Altöttinger Liebfrauenbote

Besuch der größten von Hand geschnitzten Weihnachtskrippe der Welt

Schnitzer der guten alten Schule

Bei Theo Gütermann sind Krippen zum Lebenswerk geworden. Die Schnitzerstube des 75-Jährigen liegt im idyllischen Enzklösterle im Schwarzwald. Sein Meisterstück: die größte von Hand geschnitzte Weihnachtskrippe der Welt.

Blick auf die "größte von Hand geschnitzte Krippe der Welt".
Blick auf die "größte von Hand geschnitzte Krippe der Welt".

Mit elf Jahren hätte Theo Gütermann noch laut aufgelacht, hätte ihm jemand prophezeit, dass er einmal Holzfiguren schnitzen würde, die ihn selbst an Höhe überragen. Heute ist der 75-Jährige einer der letzten großen Meister traditioneller Schwarzwälder Holzschnitzkunst. Kaum ein anderer beherrscht das Werkmaterial Holz im Schwarzwald so wie er. Kein Wunder, galt der Schnitzer lange Zeit als gefragter Experte, wenn ein Kunstliebhaber eine für den Schwarzwald typische Tier- oder menschliche Figur aus  Lindenholz suchte. Seinen Durchbruch aber schaffte Gütermann mit dem Beginn eines Großprojekts, das ihn sein Leben lang beschäftigen sollte: die größte von Hand geschnitzte Weihnachtskrippe der Welt.

Wird der Meister nach den Anfängen seiner Schnitzkunst gefragt, zitiert er gerne den Rat, den sein zimmernder Nachbar ihm einst mit auf den Weg gegeben hatte: "Junge, lerne du mal das Schnitzen!" Das war 1950, als Theo Gütermann gerade elf Jahre alt war und prompt vom Nachbarn Grundkenntnisse in Sachen Schnitzen vermittelt bekam.

Ehrgeiziges Projekt

Theo Gütermann kann es nicht nur "im Großen": Blick auf die "kleinste Krippe der Welt" in einer Haselnuss, und darunter auf eine Krippe in einer Walnuss.
Theo Gütermann kann es nicht nur "im Großen": Blick auf die "kleinste Krippe der Welt" in einer Haselnuss, und darunter auf eine Krippe in einer Walnuss.

Beruflich schlug er aber zunächst einen anderen Weg ein – einen bodenständigeren, wie er glaubte. Er wurde Schuhmacher. Das Schnitzen indessen ließ ihn nie wieder los. Zunächst als Hobby, das viele Stunden seiner freien Zeit einnahm, dann immer mehr als Berufung und schließlich als Beruf, zu dem er 1979 fand. Nirgendwo Geringeres als in der Schnitzerstube Moroder im Tiroler Lechtal wollte der gebürtige Pfälzer sein Handwerk von Grund auf erlernen. 1982 kehrte er von dort zurück und ließ sich im tiefsten Schwarzwald nieder: in Enzklösterle, zwischen Baiersbronn und Bad Wildbad gelegen. Dort eröffnete er 1983 seine eigene Schnitzwerkstatt und machte sich selbstständig.

Es dauerte nicht lange, da entstand im Kopf des frisch geborenen Meisters die Idee, etwas ganz Besonderes, etwas Einmaliges, nie Dagewesenes zu schaffen. Eine Weihnachtskrippe sollte es werden. Aber nicht irgend eine. Nein: die größte der ganzen Welt musste es sein. Mit diesem ehrgeizigen Projekt und dem viel versprechenden Namen "Krippena 2000" machte Theo Gütermann den bis dahin kaum bekannten Schwarzwaldort Enzklösterle über Nacht berühmt.

Der Startschuss fiel im Jahr 1988, als Gütermann das Schnitzwerkzeug an einem riesigen Stück Lindenholz ansetzte und seine erste lebensgroße Krippenfigur schnitzte. Jahr für Jahr sollten es mehr werden. Unzählige Arbeitsstunden verbrachten er und ein befreundeter, aus Südtirol stammender Holzschnitzer damit, die Heilige Familie um Hirten, Tiere und die drei Könige zu erweitern. Das allgemein übliche Maß für Krippen wurde nicht nur in der Größe, sondern schließlich auch in der Anzahl der Figuren deutlich überschritten. Zuletzt zählte die Krippe stolze 18 Figuren, unter denen neben einem knapp zwei Meter hohen Kamel auch ein 2,15 Meter hoher Engel zu finden ist, der seine Hand schützend über zwei Hirtenbuben hält.

Nachbildungen seiner Enkel

Wie groß die Werke des Schnitzers sind, sieht man gut an diesem Bild: Theo Gütermann neben einer seiner Krippenfiguren.
Wie groß die Werke des Schnitzers sind, sieht man gut an diesem Bild: Theo Gütermann neben einer seiner Krippenfiguren.

Die Hirtenjungen – auch das zeichnet Gütermanns einzigartige Handschrift aus – sind die getreuen Nachbildungen seiner beiden Enkelkinder Daniel und Felix Wagner. Zum 20-jährigen Jubiläum seiner Schnitzerstube gelang es Gütermann, dieses Figuren-Trio fertigzustellen. Es wird vielleicht der letzte Streich an diesem großen Lebenswerk sein, den der Meister vollendet. Sein angeschlagener Gesundheitszustand erlaubt ihm derartige Kraftakte nicht mehr. Ganz aus seiner Werkstatt zurückziehen will sich der 75-Jährige aber nicht: "Ein paar angefangene Figuren warten in der Schnitzerstube auf mich, da werde ich mich heute Abend wieder ans Werk machen", verkündet der passionierte Schnitzer.

Besucht man den Meister in seiner selbst geschaffenen Welt aus Holzfiguren, nehmen Krippen aus aller Welt – von der kleinsten bis zur größten – und Heiligenfiguren den größten Raum ein. Aber sie sind längst nicht alles, was die Ausstellung unter dem Namen "Krippena 2000" vereint.

Text und Fotos: Reinhold Wagner (storymacher)

Info: Krippena 2000, Theo Gütermann, Hirschtalstraße 30, 75337 Enzklösterle, www.krippena-2000.de.

Impressionen

(Zum Vegrößern auf ein Bild klicken)

Theo Gütermann beim Schnitzen.
Theo Gütermann beim Schnitzen.
Krippe in einer Flasche.
Krippe in einer Flasche.
Magd mit Früchtekorb.
Magd mit Früchtekorb.