Altöttinger Liebfrauenbote

"Kirche in Not"-Mitarbeiter Stefan Stein über Christen am Persischen Golf

"Der Glaube ist ein Stück Heimat"

Stefan Stein vom weltweiten katholischen Hilfswerk "Kirche in Not" (KiN) ist vor kurzem von einer Informationsreise in die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar und Kuwait zurückgekehrt. Im Interview berichtet er über die Perspektiven der Christen vor Ort.

Portraitfoto von Stefan Stein.
Stefan Stein.

Herr Stein, können die Christen ihren Glauben frei leben?
Die Pfarreigrundstücke werden den Katholiken von den jeweiligen Herrschern des Landes zur Verfügung gestellt. Auf diesem Gelände können die Priester ihren liturgischen Dienst frei ausüben und die Gläubigen einen Gottesdienst besuchen. Außerhalb ist das nicht immer möglich. Die Priester der Pfarrei in der bahrainischen Hauptstadt Manama können zum Beispiel die ausländischen Arbeiter, die häufig in eigenen Camps wohnen, besuchen und bei ihnen Gottesdienste feiern. In den Vereinigten Arabischen Emiraten geht das dagegen nicht. Mission unter Muslimen ist überall verboten.

Wie ist das Verhältnis zwischen Muslimen und Christen?
Ich kann natürlich nur die Situation in den von uns besuchten Ländern beschreiben. Zumindest dort begegnet man sich mit gegenseitigem Respekt. Natürlich wissen und merken Christen, dass sie in den muslimisch geprägten Ländern nicht zu Hause sind. Aber es gibt keine Christenverfolgung, wie man sie aus anderen arabischen Ländern kennt. Priester können auch im Alltag den Talar tragen, und viele Muslime besuchen kirchliche Schulen.

Wie wird sich das Leben der Christen in der Golfregion entwickeln?
Das ist natürlich schwer vorherzusagen. Aber zwei Faktoren sind wichtig: das wirtschaftliche Wohlergehen der Staaten und ein beständiger Frieden. Bisher können die Christen in den Golfstaaten ihren Glauben innerhalb der Pfarrei frei leben. In Saudi-Arabien natürlich nicht, denn dort ist keinerlei öffentliches christliches Bekenntnis erlaubt. Aber auch dort gibt es über 1,5 Millionen Christen. Falls die vom Erdölexport geprägte Wirtschaft einbrechen und kriegerische Auseinandersetzungen in anderen muslimisch geprägten Staaten, wie zum Beispiel Syrien oder Irak, auch die Golfstaaten erreichen sollte, wären die Migranten die Ersten, die das Land verlassen müssten. Das Christentum in der Region rund um den Persischen Golf wächst, denn immer mehr Arbeiter aus christlich geprägten Regionen kommen dorthin. Im Apostolischen Vikariat Südliches Arabien gibt es rund eine Million Christen, vor vier Jahren waren es noch etwa 700.000. In Bahrain entsteht zudem demnächst ein neues geistliches Zentrum für das Apostolische Vikariat Nördliches Arabien, das auch von "Kirche in Not" unterstützt werden soll. Hier kommen zukünftig Priester und Katecheten zu Tagungen, Gesprächen und Treffen zusammen. Außerdem wird eine neue Kathedrale mit knapp 2.000 Sitzplätzen errichtet. Das hört sich für deutsche Ohren möglicherweise viel an, aber wer mit eigenen Augen gesehen hat, dass wirklich so viele Menschen in die Gottesdienste und zu den Katechesen kommen, der erkennt, dass dieser Platz tatsächlich gebraucht wird.

Interview: André Stiefenhofer (KiN), Foto: KiN