Altöttinger Liebfrauenbote

Kommunionvorbereitung im Pastoralverbund Hohenlimburg-Halden

Niemand soll verloren gehen

"Ich bin da, wo du bist" lautet das Motto der diesjährigen Erstkommunionaktion des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken. Im Mittelpunkt steht das Gleichnis vom "Guten Hirten". Begleitmaterial greift das Leitwort in Projekten und Anregungen bis hin zu Gottesdienstbausteinen auf. Damit leistet das Paderborner Hilfswerk in diesem zentralen Bereich der Katechese eine wichtige Hilfestellung für Gemeinden – nicht nur in der Diaspora.

Gemeinsam sitzen Kinder im Kreis und überlegen, was ein Schäfer für seine Arbeit braucht.
Gemeinsam überlegen die Kinder, was ein Schäfer für seine Arbeit braucht.

"Was braucht ein Schäfer?" Tim muss nicht lange überlegen: "Einen Hut! Bei schlechtem Wetter gegen den Regen und bei gutem gegen die Sonne!" "Eine Wiese", sagt Lina-Sophie, "für das Futter!" Genauso wie Tim darf sie ihre Antwort auf eine Karteikarte schreiben; 28 Mädchen und Jungen zwischen acht und zehn Jahren sitzen vor dem Altar der Heilig-Kreuz-Kirche in Hagen-Halden und überlegen, was ein Hirte sonst noch benötigt.

Catherine Bings, die Gemeindereferentin, reicht den Filzstift weiter: "Hund", schreibt Joel auf: "Er hilft dem Schäfer, damit kein Tier verloren geht!" Aber da fehlt doch noch etwas! Laura-Marie weiß es: "Schafe!" Natürlich! Was wäre ein Hirte ohne seine Herde?

Insgesamt 56 Kinder aus dem Pastoralverbund Hohenlimburg-Halden haben sich an diesem Sonntag in der Kirche getroffen. Bald werden sie die Erste Heilige Kommunion empfangen. Das diesjährige Leitwort des Bonifatiuswerkes begleitet sie in der Vorbereitung: "Ich bin da, wo du bist" – bunt ausgemalt ist es auf den Mappen der Mädchen und Jungen zu lesen. Das Sonntagstreffen heute ist das vierte von insgesamt sechs. Nach dem Gottesdienst haben sich die Kinder in zwei Gruppen aufgeteilt.

"Ich habe auch schon ein Gebet für heute Abend ausgesucht!"

Die Kinder präsentieren ihre selbst gebastelten Gebetswürfel.
Die Kinder präsentieren ihre selbst gebastelten Gebetswürfel.

Im Gemeindehaus neben der Kirche wird gebastelt. Die Kinder aus der anderen Gruppe gestalten Gebetswürfel. Alle sind so eifrig bei der Sache, dass sie fast das Mittagessen vergessen. Das Tischgebet ist eine gute Möglichkeit, den gerade gebastelten Würfel "auszuprobieren"; Laura ist mutig und liest ein Gebet vor; Catherine Bings kann erst einmal durchatmen: "Die Kinder haben viele Fragen, bringen aber auch ganz viele eigene Ideen mit", schildert die junge Gemeindereferentin die Erstkommunionvorbereitung. "Fünf oder sechs Mal" wie sie sagt, hat sie das Material des Bonifatiuswerkes bereits für die Vorbereitung verwendet: "Man merkt, dass die Verantwortlichen dort genau wissen, worauf es ankommt und wie man Kinder heute für dieses Thema interessiert". Auf der anderen Seite lassen ihr die Anregungen aus Paderborn aber auch genug Spielraum für eigene Ideen und eine individuelle Umsetzung. Das diesjährige Leitwort vom guten Hirten ist in ihren Augen geradezu ideal: "Es ist verständlich und nicht zu abstrakt; die Kinder können es sehr gut auf ihr eigenes Leben übertragen."

Dann ist es Zeit zu tauschen: Vivien hatte in der Mittagspause schon einen Blick auf die Gebetswürfel geworfen, jetzt darf sie mit den anderen aus ihrer Gruppe selbst welche gestalten. Die andere Gruppe ist gespannt auf den Stationenlauf. Im Handumdrehen ist die nächste Stunde vergangen.

Draußen vor der Kirche warten schon die Eltern. Ein Mädchen läuft zu seinen Eltern, in der Hand den neuen Gebetswürfel: "Guckt mal, was wir gebastelt haben, ich habe auch schon ein Gebet für heute Abend ausgesucht!"

