Altöttinger Liebfrauenbote

Landesjägertag 2014 mit Jägerwallfahrt und Landeshubertusmesse in Altötting

Vom Pfeil Gottes treffen lassen

Etwa 500 Jäger und 300 Begleiter waren am vergangenen Wochenende nach Altötting gekommen und prägten von 28. bis 30. März das Stadtbild. Der Landesjägertag des Bayerischen Jagdverbandes (BJV) wurde heuer auf Initiative von Ludwig Unterstaller, dem Vorsitzenden der Altöttinger Jägerschaft, am Gnadenort abgehalten – zum einen, um das Präsidium neu zu wählen, zum andern um über Naturschutzthemen zu tagen, u.a. zu Themen wie Umgang mit Wildschäden, digitalem Schwarzwild-Monitoring und Umweltbildung in der Praxis.

Festlicher Höhepunkt des Landesjägertags war die Hubertusmesse in der Stiftspfarrkirche unter Begleitung zweier Bläsergruppen.
Festlicher Höhepunkt des Landesjägertags war die Hubertusmesse in der Stiftspfarrkirche unter Begleitung zweier Bläsergruppen.

Der BJV nutzte dabei bei herrlichem Frühlingswetter die Kapellplatz-Kulisse, um sich und seine vielfältigen Aufgaben bei Infoständen, und vor allem zur Freude der Kinder mit einer Greifvogel- und Jagdhundevorstellung zu präsentieren. Musikalischen Genuss boten die Standkonzerte der Jagdhornbläser.

Höhepunkt und gleichzeitig Abschluss des Landesjägertages waren am Sonntag, 30. März die Jägerwallfahrt mit einer Prozession vom Dultplatz über den Kapellplatz zur Stiftspfarrkirche St. Philippus und Jakobus und die feierliche Landeshubertusmesse mit Hauptzelebrant Bischof em. Wilhelm Schraml, Konzelebrant Stadtpfarrer und Stiftspropst Prälat Günther Mandl, assistiert von Diakon Dr. Johannes Schachtl. Die musikalische Gestaltung übernahmen die Altöttinger Jagdhornbläser mit den Bläsern der E-Parforce St. Coloman Ammergebirge sowie Prof. Josef Zilch an der Orgel.

Am 4. Fastensonntag, dem Sonntag Laetare (= freue dich) galt das herzliche Grußwort des Bischofs im überfüllten Gotteshaus vor allem den Jägern und Jägerinnen. Bischof em. Schraml tat dabei seine Freude kund, dass die Jägerschaft mit der Feier der hl. Eucharistie Zeugnis gebe, wem wir letztendlich unsere herrliche Schöpfung zu verdanken hätten.

"Ich könnte alles verzeihen, nur eines nicht, einen ungläubigen Bauern"

Das Rahmenprogramm auf dem Kapellplatz mit Greifvogelschau begeisterte bei bestem Wetter v.a. jüngere Zuschauer. Im Bild lässt ein Junnge einen Falken steigen.
Das Rahmenprogramm auf dem Kapellplatz mit Greifvogelschau begeisterte bei bestem Wetter v.a. jüngere Zuschauer.

Der Altbischof zitierte aus der Legende des hl. Hubertus, dem Patron der Jägerschaft, als dieser in der schwersten Stunde seines Lebens während der Jagd auf einen weißen Hirsch mit einem leuchtenden Kreuz im Geweih traf, diesen erfolglos zu erlegen versuchte, um dann angesichts des Kreuzes ehrfurchtsvoll in die Knie zu sinken. Auch wir sollten uns "als Zielscheibe Seiner Allmacht" von dem "Pfeil der Gnade Gottes" treffen lassen.

Der Prediger wünschte den Jägern und Jägerinnen als "gute Verwalter im Revier der herrlichen Schöpfung Gottes" nicht nur ein scharfes Auge, um auf der Pirsch der Fährte des Wildes zu folgen, sondern ein offenes Auge, um dem Schöpfungsauftrag verantwortlich gerecht zu werden. Julius Langbehn habe einmal gesagt: "Ich könnte alles verzeihen, nur eines nicht, einen ungläubigen Bauern!" Dieses Schriftsteller-Wort könne man auch für die Jägerschaft abändern. Bischof Schraml empfahl, die gewaltige, überwältigende Größe der Schöpfung Gottes auf sich einwirken zu lassen mit allen menschlichen Sinnen, um festzustellen: Dieses farbenprächtige Naturschauspiel auf Erden sei ein Aufsteigen gen Himmel zu einer gewaltigen Symphonie, wie nur Gott sie schreiben könne. In der Ruhe und Stille der Natur entstehe intensive Gottesbegegnung, da wäre es an der Zeit, auch die Hände zum Gebet zu falten, ein intensives Dankgebet zu sprechen. Diese Zwiesprache mit Gott auf dem Jägerstand (auch Schramls Vater und Bruder seien leidenschaftliche Jäger gewesen und er habe die beiden oft in den Wald begleitet) bringe Ruhe und Kraft für den menschlichen Alltag.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner