Altöttinger Liebfrauenbote

Weihnachten bei Christen in Laos

Stille Nacht, heimliche Nacht

Nur 1,5 Prozent der Bewohner des budd-histisch geprägten Laos sind Christen. Zwar garantiert ihnen die Verfassung Religionsfreiheit. Dennoch werden sie von der kommunistischen Regierung immer wieder schikaniert oder gar inhaftiert. Umso vorsichtiger feiern die Gläubigen die Geburt Jesu.

Aline und ein Mitarbeiter der Welthungerhilfe.
Aline und ein Mitarbeiter der Welthungerhilfe.

Kein fließendes Wasser, kein Strom – nicht einmal einen Namen hat der Fleck auf der Landkarte, der Alines Heimat ist. Der 35-Jährige lebt mit Frau und Kindern im Süden von Laos. Mit der Außenwelt sind sie hier nur über eine unbefestigte Straße verbunden. Doch im bitterarmen Bergland nahe der Grenze zu Vietnam ist das nichts Besonderes. Besonders ist stattdessen der Glaube von Aline und den Seinen – sie gehören zur verschwindend kleinen Minderheit der Christen. Doch während sich in diesen Dezembertagen viele Menschen in aller Welt auf das Weihnachtsfest vorbereiten, scheint dies an Alines Dorf spurlos vorüberzugehen.

Mühevoller Alltag

Alines Frau Nan Hong mit dem jüngsten Spross der Familie.
Alines Frau Nan Hong mit dem jüngsten Spross der Familie.

Wie die meisten Menschen in der abgeschiedenen Region leben auch Aline und seine 26-jährige Frau Nan Hong von der mühsamen Bewirtschaftung eines kleinen Reisfelds. Ihre Hütte liegt in einer malerisch anmutenden Berglandschaft. Doch das Idyll trügt, der Alltag ist hart. Mühevoll bearbeiten die Menschen hier seit jeher die steilen Hänge, bauen den arbeitsintensiven, aber wenig ertragreichen Bergreis an. Wer sein oft Stunden entfernt liegendes Feld nicht ständig jätet, büßt die halbe Ernte ein. Die reicht in den meisten Familien ohnehin höchstens für sechs Monate. Zudem gibt es heute kaum mehr Land, um genug Reis anzubauen – ausländische Unternehmen haben sich im großen Stil Land gesichert, um darauf Plantagen anzulegen.

Auch Aline und die seinen leben inmitten einer Bananenplantage. Je weniger Anbauflächen den Kleinbauern verbleibt, umso wichtiger wird deren intensive Nutzung. Um die Betroffenen vor Ort zu beraten, sind seit einigen Jahren Mitarbeiter der deutschen Welthungerhilfe in den Dörfern unterwegs. In Absprache mit Regierungsbeamten helfen sie beispielsweise Fischteiche, Gemüsegärten und ergiebigere Nassreisfelder anzulegen, damit genug und abwechslungsreiches Essen da ist.

Weit und breit keine Kirche

Der siebenjährige Man Dang mit einer Kette mit Kreuz um den Hals.
Der siebenjährige Man Dang mit einer Kette mit Kreuz um den Hals.

Und so bekommen heute auch Aline und seine Nachbarn hohen Besuch aus der fernen Provinzhauptstadt. Ob sie aus diesem Anlass ihre besten Kleider angelegt haben oder wegen des bevorstehenden Weihnachtsfestes, ist unklar. Jedenfalls empfangen sie die Delegation herzlich. Fragen zu Landwirtschaft und Leben beantworten sie bereitwillig – aber auch vorsichtig. Über ihren Glauben jedenfalls verlieren sie in Anwesenheit der Beamten kein Wort. Nur das silberne Kreuz an der Kette des siebenjährigen Man Dang verrät den jungen Christen.

Doch wenn die Besucher von der Regierung verschwunden sind, so flüstert ein älterer Hirte einem der Besucher zu, beginnt im Kreis der ihren ein heimliches Weihnachtsfest. Auch wenn es weit und breit keine Kirche gibt und kein Priester eine hl. Messe lesen wird – die Geburt Christi wird nicht spurlos an den Bewohnern des kleinen Dorfes ohne Namen vorbeigehen.

Text und Fotos: Peter Beyer (storymacher)

Christen in Laos

Alines Nachbarin sitzt vor ihrer Hütte.
Alines Nachbarin sitzt vor ihrer Hütte.

Offiziell herrscht in Laos Religionsfreiheit. 2002 wurde in dem südostasiatischen Land das so genannte Dekret 92 verabschiedet. Es erweckte den Eindruck mehr Religionsfreiheit einzuräumen, gestattete aber auch, dass die Regierung die religiösen Aktivitäten kontrolliert und sich einmischt. Durch das Dekret wurden Tätigkeiten, die zuvor als illegal galten, legalisiert, darunter die Verbreitung von Glaubensinhalten, das Drucken religiöser Literatur, Eigentum und Bau von Gottesdienststätten und die Bildung von Vereinigungen mit religiösen Gruppen aus anderen Ländern. All dies bedarf jedoch staatlicher Genehmigung. Und genehmigt wird wenig. Tatsächlich legen die Behörden in Orten und Gegenden, in denen Christen leben, dem Ausbau kirchlicher Infrastruktur und dem Anwerben neuer Gemeindemitglieder möglichst viele Steine in den Weg. Und immer wieder kommt es in Laos zu Inhaftierungen von Christen nach gemeinsamen Gottesdiensten, und auch Priester verschwinden zuweilen für Jahre hinter Gittern.

Text und Fotos: Peter Beyer (storymacher)

Hintergrund Laos

Hirte in Laos.
Hirte in Laos.

Nur 68 Prozent der 6,7 Millionen Einwohner des südostasiatischen Landes bezeichnen sich als ethnische Lao. Das Nebeneinander der offiziell 49 Ethnien ist Quelle kulturellen Reichtums, stellt aber im Hinblick auf die weitere Entwicklung eine große Herausforderung dar. Die Politik der marktwirtschaftlichen Öffnung hat dem nach wie vor kommunistisch regierten Land in den letzten Jahren ein Wachstum von ca. 8 Prozent (2011) gebracht. Beim konsequenten Umbau der Wirtschaft bescheinigt die Weltbank Laos eine insgesamt solide Wirtschafts- und Finanzpolitik. Dennoch lebt mehr als ein Viertel der Bevölkerung unter der nationalen Armutsgrenze, gehört Laos immer noch zu den 48 am wenigsten entwickelten Länder weltweit. Umgeben ist der Binnenstaat von den aufstrebenden sog. "Tigerstaaten" Thailand, Vietnam und China. Deren Hunger auf Land, Wasserkraft, Bodenschätze und Arbeitskräfte lässt in Laos v.a. die städtischen Eliten profitieren. Auf dem Land, wo Jagd- und Sammlertätigkeit nach wie vor wichtige Einkommensquellen sind, wächst die Armut häufig.

Text und Foto: Peter Beyer (storymacher)

Impressionen

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Blick auf Alines Dorf.
Blick auf Alines Dorf.
Nan Hong und Bewohner am Dorfbrunnen.
Nan Hong und Bewohner am Dorfbrunnen.
Aline und eine Mitarbeiterin der Welthungerhilfe.
Aline und eine Mitarbeiterin der Welthungerhilfe.