Altöttinger Liebfrauenbote

Mosaike aus der Wallfahrt

Nicht mehr lange bis zum großen "Pfingst-Ansturm" der Wallfahrer – rund 30.000 Pilger kommen jedes Jahr am Pfingstwochenende nach Altötting. Doch auch jetzt ist schon einiges los: Über 20 Fußpilgergruppen waren in den vergangenen zwei Wochen am Gnadenort – eine kleine Auswahl:

Ruf zur Neuorientierung – Pilger aus Töging und Erharting

"Wir" – gemeint war die Pilgergruppe aus der Pfarrei St. Josef / Töging – "haben gebetet auf dem Weg nach Altötting ...", so entschuldigte Pfarrer Albert Lang verschmitzt die halbstündige Verspätung. Am 24. Mai um 7.15 Uhr erschienen die Wallfahrer am vereinbarten Treffpunkt an der St. Konrad-Kirche. Gemeinsam mit den Erhartingern, die auch zum Pfarrverband von Pfarrer Lang gehören, zogen sie dann über den Kapellplatz zum Kongregationssaal, um dort Pilgergottesdienst zu feiern. Gebetet hatten die Erhartinger Wallfahrtsteilnehmer, seit 4 Uhr morgens auf den Beinen, ebenso, nur gingen sie eine andere Route, die anscheinend schneller ans Ziel führt. Es sei jedesmal ein beeindruckendes Erlebnis, so der Vortragskreuzträger, wenn man "in aller Herrgottsfrüh" auf dem Weg über Unterau durch Gottes Schöpfung pilgere und lautes Vogelgezwitscher den Pilgerweg säume. "Da kommt man sich teilweise vor wie im Urwald!" Der stellvertretende Wallfahrtsrektor, Kapuzinerpater Norbert Schlenker entbot herzliche Grußworte und dankte für das Glaubenszeugnis. Sich auf den Weg zu machen sei wichtig zur Neuorientierung, denn Christus rufe uns immer wieder auf den Weg des Glaubens.

Text und Foto: Roswitha Dorfner

Dankwallfahrt trotz Abstieg – "Club"-Fans auf Wallfahrt

Seinen Respekt über den guten Zusammenhalt im Verein und die Jubiläums-Fußwallfahrt (wenn auch nur zwei Kilometer Wegstrecke) zollte Kapuzinerpater Br. Andreas Kaiser den Mitgliedern des 1. FC Nürnberg-Fan-Clubs Altötting, allen voran 1. Vorstand Günter Dallmeier und 3. Vorstand Didi Tropschug, die anlässlich ihres 25. Vereins-Jubiläums und trotz "Abstiegs des Clubs" am Samstag, 24. Mai eine Dankwallfahrt von Graming nach Altötting zur Gnadenmutter von Altötting machten. Es nahmen auch Mitglieder vom Fan-Club aus Burk-Forchheim (zwischen Nürnberg und Bamberg – deren Fan-Club zählt 300 Mitglieder und feierte letztes Jahr 25. Jubiläum) teil. Außerdem mit dabei auch Heiner Müller (Deutscher Meister 1961) sowie Siegfried Schneider in der Funktion als Aufsichtsrat und ehemaliger Vizepräsident. "In unserer kurzlebigen Zeit ist nichts von Dauer", bestätigte Br. Andreas bei der kurzen Statio vor der Gnadenkapelle, aber Zusammenstehen in Höhen und gerade in Tiefen, das zeichne eine gute Kameradschaft im Vereinsleben aus, das verbinde. Fußball werde als schönste Nebensache der Welt bezeichnet und dazu gehöre auch zünftig zu feiern – jedoch sollte man im Leben das Religiöse nicht zu kurz kommen lassen und gerade mit einer Wallfahrt zum Herzen Bayerns könne man Glaubenszeugnis geben. "Wie Gott will" laute im heurigen Bruder Konrad-Jubiläums-Jahr das Wallfahrtsmotto und dies könne man sich durchaus als Lebensmotto setzen, empfahl Br. Andreas. Abschließend segnete er die Wallfahrtsteilnehmer und auch die mitgebrachte Votivkerze und entließ die "Cluberer" mit dem Wunsch "dem heurigen, stürmischen Gegenwind zu trotzen, denn wie leicht drehe Gegenwind und stärke als Rückenwind!" Zum gemütlichen Beisammensein und Feierlichkeiten bei Kaffee und Kuchen ging's dann wieder zurück ins Bräuhaus Graming vor den Toren der Wallfahrtsstadt.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Beweglich – Pilger aus Reischach

