Altöttinger Liebfrauenbote

Die Geschichte der Fronleichnamsprozession in Regensburg

Prangen für den Herrn

Genau zehn Tage nach Pfingsten feiert die katholische Kirche das "Hochfest des Leibes und Blutes Christi", das im deutschen Sprachraum Fronleichnam genannt wird, vom Mittelhochdeutschen "vrône lîcham" = "des Herren Leib". In Bayern hat dieses Fest unterschiedliche Namen, so ist z.B. vom Prangertag die Rede, wobei dieser Name sich auf die Prachtentfaltung – das Prangen – zur Ehre des Eucharistischen Herrn bezieht.

"Das hochfürstliche Haus von Thurn und Taxis bei der Fronleichnamsprozession der Pfarrei St. Emmeram zu Regensburg im Jahre 1968." Hinter dem Baldachin gehen Fürst Franz Josef von Thurn und Taxis und seine Gemahlin Elisabeth, Infantin von Portugal, nebs
"Das hochfürstliche Haus von Thurn und Taxis bei der Fronleichnamsprozession der Pfarrei St. Emmeram zu Regensburg im Jahre 1968." Hinter dem Baldachin gehen Fürst Franz Josef von Thurn und Taxis und seine Gemahlin Elisabeth, Infantin von Portugal, nebst Lakaien und Hofbeamten (Ölgemälde von Werner Steib, 2005).

Erstmals gefeiert wurde das Fest, das auf die Vision der Heiligen Ordensfrau Juliana von Lüttich zurückgeht, im Jahre 1246 im Bistum Lüttich. Ein dunkler Fleck auf dem Mond, so deren Vision, habe auf das Fehlen eines Festes zu Ehren des Altarssakraments hingewiesen. Papst Urban IV. hat Fronleichnam dann 1264 zum Fest der Gesamtkirche erhoben. Christus ist "leibhaftig gegenwärtig" in der Eucharistie, das ist das Festgeheimnis, das an diesem Tag mit einer großen Prozession durch Dörfer und Städte gefeiert wird. In Deutschland ist dieser Tag nur in den überwiegend katholischen Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag, wie z.B. in Bayern, Baden-Württemberg oder im Saarland und Nordrhein-Westfalen.

Bereits 1273 gab es die erste Fronleichnamsprozession in Bayern, nämlich in Benediktbeuern. Für die freie Reichs- und Bischofsstadt Regensburg ist erst um 1408 eine Prozession bezeugt, an der die 23 Zünfte der Stadt teilnahmen. Wenn sich die Gesandten des "Immerwährenden Reichstages" daran beteiligten, wurde die Prozession besonders prunkvoll.

Eine Ahnung von dieser höfischen Prachtentfaltung konnte man in Regensburg dann über Jahrzehnte noch durch die "Fürstenprozession von St. Emmeram" bekommen. Die jahrhundertealte Benediktinerabtei St. Emmeram war seit 1810 im Besitz der Fürsten von Thurn und Taxis und wurde vom Kloster zum Schloss umgebaut. Die Klosterkirche, in der u.a. die Bischöfe St. Emmeram und St. Wolfgang ihre letzte Ruhestätte gefunden hatten, wurde zur Pfarrkirche.

Die Prozession der Pfarrei St. Emmeram zog von der Basilika zum Ägidienplatz mit der Deutschordenskirche und dann weiter zur Schule der Englischen Fräulein, wo sich jeweils die beiden ersten Segensaltäre befanden. Im Schloss-innenhof stieß dann das gesamte fürstliche Haus mit aller traditionellen höfischen Prachtentfaltung dazu. Dort wurde das dritte Evangelium verkündet. Direkt hinter dem Baldachin gingen der Fürst und seine Familie, gefolgt von den fürstlichen Beamten. Allen voran schritt der Haushofmeister mit Zeremonienstab, begleitet von der Dienerschaft, wobei diese in Großgala-Livree erschien: die Kammeroffizianten in blau, die Lakaien in rot und die Leibjäger in grün. Der Fürst selbst trug einen schwarzen Frack und all seine Orden, die Fürstin und die anderen Damen erschienen ebenfalls in Schwarz und mit schwarzem Spitzenschleier und Ordensdekoration.

Gestern und Heute

Zum vierten Evangelium und dem Schlusssegen trafen sich die Gläubigen bei der Fronleichnamsprozession 2012 am Westportal des Regensburger Domes.
Zum vierten Evangelium und dem Schlusssegen trafen sich die Gläubigen bei der Fronleichnamsprozession 2012 am Westportal des Regensburger Domes.

"Da die Domprozession zu stark zusammengeschrumpft war", so schrieb es Stiftskanonikus Johannes Güntner in seinen Ausführungen, "hat St. Emmeram ihre Pfarrprozession 1975 aufgegeben und sich dieser angeschlossen". An der letzten "Fürstenprozession von St. Emmeram", die vor genau 40 Jahren stattfand, nahm Fürst Karl August von Thurn und Taxis (†1982) und seine Schwester, Markgräfin Elisabeth von Meißen (†1976), teil.

Heutzutage zieht die große Prozession nach dem morgendlichen Pontifikalamt im Dom durch die Innenstadt, Segensaltäre sind an der Karmelitenkirche St. Joseph am Alten Kornmarkt, an der Stiftspfarrkirche St. Cassian, vor der Basilika St. Emmeram und dann am Dom, entweder am Westportal oder an der Südseite aufgebaut. Kunstvoll gestaltete Blumenteppiche, die in den frühen Morgenstunden gelegt werden, schmücken die Altäre. Dort wird jeweils vom Bischof der eucharistische Segen mit der Monstranz erteilt. Kommunionkinder und Ministranten, Ritterorden und Studentenverbindungen, Kolpingfamilien und Sodalen der Marianischen Männerkongregation und der Frauencongregation begleiten heutzutage bei der Fronleichnamsprozession das Allerheiligste durch die Straßen der Stadt, die mit Fahnen und grünen Sträuchern geschmückt sind.

Für bekennende Katholiken ist die Teilnahme an der Prozession Ehrensache, für viele jedoch ist es ein Ereignis geworden, dem man mehr als Schaulustiger am Straßenrand beiwohnt. Auch die Personen des öffentlichen Lebens sind meist zugegen, der Oberbürgermeister oder einer seiner Stellvertreter, Abgeordnete aus Bundes- oder Landtag, Stadträte und Vertreter der Polizei. Hier und da nehmen auch die Mitglieder der fürstlichen Familie an der Prozession teil, Fürstin Gloria Mariae von Thurn und Taxis meist in ihrer Funktion als Präfektin der Marianischen Frauencongregation. Auch der junge Fürst Albert und seine Schwestern Elisabeth und Maria Teresia sind immer wieder einmal zu sehen. Die große Prachtentfaltung des Fürstenhauses bei der Prozession ist heute aber längst Geschichte.

Text und Fotos (Repro): Carl Prämaßing