Altöttinger Liebfrauenbote

Mariä Himmelfahrt: Passauer Oberhirte feiert Pontifikalamt in der Basilika

Bischof Stefan: "Ich bin richtig gerne hier"

Dass dem neuen Passauer Bischof P. Dr. Stefan Oster der Gnadenort in Altötting sehr am Herzen liegt, ist seit seinem "Antrittsbesuch" im April kein Geheimnis mehr. "Ich bin richtig gerne hier – hier spürt man, dass Glaube lebt und lebendig ist", betonte er nun erneut, als er am Festtag Mariä Himmelfahrt die Gläubigen zum Pontifikalamt in der voll besetzten St. Anna-Basilika begrüßte. Dass er gerne hier sei, betonte Bischof Stefan auch beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt. Im Rahmen des Gottesdienstes verabschiedete er auch Prälat Ludwig Limbrunner als Kapelladministrator – Nachfolger Prälat Günther Mandl hatte bereits die hl. Messe am Vorabend des Festtages zelebriert.

Nah an den Gläubigen: Bischof Stefan Oster segnet ein junges Mädchen.
Nah an den Gläubigen: Bischof Stefan Oster segnet ein junges Mädchen.

"Wir sind hier im Herzen Bayerns, wie wir so schön von unserem Gnadenort hier sagen. Aber wir sind es deshalb, weil wir immer dann, wenn wir bei der Muttergottes sind, zugleich auch im Herzen der Kirche sind", erklärte der Bischof in seiner Predigt. Ausführlich erläuterte er die Bedeutung der Marienfrömmigkeit für die katholische Kirche: An einem Marienwallfahrtsort wie Altötting treffe der Pilger auf einen "konkreten Menschen, in dem Jesus wohnt". Seit jeher suchten Menschen andere Menschen auf, "die sie für besonders tief und weise halten", doch Christen seien überzeugt, "dass es bei uns das Original schlechthin gibt". Bischof Stefan erklärte:  "Wir haben die Mutter des Herrn. Sie ist der Ort, die Person in der Welt schlechthin, die tiefer erfüllt von Gott war als jedes andere Geschöpf, das vor ihr oder nachher gelebt hat. Sie ist die Wohnung Gottes in der Welt. Sie ist gewissermaßen Kirche in Person oder eben das Herz der Kirche. Sie bringt uns in Christus Gott, unseren Erlöser."

Bei Maria wachse "unsere Frömmigkeit, unser Glaube in die Tiefe", betonte Oster. Sie schenke "uns den Herrn so wie er ist und nicht, wie wir ihn gerne hätten". Er resümierte: "Ich bin überzeugt, dass das Geheimnis der Himmelfahrt Mariens für uns bedeutet, dass sie da ist, dass sie für uns universale Kirche ist, dass sie uns Jesus zeigt und immer neu schenkt und dass sie gewissermaßen auch der Schutzraum ist vor der Verwirrung unseres Glaubens und Denkens und Handelns. Hier, bei ihr, hier ist heile Welt, sie ist so heil, dass sie ganz und gar durchsichtig wird auf Jesus und uns zu ihm hin verhilft. Wir glauben, Schwestern und Brüder, dass die Frau, das große Zeichen des Himmels nun wahrhaftig hier auf der Erde, und ganz besonders hier in Altötting gegenwärtig ist und unseren Glauben vertieft und bewahrt und segnet."

"Ehrliche Kommunikation"

Prälat Ludwig Limbrunner (M) übertrug die Gnadenbild-Kopie in die Basilika; davor Kapuzinerpater Norbert Schlenker (2.v.r.) und Limbrunners Nachfolger als Administrator und Wallfahrtsrektor, Prälat Günther Mandl (r.).
Prälat Ludwig Limbrunner (M) übertrug die Gnadenbild-Kopie in die Basilika; davor Kapuzinerpater Norbert Schlenker (2.v.r.) und Limbrunners Nachfolger als Administrator und Wallfahrtsrektor, Prälat Günther Mandl (r.).

Dass Bischof Oster gerade von Priestern und Laien in Altötting ein besonderes Verantwortungsbewusstsein wünscht, wurde deutlich, als er Prälat Ludwig Limbrunner als Kapelladministrator verabschiedete und Stadtpfarrer und Stiftspropst Prälat Günther Mandl als dessen Nachfolger begrüßte. Er dankte Limbrunner für "sechs Jahre wertvollen Dienst", Mandl für dessen Bereitschaft, das neue Amt zu übernehmen, und auch dankte er für die wertvolle Mitarbeit und Unterstützung von Seiten der Kapuziner. Scharf kritisierte Oster jedoch anonyme Briefe, die seit einiger Zeit am Gnadenort für Unruhe gesorgt hatten. Diese seien "kein Mittel christlicher Kommunikation", sondern "Ausdruck von Feigheit", betonte er. Bischof Stefan warb ausdrücklich "für eine ehrliche Kommunikation".

Der Wechsel in der Kapelladministration war auch zu Beginn des Festtags sichtbar: In feierlicher Prozession wurde Diözesanbischof Stefan Oster vom Kapellplatz zur St. Anna-Basilika geleitet – dabei übertrug Prälat Limbrunner die Gnadenbild-Kopie von der Bischöflichen Administration zur Gnadenkapelle und dann mit den Fahnenabordnungen der Altöttinger Vereine und Verbände, der Geistlichkeit und vielen Pilgern in die Wallfahrtsbasilika – die Rückübertragung übernahm dann bereits der neue Wallfahrtsrektor, Stadtpfarrer Prälat Mandl. Kapellchor und -orchester unter der Leitung von Kapellmeister Max Brunner gestalteten das Pontifikalamt musikalisch mit Mozarts Krönungsmesse.

Empfang im Rathaus

Bischof Stefan Oster mit Bürgermeister Herbert Hofauer beim Rathausempfang.
Bischof Stefan Oster mit Bürgermeister Herbert Hofauer beim Rathausempfang.

Beim Empfang im Rathaus knüpfte Bischof Oster an seine Predigt an: Anfangsort des Christseins seien nicht Papst oder Bischöfe, sondern die Muttergottes – hier sei Gott "beheimatet", erklärte er. Ein Ort wie Altötting könne viel dazu beitragen, damit in Politik und Kirche ein spannungsfreies Miteinander herrsche – "Wir brauchen einander", betonte er. Bischof Oster sprach auch von einer "Glaubenskrise" angesichts rückläufiger Zahlen bei Gottesdienstbesuchen und Priesterberufungen; er zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass daraus eine neue Chance zur Glaubens-Rückfindung entstehen könne.

Bürgermeister Herbert Hofauer hatte zuvor "unseren sympathischen neuen Bischof von Passau" herzlich begrüßt – vor dem Rathaus war Bischof Oster bereits mit feierlichen Salutschüssen empfangen worden. Als Hofauer auf den anfänglichen Hype um den neuen Bischof zu sprechen kam, warf Oster schmunzelnd ein: "Schön langsam legt sich's." Als Geschenk überreichte Hofauer ein "Shrines-of Europe"-Buch und ein rotes Duschtuch. Letzteres gab er nicht so gerne aus der Hand, "denn jeder Bischof, der es bisher erhalten habe, sei inzwischen Kardinal geworden, und wir wollen doch unseren neuen Bischof schon ein paar Jahre behalten", sagte der Bürgermeister mit einem Augenzwinkern. Osters Wahlspruch als Bischof – "Victoria veritatis caritas" – steht nun auch im Goldenen Buch der Stadt; der Eintrag des Bischofs im Wortlaut: "Von Herzen danke ich für den herzlichen Empfang im Herzen Bayerns und im Herzen der Kirche. Der Sieg der Wahrheit ist die Liebe."

Friedensgebet

An der Lichterprozession am Vorabend zum Festtag nahm auch eine Gruppe irakischer Christen teil. In Altötting hat am Donnerstagabend eine Gebetsinitiative für den Frieden begonnen. Den Abschluss dieses Gebetssturms bildet am Samstag, 23. August, die Vor
An der Lichterprozession am Vorabend zum Festtag nahm auch eine Gruppe irakischer Christen teil. In Altötting hat am Donnerstagabend eine Gebetsinitiative für den Frieden begonnen. Den Abschluss dieses Gebetssturms bildet am Samstag, 23. August, die Vorabendmesse in der Basilika um 20 Uhr mit anschließender Lichterprozession am Kapellplatz. Altötting betet dabei gemeinsam mit Papst und Bischöfen weltweit.

Bereits am Vorabend zum Festtag "Mariä Himmelfahrt" fand traditionell eine hl. Messe mit anschließender Lichterprozession statt. Stadtpfarrer und Neu-Administrator Prälat Günther Mandl war Hauptzelebrant und Prediger beim Gottesdienst am Donnerstagabend. Er sprach über die Kriegsgräuel im Nahen und Mittleren Osten und warb bei den Gläubigen um Teilnahme am "Friedensgebet" in Altötting, das mit der Abendmesse begann und noch bis 23. August dauern soll – gemeinsam mit dem Papst und den Christen auf der ganzen Welt beten Gläubige in der Altöttinger Anbetungskapelle um Frieden; diese ist neun Tage lang zum stillen Gebet Tag und Nacht durchgehend geöffnet. Die musikalische Gestaltung der Vorabendmesse übernahmen die Altöttinger Kapellsingknaben und Mädchenkantorei unter der Leitung von Herbert Hager. Zum Abschluss der feierlichen Lichterprozession auf dem Kapellplatz erteilte Bischof em. Wilhelm Schraml den Segen mit dem Gnadenbild. Dieses war wieder auf dem kleinen Freialtar vor der Gnadenkapelle während der Lichterprozession aufgestellt und festlich beleuchtet.

Text: Michael Glaß und Roswitha Dorfner, Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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