Den Inn entlang über Neuötting führte am Christi-Himmelfahrtstag, 29. Mai, der traditionelle Bittgang aus dem Pfarrverband Reischach-Arbing-Endlkirchen dem Wallfahrtsziel entgegen: der Gnadenmutter von Altötting. Seit 5.30 Uhr auf den Beinen, voran Konrad Diensthuber, der das Vortragskreuz trug, begleitete Pfarrer Ludwig Samereier seine Pfarrangehörigen beim dreistündigen Pilgergang, um nach der Ankunft am Gnadenort im Kongregationssaal Gottesdienst zu feiern. Wallfahrten seien ein starkes Zeichen der Beweglichkeit, nicht des Festgefahrenseins, betonte der stellvertretende Wallfahrtsrektor, Kapuzinerpater Norbert Schlenker bei der Pilgerbegrüßung. Im Gegenzug könne man vom Gnadenort, gestärkt im Gebet bei der Gnadenmutter und dem hl. Bruder Konrad gute Impulse mit nach Hause nehmen.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

25 Jahre Pilgerleitung – Wallfahrt aus Oberlindhart

Die alltäglichen Dinge außergewöhnlich gut zu tun, zur Ehre Gottes und zum Wohl aller Menschen – als Vorbild stellte Kapuzinerpater Ludwig Wörle dazu den hl. Bruder Konrad als "nachahmenswert" heraus. Am Christi-Himmelfahrtstag, 29. Mai, mit dem Mittagsläuten begleitete P. Ludwig die Fußpilger aus Oberlindhart über den Kapellplatz zur St. Magdalenakirche. Als "außergewöhnlich guter Pilgerführer" konnte Hans Klöbl sein 25. Pilgerleiter-Jubiläum begehen. Zusammen mit Heinz Hort organisiert er alljährlich die Wallfahrt nach Altötting, ausgehend von Kumhausen.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Getragen in der Liebe Gottes – Pilger aus Kirchweidach

"Singen wir eine Strophe von 'großer Gott wir loben dich'", ermunterte Kapuzinerpater Bruder Andreas Kaiser die Fußpilger aus dem Pfarrverband Kirchweidach-Tyrlaching-Oberbuch nach dem Einzug am Samstagmorgen, 31. Mai, in die St. Konrad-Kirche – denn man solle im Leben nicht nur bitten, sondern auch Gott danken. Um 3.45 Uhr waren die 30 Bittgang-Teilnehmer aufgebrochen und als "Landsmann" bekundete P. Andreas: "Alle Jahre wieder freut's mich, wenn ich euch einbegleiten darf." Gute Traditionen solle man nicht einschlafen lassen. Auf den hl. Pfortenbruder Konrad verweisend empfahl Br. Andreas, sich stets in der Liebe Gottes getragen zu wissen.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Herzliches Grüß Gott – Wallfahrt aus Schnaitsee

Mit einem "Herzlichen Grüß Gott" begrüßte am 31. Mai Kapuzinerpater Rigobert Buchschachner über 50 Pilger aus Schnait-see im Kongregationssaal und erklärte: "Denn ich grüße Gott in euch - ihr seid alle Töchter und Söhne Gottes". Mit "einem festen Ziel" vor Augen sind die Pilger aufgebrochen – die meisten waren seit 3 Uhr morgens unterwegs, ehe sie gegen 9.15 Uhr Altötting erreichten –, doch P. Rigobert betonte: "Am Ziel braucht es Zeit, bis man auch mit Herz und Seele angekommen ist." Ankommen heiße, sich im Gebet und in der Eucharistie Gott zuzuwenden. Die Wallfahrer nahmen sich auch die nötige Zeit: nach der Ankunft feierten sie mit Pfr. Georg Schinagl eine Pilgermesse im Kongregationssaal, nachmittags um 13 Uhr eine Andacht in St. Konrad.

