Altöttinger Liebfrauenbote

Kirchliche Wappenkunde in Bayern und der Welt

Was Geistliche im Schilde führen

Man findet sie auf Grabplatten und an Kirchenmauern aber auch auf Stammbäumen und Gebetszetteln – die Rede ist von Wappen. Ihren Ursprung haben sie im Schutzschild der Ritter bei mittelalterlichen Turnieren, damals dienten die bunten Zeichen zur Kenntlichmachung des Ritters in der Rüstung. Aus den einfachen geometrischen Figuren wurden mit den Jahrhunderten wahre Kunstwerke, mit deren Erstellung und Sammlung sich eine eigene Hilfswissenschaft beschäftigt, nämlich die Wappenkunde, auch Heraldik genannt. Nicht nur Einzelpersonen und Familien können ein Wappen führen, sondern auch Dörfer, Städte und Staaten, Vereine und Vereinigungen und auch Bistümer. In der Wappenkunde nimmt die kirchliche Heraldik einen besonderen Platz ein.

Mesner Br. Vinzenz Müller und Kirchenmaler Peter Dengler zeigen das neue Wappen von Papst Franziskus für die Basilika St. Anna in Altötting.
Mesner Br. Vinzenz Müller (l.) und Kirchenmaler Peter Dengler (r.) zeigen das neue Wappen von Papst Franziskus für die Basilika St. Anna in Altötting (oben über dem Portal der noch leere Rahmen).

Vom Oberhaupt der katholischen Kirche bis hin zu den Bischöfen und Priestern hat die Heraldik seit Jahrhunderten ihren festen Platz. Ist man in bayerischen Bischofsstädten unterwegs, dann begegnet sie einem vielfach. So begrüßt etwa die Besucher beim Eintritt in eine Basilika das Wappen des jeweiligen Papstes. Jede "Basilika minor" hat nämlich das Recht, das päpstliche Wappen über dem Eingang zu führen. Bis zum Februar 2013 konnte man dort das Wappen von Papst Benedikt XVI. erblicken, das neben dem "Freisinger Mohr" (Erzbistum München-Freising) und dem "Korbiniansbär" (Patron des Bistums) auch noch eine Muschel trägt, ein Hinweis auf eine Legende seines Lieblingstheologen Augustinus.

Zurzeit ist dieser Platz aber vielerorts noch leer, da das Wappen von Papst Franziskus noch nicht angebracht wurde. Anders etwa in Altötting: Die Basilika St. Anna erhielt bereits am Karsamstag, 30. März 2013 ein Wappen des neu gewählten Papstes Franziskus.

Auf blauem Grund sieht man dort oben eine Sonne mit dem Christusmonogramm IHS, einem Kreuz darüber und drei Nägeln darunter, dem Symbol des Jesuitenordens, dem Papst Franziskus angehört. Der jetzt achtzackige Stern darunter steht für Maria, die Narde daneben ist in Südamerika ein Symbol für den heiligen Josef. Bereits sein Vorgänger Papst Benedikt XVI. tauschte die Papstkrone mit drei Kronreifen gegen eine einfache Mitra aus, da diese seit Papst Paul VI. nicht mehr im Gebrauch ist. Geblieben sind die beiden Petrus-Schlüssel.

"Christus ist unter Euch"

Das Wappen Rudolf Voderholzers auf dem Bischofsstuhl von Regensburg.
Das Wappen Rudolf Voderholzers auf dem Bischofsstuhl von Regensburg.

Nicht nur päpstliche Wappen begegnen einem jedoch, sondern auch dasjenige der Bistümer, etwa in Regensburg, der silberne Schrägbalken auf rotem Grund oder das persönliche Wappen des Bischofs. Der wohl wichtigste Ort, an dem das aktuelle Bischofswappen zu finden ist, ist der Bischofsstuhl im Chorraum des Domes. Mit seiner Ernennung zum 78. Bischof von Regensburg erhielt der Trierer Dogmatik-Professor Dr. Rudolf Voderholzer ebenfalls ein eigenes Wappen, das der Heraldiker Dieter Linder aus Fürstenfeldbruck entworfen und Heribert C. Staufer gemalt hat, beide zeichnen auch für das Wappen von Münchens Erzbischof Reinhard Kardinal Marx verantwortlich.

Das eigentliche Wappenschild bei Bischof Rudolf ist viergeteilt durch ein weißes Kreuz und beinhaltet zweimal das Wappen des Bistums und außerdem in blau eine weiße Brücke (Christus als die Brücke zwischen Himmel und Erde, Gott und Mensch) und ein Evangelienbuch mit den griechischen Buchstaben Alpha und Omega (Christus, der Anfang und das Ende). Über dem Wappenschild schwebt ein grüner Klerikerhut, an dessen Seiten jeweils sechs Quasten hängen. Hinter dem Schild steht ein Vortragekreuz und darunter ein Spruchband mit dem bischöflichen Wahlspruch: "CHRISTUS IN VOBIS SPES GLORIAE", zu deutsch: "Christus ist unter Euch; ER ist die Hoffnung auf Herrlichkeit"(Kol 1,27).

An Farbe und Anzahl der Quasten kann man genau erkennen, welchen kirchlichen Rang der Träger des Wappens hat. Weih-, Diözesan- und Erzbischöfe führen grün als Hut- und Quastenfarbe, Kardinäle tragen rot. Bischöfe haben jeweils rechts und links sechs, Erzbischöfe zehn und Kardinäle fünfzehn Quasten. So wird das Wappen des jetzigen Präfekten der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, wenn er dann am 22. Februar 2014 in den Kardinalsstand erhoben wird, von grün auf rot wechseln und statt zehn dann fünfzehn Quasten haben.

Sein Wappenschild zeigte als Regensburger Bischof zweimal das Bistumswappen und zweimal das "Mainzer Rad" seiner Heimatstadt. In der Mitte sieht man einen Bischof mit Stab und Mitra, der, so Bischof Gerhard Ludwig selbst, sowohl als der hl. Bonifatius als auch als der hl. Wolfgang verstanden werden kann.

Text: Carl Prämaßing, Fotos: Carl Prämaßing 3, Roswitha Dorfner 2

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Entwurf des Autors für ein Kardinalswappen von Gerhard Ludwig Müller: über dem Wappenschild ein roter Kardinalshut mit jeweils 15 Quasten an jeder Seite und einem erzbischöflichen Vortragekreuz.
Entwurf des Autors für ein Kardinalswappen von Gerhard Ludwig Müller.
Wappen der Päpste (Innenseite, Hauptportal) seit Fertigstellung der St. Anna-Basilika im Jahr 1912.
Wappen der Päpste (Innenseite, Hauptportal) seit Fertigstellung der St. Anna-Basilika im Jahr 1912.
Wappenbrief: Das Wappen von Bischof Rudolf wurde in der Wappenrolle der Heraldischen Gesellschaft "Wappen-Löwe e.V." registriert und in einem eigenen Wappenbrief beurkundet.
Wappenbrief: Das Wappen von Bischof Rudolf wurde in der Wappenrolle der Heraldischen Gesellschaft "Wappen-Löwe e.V." registriert und in einem eigenen Wappenbrief beurkundet.