Altöttinger Liebfrauenbote

4. Altöttinger Fastenpredigt mit P. Karl Wallner

Im Geist der Erneuerung

Unter dem Leitwort "Erneuerung der Kirche im Geist des hl. Franziskus" stand auch die 4. und letzte Altöttinger Fastenpredigt, zu dem P. Karl Wallner, Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule vom Stift Heiligenkreuz bei Wien, am 3. April in der Kirche St. Josef (Altötting-Süd) Stellung nahm. Dabei hob der Prediger die Bedeutung der beiden Päpste Franziskus und Benedikt XVI. in ihrer Wirkung als höchste Repräsentanten der römisch-katholischen Kirche hervor.

Pater Karl Wallner während der Predigt.
P. Karl Wallner während der Predigt.

"Europa ist alt geworden, schwach geworden im Glauben", stellte P. Karl Wallner fest. Der amerikanische Schriftsteller John Allen habe in seinem Buch über "Das zukünftige Antlitz der Kirche" aus dem Jahr 2009 in einem Ausblick auf eine Erneuerung der Kirche für die Jahre 2030/2040 einen Papst aus der Dritten Welt angekündigt. Doch mit Papst Franziskus sei dies viel früher eingetreten, bereits seit dem 13. April 2013. Schon allein die Namenswahl nach dem "Poverello von Assisi" sei Programm. Nicht theologisches Gedankengut und Bücher stünden im Vordergrund, sondern unter dem "Papst der großen Symbole" werde "die Spiritualität seiner Liebe hinausgetragen in die Welt". Dieser Papst besteche durch seinen eigenen Stil. Dabei habe sich auch das Gesicht der Kirche verändert: "Die Kirche ist nicht mehr europäisch!"

Wallner stellte am Beispiel seines Zisterzienserstifts Heiligenkreuz fest, dass ein Großteil des "Klosternachwuchses" aus Asien komme. Das Hauptgewicht verlagere sich auch immer mehr in die Dritte Welt, nach Afrika und Lateinamerika. Papst Franziskus, "der Pfarrer der Welt", sei ein Geschenk des Heiligen Geistes, der nicht wie sein Amtsvorgänger Benedikt XVI. durch "Geist", sondern mit Originalität überzeuge. Franziskus präge seinen eigenen Stil, "aus seinem apostolischen Schreiben klingt die Freude am Evangelium und er möchte", so Wallner, "dass wir seinen Stil nachahmen": Franziskus sei der Papst, der Häftlingen am Gründonnerstag die Füße wäscht, der auf Lampedusa Flüchtlinge besucht, der einen durch Hautkrankheit entstellten Menschen umarmt, der telefonisch Seelsorge betreibt, der in der Fastenzeit öffentlich beichtet, aus dem Petersplatz ein kleines Lourdes gemacht hat, indem er sich viel Zeit für die Kranken und Behinderten während der Generalaudienzen nimmt.

Über die Bedeutung der Eucharistischen Anbetung

Kapuzinerpater Norbert Schlenker, Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl, Pater Karl Wallner und Kanonikus August Sparrer bei der Feier der Eucharistie.
Kapuzinerpater Norbert Schlenker (von links), Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl, Pater Karl Wallner und Kanonikus August Sparrer bei der Feier der Eucharistie.

Der Prediger betonte auch die Bedeutung der Symbolkraft, wenn Franziskus immer wieder in der Öffentlichkeit seinen Amtsvorgänger Benedikt XVI. umarme und somit Einheit und Einigkeit der Kirche demonstriere. Im Gegenzug blickte P. Wallner mit großem Lob und Dankbarkeit auf Papst Benedikt XVI., "dem großartigen Theologen und Kirchenvater, auf den ihr Bayern sehr stolz sein könnt, ihn als euren Landsmann nennen zu dürfen und von dem man noch in 500 Jahren sprechen wird".

Auch Papst Benedikt XVI. habe seinen Namen bewusst gewählt, um mit dem Kirchenlehrer Benedikt einen Markstein der Glaubenslehre und christlichen Erneuerung zu setzen, um das Christentum zu stabilisieren. Er habe bei seinem Österreich-Besuch auf dem Weg nach Mariazell auch Stift Heiligenkreuz besucht und seine Freude über den Ordensnachwuchs zum Ausdruck gebracht: "Österreich ist wie Bayern 'klösterreich'." Was beide Päpste eine, was beide lebten und immer wieder betonten sei die Bedeutung der Eucharistischen Anbetung und die Liebe zur Muttergottes. Alle geistlichen Berufungen entstünden aus der Eucharistischen Anbetung. Nur so könnten wir zu Lichtzeichen unseres Glaubens werden, Gottesliebe führe unweigerlich zu Nächstenliebe.

P. Karl Wallner resümierte: "Wenn wir, wie der hl. Franziskus, auf unserem Weg ungeniert und ohne falschen Scham die Freude am Evangelium ausstrahlen, verkünden und leben, dann geschieht Erneuerung des Glaubens."

Text und Fotos: Roswitha Dorfner