Altöttinger Liebfrauenbote

450 Jahre Marianische Männerkongregation – Gebet an der Mariensäule und Festgottesdienst mit Kardinal Marx

"Streitende", engagierte Kirche

Rund 2.000 Sodalen aus Deutschland, Österreich und Südtirol haben am 19. Oktober in München das 450-jährige Gründungsjubiläum der Marianischen Männerkongregation (MC) gefeiert. Auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft der Kongregationen in Bayern feierte Kardinal Reinhard Marx mit den Sodalen einen Pontifikalgottesdienst in der Münchner St. Michaelskirche. Zuvor betete er mit ihnen bei einer Statio an der Mariensäule den Engel des Herrn.

Kardinal Reinhard Marx betete mit den Sodalen an der Mariensäule den Engel des Herrn. Die Isartaler Musikanten begleiteten das Gebet.
Kardinal Reinhard Marx betete mit den Sodalen an der Mariensäule den Engel des Herrn. Die Isartaler Musikanten begleiteten das Gebet.

So oder ähnlich könnte sie schon aussehen, die "streitende Kirche", die Kardinal Marx vorschwebt. Friedlich betend den "Engel des Herrn" – Marx: "ein Bekenntnis, dass wir es gut meinen mit den Menschen" –; mit vielen Fahnen, die Zeugnis geben vom eigenen Glauben und dies an einem Ort mit hoher Symbolkraft – erinnert doch die Mariensäule nicht nur an die Patronin von Bayern, sondern an die Mutter der Kirche ganz allgemein, an die Frau also, die den Weg zu Jesus weist – Marx: "Dies ist ein besonderer Platz. Hier wird deutlich, dass die Kirche nicht narzistisch sein darf, sondern dass sie mitten in der Welt für die Welt da ist".

Was der Erzbischof von München und Freising unter der "ecclesia militas – streitende Kirche" versteht, an die er in Anlehnung an die Lesung von der "Frau und dem Drachen" (Offb 12) erinnerte, erklärte er in seiner Predigt in der Jesuitenkirche St. Michael. "Eine streitende Kirche bedeutet aber nicht, dass wir übereinander herfallen und üble Nachrede betreiben, denn eine Kongregation, eine Pfarrei, ein Bistum, eine Kirche, wo die einen gegen die anderen stehen, ist eine zerstrittene, aber keine streitbare Kirche", betonte Kardinal Marx. Eine streitbare Kirche solle als "engagierte" Kirche verstanden werden: "Aber nicht für sich selber, sondern für das Heil der Welt, für die Menschen und besonders für die Armen, Kranken und Schwachen." Der "Drache" gegen den es zu kämpfen gilt, treibe durchaus auch in der Kirche selbst sein Unwesen, stellte der Kardinal fest und schließlich ermunterte er die Sodalen Zeugnis zu geben von ihrem Glauben – "ohne Rechthaberei, sondern demütig".

Gefährtenschaft Jesu

Die im 16. Jahrhundert gegründete Partisaner Garde zu Hall in Tirol führte die Prozession von der Mariensäule in die St. Michaelskirche an.
Die im 16. Jh. gegründete Partisaner Garde zu Hall in Tirol führte die Prozession von der Mariensäule in die St. Michaelskirche an.

Der Erzbischof von München und Freising warnte aber auch vor einem "falschen konservativen Denken" und vor einem rückwärtsgewandten Blick: "Die Welt bleibt nicht so, wie sie ist – es darf nicht alles so bleiben, wie es ist, wir müssen besser werden", sagte er. In Anlehnung an das Evangelium von der Hochzeit zu Kana (Joh 2,1-12) betonte er die Bedeutung der "Verwandlung". Wie es auch in der Eucharistie geschehe, müssten wir uns gemeinsam auf den Weg der "Verwandlung und Erneuerung" begeben, "und darauf vertrauen, dass Gott in Jesus handelt und alles ins Unzerstörbare hineinführen wird".

Auch die Zeiten wandeln sich. Mit Blick auf das 16. Jahrhundert, in der sich die MC gegründet hatte, erinnerte der Erzbischof von München und Freising an die Glaubensspaltung und die Umwälzungen im politischen und kulturellen Bereich, aber auch an Personen, die in dieser Zeit "Antworten fanden, sodass Menschen wieder Mut fassten, ihrem Glauben zu folgen". Marx erinnerte an die Mystikerin Teresa von Avila, die Gläubige dazu inspiriert hatte, "das Geheimnis Gottes in sich selber zu entdecken" – dieser Subjektivismus sei nicht als Angriff auf die Institution der Kirche misszuverstehen, sondern dieser sei eine "Entdeckung, wie kostbar der einzelne Mensch ist". Marx würdigte auch Martin Luther – "sein Impuls war wichtig und stark" –, vor allem aber den hl. Ignatius von Loyola, dessen Freiheitsstreben nicht dazu geführt hatte, den Gehorsam zu vergessen. Die "Gefährtenschaft Jesu" neu aufzubauen sei das Programm des Heiligen gewesen und wie er sollten wir uns "in Freiheit", "in der Gemeinschaft" und "an der Hand der Gottesmutter" "in die Gefährtenschaft Jesu begeben".

"Es ist die Stunde der Laien"

Rund 2.000 Gläubige, darunter auch Herzog Franz von Bayern, feierten in der Jesuitenkirche Gottesdienst mit Kardinal Reinhard Marx.
Rund 2.000 Gläubige, darunter auch Herzog Franz von Bayern, feierten in der Jesuitenkirche Gottesdienst mit Kardinal Reinhard Marx.

Auch heute steht die Kirche vor einem Umbruch. "Es ist die Stunde der Laien", rief Kapuzinerpater Br. Georg Greimel den Sodalen zu, angesichts des Rückgangs geistlicher Berufungen. Dieser Moment hier zeige, "dass wir mit euch rechnen dürfen", sagte er in einem Grußwort an der Mariensäule. Der Präses der Altöttinger MC ist zugleich Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der MC in Bayern, der von Aschaffenburg bis Passau 15 Einzelkongregationen mit insgesamt 42.000 Sodalen angehören. Der Präses der Marianischen Männerkongregation am Bürgersaal zu München, Jesuitenpater Peter Linster verlas in St. Michael ein Grußwort von Papst Franziskus, der der Laiengemeinschaft seinen Apostolischen Segen spendete. Den Apostel Johannes, "den die Mutter Christi zu sich nahm", nachzuahmen, rät der Hl. Vater den Sodalen.

Die "Congregatio Mariana" geht zurück auf den flämischen Jesuitenpater Jean Leunis: Eine von ihm 1563 in Rom einberufene Zusammenkunft von Studenten des Römischen Kollegs war Keimzelle der sich rasch zu einer weltweiten Bewegung entwickelnden Laienorganisation. Die Mitglieder, die sich in Anlehnung an das lateinische Wort sodalitas (für Freundschaft, Kameradschaft) Sodale nennen, fühlen sich Maria, der Mutter Jesu, als Vorbild für ein glückliches Leben und für das Streben nach Heil verpflichtet. Die MC versteht sich als eine Laiengemeinschaft des gelebten Glaubens.

Text: Michael Glaß / red, Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

(Zum Vergrößern auf ein Bild klicken)