Text und Fotos: Michael Glaß

Verdient – Pilger aus Taufkirchen-Falkenberg

"Schön, dass ihr gekommen seid", begrüßte Kapuzinerpater Alexander Madathil die über 100 Pilger der Weggemeinschaft Taufkirchen-Falkenberg am 31. Mai in der St. Magdalenakirche. "Lasst das Herz zur Ruhe kommen und lasst es euch gut gehen – Ihr habt es euch verdient", sagte er. 30 km waren die Fußpilger unterwegs gewesen. Mit Pfr. Martin Sadiq Masih feierten sie eine hl. Messe.

Text und Fotos: Michael Glaß

Im Zeichen des neuen Heiligen – Wallfahrt der Polnisch-Katholischen Mission

Die Wallfahrt der Polnisch-Katholischen Mission der in Bayern lebenden polnischen Katholiken nach Altötting am 31. Mai stand im Zeichen der Heiligsprechung ihres Landsmanns Papst Johannes Paul II. Dementsprechend war in der St. Anna-Basilika beim feierlichen Gottesdienst, gestaltet mit eigenem Chor, und auch bei der nachmittäglichen Andacht neben dem Volksaltar ein geschmücktes Papstbild aufgestellt. Für den verhinderten Hauptzelebranten Bischof Czeslaw Stanula, Brasilien, war der Provinzial Piotr Chyla eingesprungen und brachte in seiner Predigt die Freude zum Ausdruck, dass der bereits zu Lebzeiten viel verehrte Papst Johannes Paul II. nun in den Reihen der Heiligen seinen verdienten Platz gefunden habe.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Zwei Christkindl mit dabei – Wallfahrt der KAB Geretsried

Nicht nur P. Norbert Schlenker, sondern auch Vertreter und Fahnen-abordnung der Altöttinger KAB begleiteten am 31. Mai die Pilger der KAB Geretsried zum Kapellplatz. Die Radpilger, unter Leitung vom 1. Vorsitzenden Gerhard Beißler waren zwei Tage unterwegs, die Fußpilger mit Nick Sappl an der Spitze kamen in drei Tagen Fußmarsch ans Pilgerziel. Als Radpilger mit auf den Weg gemacht hatten sich Theresa (12), und die Zwillinge Martin und Johanna (8, beide als "Christkindl" am 24. Dezember geboren) mit ihren Großeltern Gerhard und Gertrud Rottmeier.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Abenteuer "Wallfahrt" – Pilger aus Landshut

"Das Schlimmste, was einem Pilgerleiter passieren kann, ist, wenn er vom Weg abkommt und seine ihm anvertrauten Teilnehmer in die Irre führt ... so einer gehört sofort ausgewechselt!", so die resolute scherzhafte Feststellung vom Landshuter Pilgerführer Günther Fries. Aber man sollte niemals nie sagen, denn genau das ist ihm bei seiner 26. Nacht-Fußwallfahrt – laut Votivtafel in der Gnadenkapelle besteht die Landshuter Wallfahrt seit 1493 – von Samstag, 31. Mai (Abmarsch nach der Andacht um 14 Uhr) auf Sonntag, 1. Juni mit seinen Landshutern auf dem 65 km langen Weg nach Altötting passiert. Entschuldigend und entlastend sei anzumerken: nicht Pilgerleiter Fries' "inneres Navi" war blockiert, sondern das der vorausmarschierenden "Pilgerspitze" – aber "hängen bleiben" tut's dann letztendlich doch am Wallfahrtsorganisator und Leiter. Zu diesem Zeitpunkt, es war noch helllichter Tag, als auf einer Wegstrecke durch den Wald eine Kreuzung falsch passiert wurde, war Günther Fries am Ende des Wallfahrtszuges und teilte Rosenkränze aus. Dabei war er in seine Tätigkeit so vertieft, dass er nicht bemerkte, dass die Wegrichtung nicht den normalen Verlauf nahm, sondern eine falsche Route eingeschlagen wurde. Erst als man einen Bahnsteig passieren musste, wurde der Pilgerleiter stutzig: "Da stimmt doch was nicht – die Gegend ist mir bei der alljährlich in Fleisch und Blut übergegangenen gewohnten Pilgerroute noch nie untergekommen." Einem Herzinfarkt nahe, wie er berichtete, hastete er nach vorn und ratlos diskutierte man, was zu tun sei. Schließlich traf man auf "Einheimische" um nach dem rechten Weg zu fragen und der Hinweis, man bräuchte sich nur am Bahndamm entlang halten stimmte wieder ein wenig zuversichtlicher. Denn Umkehren kam auch nicht mehr in Frage, mit einer "Herde" von 200 Leuten wär das ein unmögliches Unterfangen gewesen und außerdem habe man ja einen Zeitplan, der einzuhalten war. Aber der gutgemeinte Ratschlag mit der Orientierung am Bahndamm entlang entpuppte sich als "Sackgasse". Plötzlich standen die Wallfahrtsteilnehmer vor unwegsamem Gelände mit hohem Gras und Dornengestrüpp. Von einem begehbaren Waldweg keine Spur. Pfarrer Ludwig Westermaier, der die Landshuter Pilgergruppe bis Vilsbiburg begleitete, stellte sich als Retter in der Not heraus, und hatte, ohne lang zu überlegen, laut Fries, "wie der hl. Christophorus einen der jüngsten Wallfahrtsteilnehmer auf die Schultern genommen und durch das Dornengestrüpp getragen!". So haben die Landshuter dann doch wieder den richtigen Pfad erreicht. Außerdem, so berichtete Fries, sei es beruhigend gewesen, dass mit zwei mitpilgernden Ärzten, den Zwillingsbrüdern Rupert (Facharzt) und Max (Zahnarzt) Fendl, wenigstens für gute ärztliche Betreuung vor Ort gesorgt war. Jedenfalls war im weiteren Wallfahrtsverlauf keine ärztliche Hilfe vonnöten: Wenn's schon schiefgeht, dann g'scheit, resümierte der Pilgerleiter und konnte nachträglich über die Geschichte lachen. Und Fries konnte der ganzen Sache sogar etwas Positives abgewinnen: in solchen Situationen sehe man, wie eine Pilgergemeinschaft zusammenschweißt. Was den Landshutern auf dem Weg nach Altötting zu schaffen machte, war die für Mai/bzw. Juni ungewöhnlich kalte Nacht, um die sechs Grad. Aber schließlich kamen die Landshuter doch am Sonntagmorgen, 1. Juni kurz vor 9 Uhr am Gnadenort an und nur mit zehn Minuten Verspätung, trotz unfreiwilligem Umweg und Zwischenfällen. Die Musikkapelle Altötting sorgte für die musikalische Begrüßung, der stellvertretende Wallfahrtsrektor Kapuzinerpater, Norbert Schlenker geleitete die Landshuter "sicher" die letzten Meter zum Kapellplatz. Nach dem Umrunden der Gnadenkapelle wurde im Kongregationssaal Pilgergottesdienst gefeiert. – Nachtrag vom Pilgerleiter: Bereits Tage vor dem Wallfahrtstermin sei in der Landshuter Martinskirche die aufgestellte Pilgerkerze umgefallen – das wertete Günther Fries als schlechtes Omen und Vorzeichen zur Fußwallfahrt nach Altötting und so schlief er Tage vor dem Abmarsch schlecht und hatte ein ungutes Gefühl. Ein klein wenig hat er mit seiner Vorahnung anscheinend Recht behalten.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Alte Pilgertradition – Wallfahrt aus Palling-Tyrlbrunn

Immer am Montag, eine Woche vor dem Pfingstfest, erfüllen die Wallfahrtsteilnehmer aus Palling-Tyrlbrunn mit dem Pilgergang nach Altötting ein Gelübde aus der Pestzeit. Ein altes Votivbild in der Gnadenkapelle aus dem Jahr 1650 berichtet davon. So erreichten unter dem Geläut der Altöttinger Kirchenglocken am Montag, 2. Juni, gegen 15 Uhr die etwa 100 Pallinger und Tyrlbrunner nach 32 km Fußmarsch ihr Pilgerziel. Nach dem Zug über den Kapellplatz hielten sie Rast zur kurzen Andacht im Kongregationssaal bevor sie sich zwei Stunden später zum gemeinsamen Pilgergottesdienst in der St. Konradkirche mit Pfarrer P. Vislav Krijan versammelten. Mit dabei auch heuer wieder Pfarrgemeinderatsvorsitzender Hans Mayer und Vorbeter Hans Gasteiger. Der Guardian von St. Konrad, Kapuzinerpater Bruder Berthold Oehler empfahl, nicht nur auf einer Wallfahrt die Muttergottes als Ziel vor Augen, sondern an der Hand Mariens durchs Jahr zu gehen, denn dies bedeute einen Weg des Glaubens, der Zuversicht und Hoffnung.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner