad ganz bewusst heilig gesprochen mit quasi politischem Akzent. Der einfache und bescheidene, demütige und fromme Klosterpförtner, der braune Kapuzinerbruder sei der wahre Mensch als Gegenbild zum verirrten Menschenbild der Rassenideologie des Braunen von Braunau. Für uns Kapuziner war und ist diese Auszeichnung und Akzentsetzung eine große Ehre.

Bruder Konrad kann auch uns ein sicherer Wegweiser gegen jede geistige Verirrung und Einseitigkeit sein. Die Heiligsprechung fordert uns heute neu heraus. Br. Konrad ist als Pförtner allen Menschen mit derselben Aufmerksamkeit begegnet, hat keine Unterschiede gemacht zwischen Reichen und Armen, Jungen und Alten, Einheimischen und Ausländern. Jeden hat er ernst genommen. Diese so selbstverständlich klingende Einstellung ist jedem einseitig nationalen und rassistischen Denken und Reden entgegenzuhalten. Der heilige Pfortenbruder steht dafür.

Wie gefährlich logisch erscheint heute im Rahmen der wissenschaftlichen Möglichkeiten der Gedanke, eine durch und durch gesunde Gesellschaft zu schaffen, und das ab Zeugung und Geburt. Die Absonderung des Gesunden vom Kranken bereits im embryonalen Stadium ist ein verführerischer Schritt, geht aber auf Kosten der Aussortierten, die nicht leben dürfen. Oder die aktive Sterbehilfe ohne Altersgrenze, wie jetzt in Belgien beschlossen. Ein schwer krankes Kind darf nur an der Hand eines Erwachsenen sterben, nie aber durch dessen Hand. Es gibt immer noch den Unterschied zwischen töten und in Ruhe sterben lassen. Bruder Konrad, der jedem im Leben geholfen hat, würde sagen, wir müssen noch mehr beten.

Gottes Nähe suchen

Kapuzinerpater Br. Georg Greimel (Altötting) ist Präses der Marianischen Männerkongregation Altötting sowie Beirat und Pfarrer des Altöttinger Liebfrauenboten.
Kapuzinerpater Br. Georg Greimel (Altötting) ist Präses der Marianischen Männerkongregation Altötting sowie Beirat und Pfarrer des Altöttinger Liebfrauenboten.

Den hl. Bruder Konrad zeichnet die Zuneigung zum Menschen aus, gerade weil er in so enger Verbindung zu Gott steht. Deshalb kann man den Heiligen nicht so einfach haben, weil mit Gott nicht leichtfertig zu hantieren ist. Bruder Konrad ist ein Mensch des intensiven Gebetes. Er weist hin auf das nicht von uns Machbare, auf das wirksame Dasein und Eingreifen Gottes in ein Menschenleben und ins Weltgeschehen. An Bruder Konrad sehen wir die intensive Suche nach dem gegenwärtigen Gott, das große Bedürfnis mit ihm zu sprechen. Uns lenkt heute so vieles vom religiösen Leben und praktischen Glauben ab. Wir können von Br. Konrad neu eine Unmittelbarkeit des vertrauensvollen und direkten Gebetes lernen. Wir reden zu viel über Gott, doch zu wenig mit ihm. Br. Konrad wurde sehr bald Pförtner. Er hat 41 Jahre lang seinen Pfortendienst getan, immer bereit und präsent für das augenblicklich Notwendige. So wurde er zum Heiligen des erfüllten Alltags. Zugleich hat er jede Gelegenheit genützt, Menschen zu Gott hin zu führen.

Dass der heilige Pförtner auch heute noch gefragt ist, durfte ich selber vor etwa zehn Jahren erfahren. Die Bundespolizei, früher Bundesgrenzschutz fragte an, ob es möglich sei, den hl. Bruder Konrad als ihren Patron zu wählen. Er sei der Pförtner, der Wächter an der Türe, der Hüter des Hauses, er habe ein Auge drauf, wer ein und ausgeht usw.! Gerne gaben wir die Zustimmung. Inzwischen fand die achte Wallfahrt der Bundespolizei zum hl. Bruder Konrad statt.

Der Hoferbe Johannes Birndorfer war in einem äußerst bewegten Jahrhundert auf der Höhe seiner Zeit. Als Bauer hat er sich nicht mit oberflächlichen Schlagwörtern und Dorfgerede zufrieden gegeben. Er hat genauer hingeschaut und sich für das Rechte entschieden. Bevor er 1849 ins Kloster eintrat, hat er sein Erbteil von 10.000 Gulden in vier Teilen verschenkt, u. a. für den Bonifatiusverein, der gerade in diesem Jahr gegründet worden war. Der Heilige lehrt uns, achtsam im Augenblick zu leben, das Rechte zu tun und das Notwendige nicht auf die lange Bank zu schieben.

Nach dem Umbau und Teilneubau des St. Konrad-Klosters 2006-2008 ist ein schöner Teil des Klosters zugänglich und informiert über Leben und Wesen des Kapuzinerheiligen. U. a. kann die Sterbezelle besichtigt werden, in der Bruder Konrad am 21. April 1894 sein Leben Gott zurückgegeben hat. Der Heilige zieht nach wie vor das gläubige Volk an. Ihre Sorgen sind beim heiligen Pfortenbruder gut aufgehoben. Die Bruder-Konradkirche bietet zahllosen Bruder-Konradverehrern eine liturgische Heimat und eine Oase zum persönlichen Gebet. In diesem Sinn feiern wir heuer Jubiläum, in Dankbarkeit für und in Erinnerung an diesen so bescheidenen und doch so großen Heiligen.

Text: Br. Georg Greimel, Fotos: Roswitha Dorfner