Altöttinger Liebfrauenbote

6. Bauernwallfahrt nach Altötting

Mit einer Stimme sprechen

Am 6. April haben die Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft, der Landesverband deutscher Milchviehhalter, die Interessengemeinschaft für gesunde Tiere sowie die Initiative "Zivilcourage" zur 6. Bauernwallfahrt nach Altötting eingeladen. Rund 1.000 Landwirte pilgerten in den Wallfahrtsort zum Gottesdienst in der St. Anna-Basilika und zur anschließenden Tiersegnung auf dem Kapellplatz. Pfr. Michael Witti vom Pfarrverband Feichten fand in seiner Predigt nachdenkliche wie deutlich kritische Worte.

Pfr. Michael Witti hält bei der Gabenbereitung einen Laib Brot in den Händen.
Pfr. Michael Witti bei der Gabenbereitung.

"Von einer Zeit des Umbruchs und der Neuorientierung, die derzeit sowohl die bäuerliche Landwirtschaft, als auch unsere Kirche im ländlichen Raum massiv herausfordert", predigte Pfr. Michael Witti – von Herausforderungen, die "im Kern doch sehr ähnlich" seien.

Skandale habe es mehr als genug gegeben in den letzten Jahren – "in unserer Kirche ebenso, wie in der Landwirtschaft" – und es tue "oft unendlich weh, wenn man in allen Medien dann immer wieder das Gefühl hat, pauschal mitverurteilt zu werden". Dennoch: Es sei nicht "die Schuld der Medien, auf die wir dann ach so gerne schimpfen". Pfr. Witti stellte fest: "Schnell flüchten wir uns da dann – als Kirche, wie als Bauern – in eine beleidigte Leidenshaltung und hoffen, dass 'die da oben' das schon richtig stellen werden oder dass hoffentlich einfach bald Gras über die Sache wachsen wird." Doch dies sei nicht die angemessene Reaktion: Pfr. Witti sprach von einer "selbstverordneten Depression", die Gläubige wie Bauern in die eigenen vier Wände treibe. Sowohl Bauern als auch Gläubige rief er dazu auf, alte Fehler zu korrigieren und "mutig mit einer Stimme" zu sprechen, denn: "Wo nicht mehr Trennendes, sondern Gemeinsames im Mittelpunkt stehen, dort kann vieles erreicht werden."

Scharfe Kritik an Genmais

Teilnehmer der 6. Bauernwallfahrt bringen ihre Tiere zur Segnung auf den Kapellplatz.
Teilnehmer der 6. Bauernwallfahrt bringen ihre Tiere zur Segnung auf den Kapellplatz.

Scharf kritisierte Pfr. Witti eine europäische Rechtsprechung zur Zulassung einer neuen Genmaissorte. Konventionell wie biologisch Produzierende hätten angesichts vieler Berichte aus Mittelamerika berechtigte Bedenken: Trotz der neuen Sorten sei es "zu verheerendem Schädlingsbefall" gekommen, Bauern seien "in existenzgefährdende Abhängigkeiten" geraten, "weil die großen Konzerne zwar nicht die versprochenen Erträge mit ihrer Saat lieferten, dafür aber auch noch neu entwickelte Spritzmittel teuer in Rechnung stellten, ohne die dann plötzlich gar nichts mehr ging". Pfr. Witti resümierte: "Ich spürte hier bei allen Beteiligten und auf allen Seiten die gleichen Zukunftsängste. Ich merkte, wie alle die gleichen Bedrohungen sahen für die Zukunft unserer bäuerlichen Familienbetriebe, denen wir ja nicht nur die regionalen Lebensmittel, sondern auch die Schönheit unserer Heimat verdanken."

Gemeinsam mit den Gottesdienstbesuchern betete Pfr. Witti "um den Geist der Einigkeit, um den Mut, auf Menschen verschiedenster Meinungen und Ansichten zuzugehen, um auch in ihnen das Wertvolle und für alle Wichtige zu erkennen". Außerdem betete er um Mut "für alle, die in der Landwirtschaft in den verschiedensten bäuerlichen Betrieben tätig sind und für unsere Gemeinden, die sich auch oft viel zu sehr abgeschottet und in sich selbst zurückgezogen haben". Denn: "Nur dieser Mut macht uns glaubwürdig vor den Menschen von heute. Dann können auch wir – wie einst Marta im Evangelium – auf Jesus schauen und in der berechtigten Hoffnung auf eine bessere Zukunft rufen: 'Ich glaube, Herr, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll'."

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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Zwei Wallfahrtsteilnehmer mit Brot und Korn.
Zwei Wallfahrtsteilnehmer mit Brot und Korn.
Pfr. Michael Witti begrüßt die Wallfahrtsteilnehmerin Angie Straßhofer mit Ochse Lasse.
Pfr. Michael Witti begrüßt die Wallfahrtsteilnehmerin Angie Straßhofer mit Ochse Lasse.
Zwei junge Damen mit ihren Kälbchen.
Zwei junge Damen mit ihren Kälbchen.
Das Brillenschaf von Züchter Wolfgang Landsberger lässt sich gerne füttern.
Das Brillenschaf von Züchter Wolfgang Landsberger lässt sich gerne füttern.
Angie Straßhofer mit Ochse Lasse.
Angie Straßhofer mit Ochse Lasse.
Einzug zum Gottesdienst in der frisch renoverten Basilika St. Anna.
Einzug zum Gottesdienst in der frisch renoverten Basilika St. Anna.
Pfr. Michael mit Mesner Br. Vinzenz Müller am Altar.
Pfr. Michael mit Mesner Br. Vinzenz Müller am Altar.
Die Adlgasser Musik aus Innzell gestaltete den Gottesdienst.
Die Adlgasser Musik aus Innzell gestaltete den Gottesdienst.
Administrator Prälat Ludwig Limbrunner segnete die Kräuter, links im Bild Wallfahrtsorganisator Andreas Remmelberger und Mitorganisator Hubert Hochreiter.
Administrator Prälat Ludwig Limbrunner segnete die Kräuter, links im Bild Wallfahrtsorganisator Andreas Remmelberger und Mitorganisator Hubert Hochreiter.