Altöttinger Liebfrauenbote

Bildband über die Fotografiegeschichte in Altötting

Mozart und der Pfäffinger

Altötting, das "Herz Bayerns", zieht als Deutschlands wichtigster Wallfahrtsort jedes Jahr unzählige Pilger an. Diese Besonderheit lockte bereits im 19. Jahrhundert viele Berufsfotografen in den Ort. In Altötting sind daher ungewöhnlich viele Aufnahmen aus den ersten Tagen der Fotografie überliefert. Über 150 dieser bislang meist unveröffentlichten historischen Bilder hat Stadtarchivar Alfred Zeller ausgewählt. Auf 96 Seiten präsentiert er für die Neuerscheinung aus dem Sutton Verlag, "Frühe Fotografie in Altötting 1840 bis 1934".

Der "alte Pfäffinger", ein stadtbekanntes Altöttinger Original – eine der Aufnahmen aus dem neuen Buch.
Der "alte Pfäffinger", ein stadtbekanntes Altöttinger Original – eine der Aufnahmen aus dem neuen Buch.

Es handelt sich um Aufnahmen, die in frühen Fotografenstudios entstanden. So zeigt der Bildband, wie sich in Altötting die Wallfahrtsfotografie und die Ansichtskartenindustrie herausbildeten. Dieser historische Bildband lädt zum Erinnern, zum Neu-und Wiederentdecken ein und überrascht auch Kenner der Stadtgeschichte mit ungewohnten Einblicken.

Den Anfang macht die wohl bekannteste Fotografie aus dem Stadtarchiv, das 2006 wiederentdeckte einzige Lichtbild von Mozarts Witwe Constanze aus dem Jahr 1840, aufgenommen vom Burghauser Fotopionier Karl Klemens della Croce. Johann Niggl, der sich 1865 als erster Fotograf niederließ, empfing in seinem Atelier städtische Würdenträger, Hochzeitspaare oder Firmlinge mit ihren Paten, wie frühe Lichtbilder zeigen. Die Gründerzeit der Fotoateliers ab 1890 spiegeln Portraitarbeiten der Lichtbildner Friedrich Lang, Wilhelm Reng und Rosa Bauer wider.

Die Anfänge des Traditionsunternehmens Strauß am Tillyplatz ab 1903 dokumentieren Atelieraufnahmen von Persönlichkeiten wie dem Bürgermeister Stinglhammer oder dem alten Pfäffinger, einem damals stadtbekannten Original. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich auch historische Szenerien und das Posieren für Fotopostkarten für die Verwandtschaft, wie die Aufnahmen zeigen. Die alten Fotografien lassen den Betrachter tief eintauchen in eine vergangene Zeit und vermitteln hautnah den Geschmack und die Mode der Epoche.

Seligsprechungs-und Heiligsprechungsfeier des Kapuzinerbruders Konrad Birndorfer

Das Cover zeigt eine alte Aufnahme einer Prozession über den Altöttinger Kapellplatz.
Cover.

Zahlreiche Postkarten präsentieren bekannte Pilgerziele wie die Gnadenkapelle, den Kapellplatz, die Basilika oder Prozessionen. Einblicke in das Leben der Menschen abseits der Wallfahrt eröffnen Aufnahmen von Vereinen wie dem Eisklub und der Sportjugend oder von stolzen Automobilbesitzern und idyllischen Familienszenen im Freien. An die beiden wichtigsten Ereignisse in Altötting in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die Seligsprechungs-und Heiligsprechungsfeier des Kapuzinerbruders Konrad Birndorfer 1930 und 1934, erinnern Aufnahmen des Festzuges und der zahlreichen Besucher.

Alfred Zeller, 1958 in München geboren, ist ein profunder Kenner der Geschichte Altöttings. Der promovierte Geschichts-und Politikwissenschaftler lebt seit zwei Jahrzehnten in Altötting und ist als Stadtarchivar sowie Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des BRK-KV Altötting tätig. In der Vergangenheit ist er mit einer Vielzahl von Pressebeiträgen, Publikationen und Vorträgen zu lokalhistorischen Themen hervorgetreten.

Text und Fotos: red

Alfred Zeller: "Frühe Fotografie in Altötting 1840 bis 1934", Sutton Verlag Erfurt, 18,95 €, 96 S. mit 155 Abb. (ISBN 978-3-95400-298-6).