Altöttinger Liebfrauenbote

Kaiser Karl der Große: Kurzportrait und seine Spuren in Bayern

Schutzherr und Eroberer

Kaiser Karl der Große und die Stadt Aachen gehören zusammen wie die Gnadenkapelle und Altötting oder die Domspatzen und Regensburg. Nicht umsonst spricht man von der Kaiser-Stadt Aachen und auch vom Kaiser-Dom. Am 28. Januar 2014 jährt sich der Todestag des berühmten Kaisers aus dem Hause der Karolinger zum 1200. Mal und wird in Aachen feierlich begangen mit einem Pontifikalamt im Aachener Dom und verschiedenen Ausstellungen. Auch in Bayern hat er seine Spuren hinterlassen.

In der Basilika Sankt Emmeram in Regensburg schmückt eine lebensgroße Darstellung von Kaiser Karl den Chorraum der ehemaligen Benediktinerabtei.
In der Basilika Sankt Emmeram in Regensburg schmückt eine lebensgroße Darstellung von Kaiser Karl den Chorraum der ehemaligen Benediktinerabtei.

Wer aber war nun dieser deutsche Kaiser, der schon zu Lebzeiten die Menschen faszinierte? Er war zuallererst Franke – was aber wiederum nichts mit der heutigen Region Franken im Freistaat Bayern zu tun hat. Seine Spuren hat Karl der Große im heutigen Bundesland dennoch hinterlassen. Geboren um 747 oder 748, wurde Karl mit rund 20 Jahren König des fränkischen Reiches. In seinen zahlreichen Feldzügen erweiterte er das Reich in ganz entscheidendem Maße, was zur Machtsteigerung seiner Familie beitrug. Am Weihnachtstag 800 wurde er in Rom von Papst Leo III. zum Kaiser gekrönt, womit das Kaisertum im Westen Europas nach Jahrhunderten wieder errichtet wurde. Wie viele Herrscher seiner Zeit, auch wenn sie dem Christentum angehörten, hatte er mehrere Ehefrauen (fünf) und Nebenfrauen (mindestens vier), die ihm zahlreiche Nachkommen schenkten. Als er am 28. Januar 814 in Aachen starb wurde Karl in der Pfalzkapelle noch am gleichen Tag beigesetzt.

Erst um 1000 erhielt er den Beinamen "der Große","Carolus magnus" in Latein. Rund 350 Jahre nach seinem Tod wurde er auf Betreiben seines Nachfolgers Kaiser Friedrich II. Barbarossa durch den Kölner Erzbischof Rainald von Dassel heiliggesprochen. Dies geschah mit Billigung des Gegenpapstes Paschalis III., aber nicht mit Zustimmung von Papst Alexander III. in Rom. Nichtdestotrotz hat Rom nie etwas gegen eine Verehrung Karls eingewandt und 1176 dann sogar offiziell erlaubt, Karl als Seligen u.a. in der Stadt Aachen zu verehren.

Sein damaliges Reich umfasste Frankreich und Deutschland, Oberitalien und zahlreiche Randgebiete, für Franzosen und Deutsche ist "Charlemagne" gleichermaßen Ahnherr ihrer Nationen. Interessanterweise ist das Wort König in vielen Slawischen Sprachen durch ihn geprägt, so sagen die Russen korol, die Polen król und die Tschechen král. Sogar die Ungarn sprechen vom király und die Türken vom kral, wenn sie den König meinen. Die Stadt Aachen stiftete 1949 den Internationalen Karlspreis, der an Personen oder Einrichtungen verliehen wird, die sich um Europa verdient gemacht haben. So erhielt 1997 der aus Bayern stammende Bundespräsident Roman Herzog den Preis, der damals beschrieben war mit "Unsere Vision heißt Europa".

Mehrmals in Regensburg

Noch heute erinnert der romanische Herzogshof in Regensburg an die Zeit als erste bayerische Hauptstadt unter den Agilolfingern. Dort hat wohl auch Karl der Große gewohnt, als er mehrmals in Regensburg zu Gast war.
Noch heute erinnert der romanische Herzogshof in Regensburg an die Zeit als erste bayerische Hauptstadt unter den Agilolfingern. Dort hat wohl auch Karl der Große gewohnt, als er mehrmals in Regensburg zu Gast war.

Was aber nun hat Karl mit dem Volk der Bajuwaren zu tun? Zur damaligen Zeit regierte das Herzogtum Bayern Tassilo III. aus dem Geschlecht der Agilolfinger. Hauptstadt war nicht München, das gab es damals noch gar nicht, sondern Regensburg. Der Herzogshof nahe dem Dom erinnert heute noch an dieses entscheidende Kapitel bayerischer Geschichte. Herzog Tassilo war sogar ein Cousin Karls des Großen, was diesen aber nicht davon abhielt, im Jahre 788 das Herzogtum Bayern dem Fränkischen Reich einzuverleiben. Erst zum Tode verurteilt und dann begnadigt, wurde Tassilo III. in ein Kloster verbannt. Karl selber hielt sich mehrmals in Regensburg auf, um die Eingliederung ins Reich zu beaufsichtigen. In der ehemaligen Benediktinerabtei und heutigen Pfarrkirche St. Emmeram erinnert eine lebensgroße Statue in der Nordseite des Chorraumes noch an den Kaiser: "S. Carolus Magnus – Protector Monasterii S. Em." ist dort zu lesen – zu gut Deutsch: "Heiliger Karl der Große, Schutzherr des Klosters St. Emmeram".

Neben Klöstern in Freising und Tegernsee hat er auch dieses Kloster wiederbegründet und damit entscheidend zur Entwicklung Bayerns beigetragen. Wenn Bayern nun auch ein Teil des Reiches war, so hatte es trotzdem eine gewisse Sonderstellung. Mit dem Zuwachs von Bayern und Sachsen wuchs das Reich in entscheidendem Maße, was auch die Grundlage für das Heilige Römische Reich Deutscher Nation bildete, das man im übertragenen Sinne ja als den Vorläufer eines vereinten Europas sehen kann.

Text und Fotos: Carl Prämaßing

Die Karolinger haben auch in Altötting ihre Spuren hinterlassen, wie in der Stadtgeschichte des Wallfahrtsortes zu lesen ist.

Buch-Tipps

  • Johannes Fried: Karl der Große. Gewalt und Glaube, C.H. Beck Verlag, München, 736 Seiten, ISBN 978-3-406-65289-9
  • Stefan Weinfurter: Karl der Große. Der heilige Barbar, Piper Verlag, München, 352 Seiten, ISBN 978-3-492-05582-6.

Kurzchronik Karl der Große

Statue Karls des Großen vor dem Rathaus in Aachen.
Statue Karls des Großen vor dem Rathaus in Aachen.
  • 747 oder 748 Als ältester Sohn des späteren Königs Pippin und dessen Frau Bertrada wird Karl am 2. April geboren. Karl stammt aus dem Geschlecht der Amulfinger.
  • 768-771 Zusammen mit seinem Bruder Karlmann regiert er das fränkische Reich.
  • 771 Nach dem Tod seines Bruders wird Karl zum Alleinherrscher.
  • 772 Beginn der Kriegszüge gegen die Sachsen im Osten. Im Süden erobert Karl das Langobarden-Reich und vereinigt es mit dem fränkischen Reich.
  • 774 Karl nennt sich "König der Langobarden und Franken".
  • 777 Weitgehende Bekehrung der Sachsen zum Christentum.
  • 782 Niederschlagung des Sachsenaufstands unter Stammesfürst Widukind.
  • 788 Absetzung Tassilos von Bayern. Damit Abschaffung des letzten Stammesherzogtums. Ausbau des Königshofs in Aachen zu einem Zentrum der Gelehrten.
  • 795 Aufstände in Aquitanien werden niedergeschlagen.
  • 796 Karl unterwirft die Awaren und vergrößert sein Reich nach Südosten.
  • 800 Kaiserkrönung Karls des Großen durch den Papst am 25. Dezember. Im rivalisierenden Byzanz, das sich selbst in der Nachfolge des Römischen Imperiums sieht, betrachtet man die Kaiserkrönung mit Argwohn.
  • 804 Die Sachsen werden in das Reich integriert. Der 772 begonnene Kampf gegen Widukind ist beendet.
  • 806 Karl der Große lässt das byzantinische Venedig besetzen.
  • 812 Karl der Große wird als Schutzherr Roms bei Verzicht auf Dalmatien und Venetien auch vom Rivalen Byzanz als Westkaiser anerkannt.
  • 813 Karl ernennt seinen Sohn Ludwig den Frommen zum Mitregenten.
  • 814 Karl der Große stirbt am 28. Januar in Aachen. Er wird in der Marienkirche beigesetzt.

Text: red, Foto: Stadt Aachen