Altöttinger Liebfrauenbote

Fortschritt bei der Sanierung – Am 8. September Tag der offenen Tür

Marienwerk: Diener des bayerischen Nationalheiligtums

Tag der offenen Tür ist am Sonntag, 8. September, beim Altöttinger Marienwerk. Im Interview beschreibt Vorsitzender Prälat Alois Furtner, langjähriger Kapelladministrator in Altötting, die Aufgaben der Einrichtung und welche Neuerungen der Umbau des zentralen Gebäudes am Kapellplatz für Pilger und Einheimische bringen wird.

Freuen sich auf den Tag der offenen Tür beim Marienwerk am 8. September: Vorsitzender Prälat Alois Furtner und Geschäftsführer Reinhard Ernst.
Freuen sich auf den Tag der offenen Tür beim Marienwerk am 8. September: Vorsitzender Prälat Alois Furtner (links) und Geschäftsführer Reinhard Ernst.

Herr Prälat Alois Furtner, obwohl Sie seit fünf Jahren keine offizielle kirchliche Funktion mehr in Altötting haben, halten Sie Ihrer alten Wirkungsstätte vor allem mittels des Altöttinger Marienwerks die Treue. Ist diese Gebetsgemeinschaft, der Sie vorstehen, ein besonderes Bindeglied für Sie?
Bereits während meiner Zeit als Bischöflicher Administrator war ich Vorsitzender des Altöttinger Marienwerkes. Mit dieser Aufgabe bleibe ich auch in meinem Ruhestand mit den Pilgern und den Besuchern am Gnadenort verbunden.

Das Marienwerk wurde 1946 gegründet, es hat heute rund 72 000 Mitglieder. Was macht seine Besonderheit aus?
Gemäß unserer Satzung ist es Aufgabe des Marienwerkes der Marienverehrung und besonders der Altöttinger Wallfahrt zu dienen und für das bayerische Nationalheiligtum werbend und fördernd einzutreten. Dies geschah z.B. in früheren Zeiten durch Mithilfe bei der Verkehrsfreimachung des Kapellplatzes, der Gründung des Wallfahrts- und Verkehrsvereins wie auch heute noch durch tatkräftige Unterstützung vieler für die Wallfahrt tätigen Institutionen. Als Gebetsgemeinschaft verstehen wir uns auch als Bindeglied der Mitglieder und aller Marienverehrer zum Wallfahrtsort. Wir stehen für Auskünfte zur Verfügung und nehmen Fürbitten und Anliegen entgegen. Regelmäßig, vor allem an den herkömmlichen Marienfeiertagen, werden die Anliegen unserer Mitglieder bei heiligen Messen eingeschlossen und der Verstorbenen besonders gedacht.

In jüngster Zeit trat die Gemeinschaft vor allem als Bauherr in Erscheinung. Sind Sie zufrieden mit dem Umbau und der neuen Ausgestaltung?
Um bei größeren Schneelasten  Gefahr für Leben und Gesundheit abzuwenden, musste der gesamte Baukörper von Grund auf gesichert und fundamentiert werden. Diese ersten Arbeiten stehen vor dem Abschluss. Die weiteren Pläne für die Ausgestaltung sind recht Erfolg versprechend: ein solider Bau nach den aktuellen Vorschriften, ohne großen Luxus und den Bedürfnissen unserer Aufgaben angepasst.

Dioramenschau, Marienfilm und Musikförderung

In der Dioramenschau werden in Großraumbildern über 500 Jahre Altöttinger Wallfahrtsgeschichte nacherzählt – Dieser besondere Kunstschatz wird ab Frühsommer 2014 neu präsentiert.
In der Dioramenschau werden in Großraumbildern über 500 Jahre Altöttinger Wallfahrtsgeschichte nacherzählt – Dieser besondere Kunstschatz wird ab Frühsommer 2014 neu präsentiert.

Die Dioramen, ein Kunstschatz von höchstem Rang, können jetzt endlich in einem ihnen entsprechenden Rahmen präsentiert werden. Freut Sie das?
Wir sind glücklich, die wertvollen Dioramen nach ihrem jahrzehntelangen Kellerdasein in einem dem Kunstwerk angemessenen Rahmen präsentieren zu können. Der Zugang führt vom Kapellplatz her und es würde uns freuen, wenn wir nach der Wiedereröffnung im Frühsommer 2014 möglichst viele Besucher, auch Altöttinger, begrüßen könnten.

Auch die Marienfilme werden nach wie vor gezeigt – trotz ihrer wenig modernen Anmutung und Ausstattung. Was macht die Besonderheit dieser Filme aus?
Die Marienfilme werden in einem etwas kleineren Filmsaal wieder vorgeführt, wobei nach meiner Meinung der erste in schwarz-weiß aus dem Jahr 1950 wesentlich beeindruckender ist als der Nachfolger in Farbe. Wesentlich ist jedoch, dass beide Filme bedeutende Ereignisse der Wallfahrtsgeschichte darstellen. Ebenso werden die beiden Papstfilme "Johannes Paul II." und "Benedikt XVI." in Altötting gezeigt. Alle Filme sind lediglich ein Angebot an die Pilger und Altötting-Besucher, der finanzielle Gewinn steht dabei nicht im Mittelpunkt.

