Altöttinger Liebfrauenbote

3. Altöttinger Fastenpredigt mit P. Norbert Schlenker

"Mann der Frohen Bot­schaft"

P. Norbert Schlenker, Guardian im Altöttinger St. Magdalenakloster, hat die dritte Altöttinger Fastenpredigt am 27. März in der Stiftspfarrkirche gehalten. Zum Leitwort der Predigtreihe "Erneuerung der Kirche im Geist des hl. Franziskus" nahm er den großen Heiligen selbst in den Blick und schilderte ihn als "Mann der Frohen Bot­schaft".

Wie der hl. Franziskus sollten Gläubige ihr Leben nach dem Evangelium ausrichten, empfahl P. Norbert Schlenker – im Bild bei der Predigt mit der Bibel in der Hand.
Wie der hl. Franziskus sollten Gläubige ihr Leben nach dem Evangelium ausrichten, empfahl P. Norbert Schlenker.

Als "sympathischen, fröhlichen" Heiligen schilderte P. Norbert den hl. Franz von Assisi. Insbesondere betrachtete er ihn aus der "Perspektive des Evangeliums", P. Norbert: "Franziskus hatte einen so lebendigen, schöpferischen und am Evangelium orientierten Glauben, dass er selbst zu einem Zeugnis und zu einer Botschaft wurde, die lebendig blieb."

Tatsächlich ist der hl. Franziskus wohl der bekannteste und populärste Heilige der katholischen Kirche. Nicht erst, seit ein Papst seinen Namen wählte. Fast jedes Kind kennt die Geschichte von dem wohlhabenden, feierlaunigen jungen Mann, der den Ruf des Herrn hörte, sein Leben änderte und nicht nur die kleine Kirche von San Damiano, sondern die Kirche insgesamt erneuerte. "Geh hin, Franziskus, stell mein Haus wieder her", forderte der Herr Franziskus der Legende nach  auf. Dazu merkte P. Norbert an: "Aber die Stimme – ER – sagt: Es ist MEIN Haus. Nicht das Haus der Kurie und der Bischöfe. Nicht das Haus der Theologen und der kirchlichen Verwaltung. Es ist SEIN Haus, und ER will, dass sich Franziskus mit aller Kraft und Liebe auf die Erneuerung dieses Hauses einlässt."

P. Norbert schilderte, wie Franziskus zunächst die steinerne Kirche erneuerte, sich dann der Institution zuwandte und schließlich erkannte, "dass es um das Volk Gottes geht".  Der Prediger stellte fest: "Der Gekreuzigte sagt 'Geh hin!'. Und Franziskus geht und holt die Armen in die Kirche zurück. So wird die Kirche wieder zur geschwisterlichen Kirche, zur Kirche des Geistes. Und das ist wohl einer der entscheidenden Punkte, an dem unser Papst am Beispiel seines Namenspatrons anknüpft und die Kirche als Kirche der Armen sieht und immer neu von der Barmherzigkeit predigt."

Vorbild eines ge­lungenen Lebens

Diakon Dr. Johannes Schachtl, Pater Norbert Schlenker und Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl beim Einzug in die Kirche.
Diakon Dr. Johannes Schachtl (von links), Pater Norbert Schlenker und Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl beim Einzug in die Kirche.

Auch an den berühmten Traum des damaligen Papstes erinnerte P. Norbert, an den Traum von dem "kleinen unscheinbaren Mann in einer braunen Kutte", der die wankende Kirche stützt, und der "zu einem sprechenden Bild für den Mann aus Assisi" wurde. P. Norbert betonte: "Der hl. Franziskus wird die Kirche erneuern, nicht durch große Worte und Taten, sondern durch ein Leben aus dem Evangelium in Einfachheit, Geschwisterlichkeit und unbedingter Treue."

Wie wichtig dem Heiligen eben die Frohe Botschaft war, zeigte sich laut P. Norbert nicht nur an der Ordensregel, die in erster Linie auf dem Evangelium fußt. P. Norbert stellte fest: "Was in der Schrift steht, das hinterfragt der hl. Franziskus nicht, das vertheologisiert er nicht, er lässt es als Gottes Wort gelten und handelt danach, hörend und gehorsam, wie Christus selber dem Vater gehorsam war." Und: "Die Frohbotschaft des Herrn, das war der Inhalt seines Lebens. Hier ist Franziskus uns allen Vorbild. Er ist Vorbild eines ge­lungenen Lebens, weil er immer für Gottes Wort so offen war. Immer wieder hat Franz über Gottes Wort nachgedacht, es meditiert und daraus sein Leben gestaltet."

P. Norbert erläuterte: "Das Vorbild des Heiligen von Assisi lädt uns ein, unser Leben und Handeln wieder von neuem unter das Wort Gottes zu stellen, unser persönliches Leben, wie auch das Leben in der Pfarrgemeinde. Wie Franziskus mit seiner Brüdergemeinschaft, die sich ganz am Evangelium orientiert hat, die Kirche seinerzeit erneuerte, so kann auch heute das gehörte und gelebte Evan­gelium die Kirche unserer Zeit erneuern. Insbesondere legte P. Norbert den Gottesdienstbesuchern einen Ratschlag von Roger Schütz, dem früheren Prior von Taizé, ans Herz: "Lebe das vom Evangelium, was du verstanden hast und wenn es nur ganz wenig ist."

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner