Altöttinger Liebfrauenbote

55. Gelöbniswallfahrt der Donauschwaben nach Altötting

Mit Christus Brücken bauen

Die Marienmädchen aus Mondsee/Österreich und St. Anna/Rumänien, die Trachtengruppen aus Österreich, Ungarn, Rumänien und dem ehemaligen Jugoslawien – sie alle und viele weitere Pilger waren am Sonntag, 13. Juli nach Altötting gekommen zur 55. Gelöbniswallfahrt der Donauschwaben, um das Vermächtnis von P. Wendelin Gruber aus dem Jahr 1944 an die Gottesmutter Maria im Falle der Hilfe und Errettung aus dem Vernichtungslager Gakowa einzulösen. "Mit Christus Brücken bauen" lautete heuer das Wallfahrtsmotto.

Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer erinnerte in seinem "Wort des Laien" an Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg.
Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer erinnerte in seinem "Wort des Laien" an Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Das St. Gerhardswerk, Initiator der Gelöbniswallfahrt, mit Präses STD Peter Zillich und Visitator em. EGR Andreas Straub und Geschäftsführer Rudolf Fath hatten am Tag vor dem Wallfahrtsgottesdienst zu einer Theateraufführung ins "Kultur- und Kongressforum Altötting" eingeladen. Das Wort der Laien, gesprochen am Sonntag vor dem Festgottesdienst von Bundestagsabgeordnetem Stephan Mayer, verwies auf das Jahr 2014, geprägt von vielen Gedenken wie 100 Jahre Ausbruch Erster Weltkrieg und 75 Jahre Ausbruch des Zweiten Weltkriegs – ein Rückblick auf unvorstellbares Leid und menschliche Tragödien: Nationales Streben und Kriegsextremismus hätten 15 Millionen Menschenleben gekostet. 2014 sei für die Donauschwaben ein besonderes Gedenkjahr: zum 70. Mal jährten sich die schrecklichen Vorkommnisse von 1944 und deren Folgejahre; 100.000 Donauschwaben mussten nach Österreich auswandern, 10.000 flohen aus dem Westbanat und 80.000 aus der Batschka, viele waren auf der Flucht oder in den Vernichtungslagern auf grausamste Weise ums Leben gekommen. Der "Blutige Herbst 1944", eine grausame Mordaktion durch Titopartisanen, sei in die Geschichte eingegangen, so MdB Mayer.

Europas Zeichen stünden im 21. Jahrhundert für Verständigung und Versöhnung. Mayer betonte: "Wir müssen den Staffelstab von der Erlebnis- an die Bekennergeneration übergeben!". Er plädierte für einen nationalen Gedenktag der Heimatvertriebenen (vom Bundeskabinett voraussichtlich für den 20. Juni, am Weltflüchtlingstag, beraten), wie auch für die Schaffung eines Zentrums "Vertreibungen" – eine Dauer-Ausstellung zum Thema "Flucht, Vertreibung und Versöhnung" als Anlaufstelle und Begegnungsstätte für Heimatvertriebene in Berlin. Europa müsse zu einem "Brückenbauer" werden – denn Flucht und Vertreibung sei nicht nur Thema des 20. Jahrhunderts, betonte MdB Mayer.

Politisch-kulturell-wirtschaftlichen Zusammenschluss in christlicher Gesinnung gefordert

Bischof Ferenc Cserháti.
Bischof Ferenc Cserháti.

Mit Christus Brücken bauen heiße, uns auf dem Weg unserer Pilgerschaft nach Christus zu orientieren und dabei die Menschen untereinander zu suchen, verdeutlichte der Hauptzelebrant Bischof Ferenc Cserháti aus Esztergom/Budapest: "Zeichen der Versöhnung und Brüderlichkeit zwischen alter und neuer Heimat können nur gelingen in Treue zu Gott, Kirche, Volk und Heimat!" Es sei unseren Vorfahren nach den Vorfällen des Zweiten Weltkriegs sicherlich nicht leicht gefallen, den Glauben an Gott und den Mitmenschen zu bewahren und daran festzuhalten. Doch Papst Benedikt XVI. habe uns entscheidende Worte mitgegeben: Der Auftrag des Christseins bestehe in der Begegnung mit einem Ereignis, einer Person, um dem Leben einen neuen Horizont, eine entscheidende Richtung zu geben.

Bischof Cserháti warnte vor den Zeichen geistigen und moralischen Zusammenbruchs in Europa; explizit nannte er u.a. die Wirtschafts- und Finanzkrise der letzten Jahre und falsche Hierarchien der Welten. Er sieht sowohl Chance als auch Herausforderung durch Glauben und Hoffnung sowie ein engagiertes Zeugnisgeben als Christen, denn: "Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben." Wie Christus müssten wir Versöhnung zwischen Menschen und Völkern in brüderlicher Verbundenheit stärken und im Leben bewahren, um in der Durchführung großer Ziele mitzuwirken. Der Bischof forderte einen politisch-kulturell-wirtschaftlichen Zusammenschluss in christlicher Gesinnung.

Text: Roswitha Dorfner / red, Fotos: Roswitha Dorfner

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