Andreas Wiedenhaus (Bonifatiuswerk) / Fotos: Andreas Wiedenhaus (Bonifatiuswerk)

Kinder- und Jugendhilfe

Die Feier der ersten heiligen Kommunion ist ein bedeutendes Ereignis im Leben katholischer Kinder. In diesem feierlichen Rahmen bekennen sie ihren Glauben und empfangen zum ersten Mal den Leib Christi in der Gestalt des Brotes. Die Erstkommunionkinder sammeln in ihren Gottesdiensten zum Weißen Sonntag am 27. April für Kinder und Jugendliche in der Diaspora und setzen damit ein großartiges Zeichen der Solidarität. Mit ihrer Gabe unterstützen sie Projekte der Diaspora-Kinder und -Jugendhilfe des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken wie den ambulanten Kinderhospizdienst in Halle an der Saale.

Durch die bundesweite Kollekte der Erstkommunionkinder kann die Kinderhilfe des Bonifatiuswerkes jährlich zwischen 1,7 und 2 Millionen Euro für hilfsbedürftige Kinder und Jugendliche in Deutschland, Nordeuropa sowie in Estland und Lettland zur Verfügung stellen. Die Glaubensweitergabe an Kinder und Jugendliche stellt eine besondere Herausforderung in Regionen dar, in denen katholische Christen in einer extremen Minderheitssituation ihren Glauben leben. Die Kinder- und Jugendhilfe des Bonifatiuswerkes setzt sich dafür ein, dass junge und heranwachsende Christen ihren Glauben praktisch und im Alltag leben können. Gefördert werden Religiöse Bildungsmaßnahmen und Ferienfreizeiten, religiöse Kinderwochen (RKW), religiöse Vorschulerziehung, die Teilnahme an internationalen Jugendbegegnungen und Weltjugendtagen, katholische Kindertageseinrichtungen, diakonische Projekte und Projekte der Schulpastoral.

Informationen und Materialien können angefordert werden unter: Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken, Kamp 22, 33098 Paderborn, Telefon: 05251 2996-50, Fax: 05251 2996-83, E-Mail: info@bonifatiuswerk.de oder im Internet unter www.bonifatiuswerk.de.

"Füreinander Hirten sein": Bischof Franz-Josef Bode zur Erstkommunionaktion

Bischof Franz-Josef Bode.
Bischof Franz-Josef Bode.

H.H. Bischof, welche Bedeutung hat die Kommunionkatechese?
Bischof Franz-Josef Bode: Das wichtigste ist, dass die Kinder Jesus als Freund erfahren. Dass sie merken, Jesus will ihnen ganz nahe sein, und zwar in guten und in schlechten Zeiten. Und dass er sogar uns so nahe kommt, dass wir mit ihm zusammen essen und er sich sogar selber in diesem Brot uns schenkt. Man kann ja eigentlich einem anderen so nah nicht kommen. Die Kommunionkinder sollen spüren, Jesus kommt uns so innerlich wie die Nahrung in diesem Brot und dass er ganz bei uns ist. Dass er den Alltag mitgestaltet, wie wir tägliches Brot brauchen. Also dass die Beziehung zu ihm wie täglich Brot für uns ist.

Was bedeutet das Bild des guten Hirten heute?

Es geht ja nicht darum, dass jetzt nur Jesus der gute Hirt ist oder die Priester die guten Hirten sind und Bischöfe – sondern das kommt eigentlich jedem Christen zu. Wenn Christus sagt "Ich bin der gute Hirte", dann müssen auch die Christen, die sich nach ihm benennen, gute Hirten sein füreinander. Das heißt Verantwortung füreinander tragen. Ich kann nicht ganz privat die Hostie empfangen und schließe mich nur mit Jesus sozusagen ein. Ich muss, gerade weil Jesus sich für die anderen eingesetzt hat und guter Hirte war, auch die Gaben teilen. Ich muss selber Menschen kennenlernen wollen, man muss etwas hingeben für sie, teilen miteinander, Verantwortung tragen – gegenseitig Hirte sein. Auch Kinder können das schon, in dem sie beispielsweise darauf aufmerksam gemacht werden, was es für Nöte in der Nähe und in der Ferne gibt. Und dass es Eucharistie und Empfang dieses Brotes niemals geben kann, wenn man nicht mit anderen auch Brot teilt. Dieser Gedanke, der ist, glaube ich, sehr sehr wichtig.

Interview: Patrick Kleibold (Bonifatiuswerk), Foto: Bistum Osnabrück