Altöttinger Liebfrauenbote

KDFB-Wallfahrt der Diözese Passau mit Bischof Stefan Oster

"Wir brauchen Sie dringend"

Am Festtag Mariä Heimsuchung, 2. Juli, hat der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) in der Diözese Passau unter dem Motto "Gerechtigkeit und Friede küssen sich" (Psalm 85,11) zur traditionellen Diözesanwallfahrt nach Altötting eingeladen. Höhepunkt war der Festgottesdienst mit Diözesanbischof Dr. Stefan Oster SDB in der St. Anna-Basilika mit anschließender feierlicher Lichterprozession.

Nach dem Gottesdienst sammelten sich die Pilgerinnen zur Lichterprozession.
Nach dem Gottesdienst sammelten sich die Pilgerinnen zur Lichterprozession.

Die Diözesanleitung und deren Vorsitzende Bärbel Benkenstein-Matschiner, die Bayerische Landesvorsitzende Dr. Elfriede Schießleder, die Geistliche Begleiterin Hildegard Weileder-Wurm sowie der Diözesanbeirat Domkapitular Manfred Ertl hatten zur traditionellen Wallfahrt nach Altötting eingeladen. Der Festgottesdienst wurde vom Diözesanchor des KDFB unter der Leitung von Roland Rimbeck gestaltet.

Um die 50 Fahnen- und Standarten-Abordnungen aus Nah und Fern bahnten beim Einzug durch den Mittelgang des dicht gefüllten "Kirchenschiffes" dem Hauptzelebranten und Prediger Bischof Dr. Stefan Oster den Weg. Spontan spendeten die Frauen dem jungen Passauer Oberhirten freudig Applaus – was mit einem herzlichen Lächeln quittiert wurde. Es war kein Einzug eines Triumphators, es ist die ehrliche Spontanität und Herzlichkeit und das unkomplizierte Zugehen auf die Menschen, das bei den Gläubigen der Passauer Diözese ankommt und die Menschen begeistert. Bischof Oster sagt mit Überzeugung und Glaubwürdigkeit was er denkt und das auch beim abendlichen Festgottesdienst am 2. Juli – dabei blickte er wohlwollend vom Predigtambo in die Runde der vielen, um die 2.000 anwesenden Frauen und stellte lächelnd fest: "Von hier aus ist das ein grandioser Anblick! Die Kirche ist wirklich weiblich!"

"Die Kirche ist eine Frau"

Bischof Oster bei der Predigt
Bischof Oster bei der Predigt.

Dies war auch in Osters Predigt spürbar, als er genauer auf die "Weiblichkeit der Kirche" einging – mit einer tiefgreifenden, theologischen Erklärung, beginnend mit dem Wort "Inkarnation" (Einfleischung): Er zitierte aus dem Kapitel des Johannes-Evangeliums "Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt". In dieser Menschwerdung Jesu sieht Oster das wichtigste, zentralste Ereignis der Geschichte der Menschheit. Der konkrete Ort, in dem Gott diese Inkarnation, diese konkrete Menschwerdung vollzogen habe, "war eine Frau, es war die Mutter des Herrn, die uns im heutigen Evangelium begegnet, zu einem Zeitpunkt, da diese Menschwerdung schon begonnen hat."

Bischof Oster erinnerte dabei an das Fest "Maria Heimsuchung", als die Gottesmutter ihre Verwandte Elisabeth besuchte. Die Kirche habe diese Erzählung der Begegnung der beiden schwangeren Frauen häufig als die Begegnung von Altem und Neuem Bund gedeutet. Maria als Trägerin des Geschehens der Inkarnation verkörpere die neue, heile, erlöste Schöpfung und stehe paradigmatisch, beispielhaft für den Wohnort Gottes in der Welt und werde daher als "Tempel Gottes, als Arche des neuen Bundes, als paradiesischer Garten" und anderes mehr verehrt. Es sei deshalb nicht verwunderlich, so Oster, dass die schönsten Bilder in denen von Israel und der Kirche gesprochen werde, immer von Frauen erzählten: als "Tochter Zion" (Prophet Zefanja) oder "Braut des Herrn" (Prophet Hosea) oder im Neuen Testament als "Braut des Lammes" oder "Braut des heiligen Geistes".

Bischof Oster stellte fest: "Die Kirche, als Wohnort Gottes in der Welt, ist in Maria im wörtlichen und im Volk Gottes im übertragenen Sinn eine Frau." Darin erkläre sich auch, dass unsere Kirchen und ihre Gottesdienste und Aktivitäten oft deutlich stärker von Frauen als von Männern getragen werde. Auch auf die Frage, woran das liege, hatte Bischof Oster eine Antwort: Das Geschehen der Inkarnation müsse sich in unserer Seele ereignen. "Wenn Christus uns auch heute immer noch entgegenkommen will, Tag für Tag, in seinem Wort, durch seinen Geist, in seiner Liebe ... dann ist es immer noch so, dass er auch in jedem von uns Fleisch und Blut werden will."

Absage an das Frauenpriestertum

Bischof Dtefan Oster mit Fahnenträgerin Mathilde Brandl aus Unterdietfurt.
Bischof Dtefan Oster mit Fahnenträgerin Mathilde Brandl aus Unterdietfurt.

Die eindringliche Aufforderung des Passauer Oberhirten: Wir sollten Christus in unserer Seele, in unseren Herzen wirklich Eingang finden lassen – und dabei merkte Oster an, dass Frauen seinem Eindruck nach einfach besser darin seien, das Wort Gottes wirklich aufzunehmen, in sich reifen, wachsen und wirken zu lassen. Dies galt auch als Wertschätzung für alles, was die Frauen in der Kirche tun: "Wir brauchen Sie dringend!"

Gleichzeitig betonte Oster, dass er es als Theologe und Bischof nicht für möglich halte, dass Frauen in unserer Kirche Anteil am sakramentalen Priestertum bekämen. Frauen würden dabei nicht als Menschen zweiter Klasse abgestempelt. Oster erklärte: "Es hat damit zu tun, dass Gott sich dem Menschen durch die Schöpfung mitteilt – und als tiefstes und schönstes Bild dieser Mitteilung hat er das Bild von Braut und Bräutigam erwählt – und in Christus war es dann mehr als nur ein Bild, sondern konkret in Fleisch und Blut da. Christus ist der Bräutigam und die Kirche die Braut und die Eucharistie ist das Hochzeitsmahl des Lammes, wie wir sagen. Daher kann Christus in der Eucharistie aus meiner Sicht nur von einem Mann, den er dazu beruft, repräsentiert werden. Aber dass er, Christus, beruft ist auch wichtig: Kein Mann kann sich das Priestertum einfach nehmen und keiner hat von sich her ein Recht dazu."

In der Kirche dürfe es niemals zuerst um Macht und Einfluss im nur weltlichen Sinn gehen, betonte Oster und fügte hinzu: "Kirche ist zuerst da, dass wir alle lernen, Ihn, den Herrn, in uns aufzunehmen, der Welt zu schenken und so mitzuwirken am Aufbau seines Reichs, in dem er König ist. Wir lernen es durch ihn, miteinander und voneinander. Kirche ist dafür da, dass wir alle glaubender, hoffender und liebender werden." Am Ende griff Oster das Wallfahrtsthema auf: "Wo Christus wirklich die Mitte wird, da küssen sich Gerechtigkeit und Friede."

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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Einzug mit Fahnen.
Einzug mit Fahnen.
Gottesdienst.
Gottesdienst.
Gabenbereitung.
Gabenbereitung.
Lichterprozession.
Lichterprozession.
Bischof Oster im Gespräch mit Frauen.
Bischof Oster teilt die hl. Kommunion aus.
Bischof Oster mit Domkapitular Manfred Ert und Dr. Elfriede Schießleder.
Bischof Oster (r.) mit Domkapitular Manfred Ert (M.) und Dr. Elfriede Schießleder (l.).