Das Marienwerk ist auch ein großer Förderer der Musik. Mit den Kapellsingknaben und der Mädchenkantorei wurde ein Chor gegründet, der mittlerweile aus dem kulturellen und kirchlichen Leben der Region nicht mehr wegzudenken ist. Freut Sie dieser Erfolg?
Die Verantwortlichen des Marienwerkes haben vor zehn Jahren die Kapellsingknaben und Mädchenkantorei ins Leben gerufen. Diese Institution geht nachweislich auf das Ende des 15. Jahrhunderts zurück und Josef Schacherbauer war vor dem Krieg der letzte Singbub. In den Nachkriegsjahren führte Paul Selesion die Singschule bis zu seinem Ruhestand für die Altöttinger Kinder weiter. Die großartige musikalische Entwicklung der letzten Jahre ist nicht allein dem Engagement des Marienwerks zuzuschreiben, denn ohne den persönlichen Einsatz des Chorleiters Herbert Hager und die tatkräftige Mithilfe der Eltern wäre diese Entwicklung niemals möglich gewesen, auch im Hinblick auf eine positive Jugendarbeit für unsere Gesellschaft.

Erinnerungen an Papstbesuch

Die Förderung der Kirchenmusik ist eine der zentralen Aufgaben des Altöttinger Marienwerks – vor allem die Altöttinger Kapellsingknaben und Mädchenkantorei unter Leitung von Herbert Hager sind weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt. Das Bild
Die Förderung der Kirchenmusik ist eine der zentralen Aufgaben des Altöttinger Marienwerks – vor allem die Altöttinger Kapellsingknaben und Mädchenkantorei unter Leitung von Herbert Hager (r.) sind weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt. Das Bild zeigt den Chort mit Bischof Wilhelm Schraml bei der Diakonenweihe 2010.

Welche Auswirkungen wird der Umbau Ihres Hauses für diesen Chor haben?
Das Raumangebot im ersten Obergeschoss des alten Propsteigebäudes war für die ersten Jahre wohl angemessen, ist jedoch seit geraumer Zeit völlig unzureichend. So werden die Kapellsingknaben und Mädchenkantorei nach dem Umbau eine neue Heimat bekommen. Geeignete Unterrichtsräume und ein angemessener Probensaal werden zur Verfügung stehen. Dieser kann auch für interne Veranstaltungen wie Auftritte der Ausbildungschöre, Vortrags- und Liederabende genutzt werden.

Gibt es noch weitere Pläne für die Kirchenmusik?
Die Pflege der Kirchenmusik ist eine der vielen Aufgaben des Marienwerks, die in der Satzung verankert sind. Überwiegend wird die Förderung der Kapellsingknaben und Mädchenkantorei im Vordergrund stehen, die ja vermehrt liturgische Dienste übernehmen. So sind für das kommende Jahr mehrere nachmittägliche Mariensingen für Pilger und Altötting-Besucher geplant. Nach unseren Kräften werden wir weiterhin Musiker außerhalb unseres Marienwerkes unterstützen, die im Dienst der Wallfahrt zur Verfügung stehen.

Am 8. September wird sich das Marienwerk beim Tag der Offenen Tür der Bevölkerung präsentieren. Welches sind die wichtigsten Programmpunkte, was kann man erleben und kennenlernen?
Am 8. September treffen wir uns zum alljährlichen Tag des Marienwerkes, zu dem alle Mitglieder und Marienverehrer herzlich eingeladen sind. Der Stiftspropst von Mattsee, Pfarrer Mag. Franz Lusak, wird in alter geschichtlicher Verbundenheit zum Wallfahrtsort den Festgottesdienst im Kirchenzelt feiern. In Erinnerung an den Hl. Vater Benedikt XVI. zeigen wir um 13.30 Uhr bei freiem Eintritt unseren eigenen Film vom Festgottesdienst am 11. September 2006 im Saal des Hotel Zur Post. Nach dem Mariengruß vor der Gnadenkapelle um 14.30 Uhr findet die Jahreshauptversammlung um 15.30 Uhr wiederum im Saal des Hotel Zur Post statt. Schwerpunkt des Tätigkeitsberichts wird diesmal der Umbau des Filmsaals sein.

Herr Prälat, was sind Ihre Wünsche für die Zukunft – persönlich, aber auch für das Marienwerk?
Meine persönlichen guten Wünsche gelten dem Marienwerk, dass es die öffentliche Anerkennung, aber auch Unterstützung erfährt, um die in der Satzung verankerten Ziele verwirklichen zu können.

Interview: Erwin Schwarz, Fotos: Erwin Schwarz 1, Roswitha Dorfner 2