Altöttinger Liebfrauenbote
MC-Frühjahrshauptfest: Eucharistische Prozession zur Gnadenkapelle.
MC-Frühjahrshauptfest: Eucharistische Prozession zur Gnadenkapelle.

Frühjahrshauptfest der Marianischen Männerkongregation mit Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann

„Sie haben hier einen ganz besonderen Schatz“

„Es ist für mich beeindruckend, mit so vielen Menschen, die zu ihrem Glauben stehen, die Eucharistie zu feiern.“ – Nicht nur Dr. Karl-Heinz Wiesemann, Bischof von Speyer, war beeindruckt, sondern auch die Sodalen der Marianischen Männerkongregation (MC) Altötting. Mit Applaus dankten sie dem Bischof für eine ebenso nachdenkliche wie animierende Predigt beim diesjährigen MC-Frühjahrshauptfest am 10. März. Beim Obmännertreffen stellte sich Dr. Wiesemann einigen aktuellen Fragen.

„Jedes Gebet ermutigt auch uns Bischöfe, mit Rückgrat durch die Zeit zu gehen“, verabschiedete sich Bischof Wiesemann nach dem Obmännertreffen im Kongregationssaal, das mittags mit einem Angelus-Gebet beendet wurde. Zuvor hatte er noch Stellung bezogen zum kirchlichen Dialogprozess, zu aktuellen politischen und kirchenpolitischen Fragen.

Dialogprozess, Lebensschutz und „pro multis“

Obmännertreffen im Kongregationssaal (v.l.): MC-Präses P. Georg Greimel, Bischof Karl-Heinz Wiesemann und MC-Präfekt Stefan Burghart.
Obmännertreffen im Kongregationssaal (v.l.): MC-Präses P. Georg Greimel, Bischof Karl-Heinz Wiesemann und MC-Präfekt Stefan Burghart.

Es waren durchaus kritische Fragen, die dem Bischof gestellt wurden.

Stichwort „Dialogprozess“: „Finden ,papst- und lehramtstreue Katholiken‘ überhaupt genug Gehör?“ – Es gebe „vieles, was wir Katholiken gemeinsam teilen“, aber auch „Unterschiede in der Bewertung“ antwortete der Bischof diplomatisch und gab gleichzeitig Auskunft über sein persönliches Anliegen: „Ich habe immer noch die Hoffnung, dass der Dialogprozess zu einem Glaubensprozess wird.“ Dass Dr. Wiesemann Reformideen skeptisch sieht, wurde deutlich, als er die 2.000 Jahre alte Kirche als einen „Glaubensorganismus“ beschrieb, den man nicht einfach neu zusammenbauen könne „wie den Supermarkt an der Straße“. Verfehlungen wie der Missbrauchsskandal müssten aufgearbeitet werden, doch allzu viele Veränderungen zerstörten die Identität der Kirche: Die evangelische Kirche habe viele der derzeit kursierenden Forderungen umgesetzt und „ist auch nicht erfolgreicher. Was wirklich bewegt, ist immer die Tiefe des Glaubens“.

Stichwort „pro multis“: „Warum wurde die vom Papst gewünschte Änderung noch nicht umgesetzt?“ – Die bisherige Übersetzung der Wandlungsworte in „für alle“ sei sinngemäß richtig, die Änderung in „für viele“ diene der Einheitlichkeit in der Liturgie, erklärte der Bischof. Das Messbuch sei derzeit in Überarbeitung und die neue Version werde voraussichtlich kommendes Jahr erscheinen. Bis dahin gilt: „Wir haben ein gültiges Messbuch und daran haben wir uns zu halten.“

Stichwort „Lebensschutz, Homo-Ehe“: „Warum hört man so wenig von den Bischöfen“ – „Es ist alles mehrfach gesagt, aber man dringt nicht durch“, stellte Dr. Wiesemann fest, betonte die Bedeutung des Schutzes von Ehe und Familie und lobte das Engagement für politische Initiativen wie der EU-weiten Unterschriftenaktion „Ja zum Leben“ (www.oneofus.eu), die noch bis November läuft und auch von der MC aktiv beworben wird.

450-Jahrfeier

Einzug der Fahnenabordnungen in das Kirchenzelt.
Einzug der Fahnenabordnungen in das Kirchenzelt.

Nicht nur die Gebete, auch die Fragen dürften den Bischof ermutigt haben – den Antworten und der Stimmung nach zu urteilen herrschte Konsens in wesentlichen Grundsatzfragen. Noch einmal zeigte sich Wiesemann „beeindruckt“: „Sie haben hier einen ganz besonderen Schatz“, betonte er in seinem Grußwort an die Obmänner. Es sei wichtig, dass gerade die Väter Beispiel geben, viel zu viele „halten sich aus der Kirche heraus“. Die Kirche brauche daher nicht nur eine Förderung von Frauen, sondern auch eine von Männern, die ihren Glauben praktizieren und auch darüber sprechen können – „das ist heute überhaupt keine Selbstverständlichkeit“.

Von der Anzahl der Männer zeigte sich der Bischof beeindruckt, ebenso „dass lebendig geblieben ist, was vor 450 Jahren eingerichtet wurde“. Etwas über 11.000 Sodalen zähle derzeit die MC Altötting, rund 40.000 seien es in ganz Bayern, berichtete MC-Präfekt Stefan Burghart. Viele davon werden heuer am 19. Oktober in München erwartet, wenn die MC der bayerischen Landeshauptstadt, „die Ur-Kongregation, aus der auch wir hervorgegangen sind“, wie Burghart sagte, ihr 450-jähriges Bestehen feiert. Die Stärkung des Glaubens durch Bildung sei damals das Ziel der Gründer, der Jesuiten, gewesen und dies habe sich bis heute nicht geändert, wie MC-Präses P. Georg Greimel erläuterte. „Wir sind eine Kerngruppe in der Kirche“, stellte er fest.

„Feuertaufe“ für das Kirchenzelt

Am Ende des Gottesdienstes vor dem Auszug (v.l.): Domkapitular gerhard Auer, verantwortlich für die Männerseelsorge im Bistum Passau, Diakon Georg Hifinger, Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann, MC-Präses P. Georg Greimel und Pfr. i.R. Franz Hecker.
Am Ende des Gottesdienstes vor dem Auszug (v.l.): Domkapitular gerhard Auer, verantwortlich für die Männerseelsorge im Bistum Passau, Diakon Georg Hifinger, Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann, MC-Präses P. Georg Greimel und Pfr. i.R. Franz Hecker.

Eine ziemlich große Kerngruppe, zumindest beim Hauptfest in Altötting. Das Kirchenzelt im Klostergarten St. Konrad direkt neben der St. Anna-Basilika jedenfalls war sehr gut gefüllt. Viele standen neben den rund 700 Sitzplätzen und der Bühne für die Altöttinger Hofmusik, die unter der Leitung von Karlmann Kanzler den Gottesdienst am Vormittag musikalisch gestaltete. Zwischen 1.000 und 1.500 Besucher dürften es insgesamt gewesen sein.

„Das Kirchenzelt hat seine Feuertaufe zur Eröffnung des Wallfahrtsjahres in Altötting sehr gut bestanden“, sagte Burghart und sprach von „positiver Resonanz“ auch unter den Sodalen. Wo diese beim Frühjahrshauptfest im nächsten Jahr Platz finden werden, steht indes noch nicht fest, wie P. Georg sagte – bis Oktober dient das Kirchenzelt als Ersatz für die Basilika, die bis Ostern 2014 wegen Renovierungsarbeiten geschlossen ist (www.basilika-altoetting.de). Dass die Arbeiten weiterhin gut vorangehen, daran haben auch MC-Gruppen und einzelne Sodalen ihren Anteil – rund 450.000 Euro kamen allein durch deren Spenden für die Basilika zustande, stellte P. Georg dankend fest.

Vom verlorenen Sohn und der Heilung „zerstörter Freiheit“

Bischof Karl-Heinz Wiesemann gratuliert zur Lebensweihe – 20 Sodalen legten diese nach einjähriger Mitgliedschaft ab; 15 wurden neu aufgenommen.
Bischof Karl-Heinz Wiesemann gratuliert zur Lebensweihe – 20 Sodalen legten diese nach einjähriger Mitgliedschaft ab; 15 wurden neu aufgenommen.

Bischof Wiesemann jedenfalls fühlte sich wohl im Kirchenzelt: „Die lebendigen Steine sind da, das Haus Gottes aufzubauen“, sagte er und verwies auch auf die vielen Fahnenabordnungen, rund 50 an der Zahl. Die Feier der Eucharistie und die Predigt des Bischofs standen im Zentrum des Hauptfestes und dabei das Evangelium vom verlorenen Sohn (Lk 15,11–32), das der Bischof sehr zeitkritisch auslegte.

„Gleichnisse sind nicht nur Perlen der Weltliteratur, sondern immer wieder von neuer Aktualität“, stellte er fest. „Hat Jesus nicht den dritten Sohn im Gleichnis übersehen, der konsequent ist und die Freiheit lebt, als ob es keinen Gott gibt“, fragte er mit Blick auf die Freiheitsideale der 68er-Generation und der modernen Gesellschaft. Steht Gott dem menschlichen Freiheitsbedürfnis entgegen? Wiesemann interpretierte das Gleichnis vor dem Hintergrund, „dass Jesus Gottes Sohn ist“ und erklärte: „Jesus begibt sich in unsere Freiheit, er liefert sich der Freiheit aus bis in die letzte Konsequenz am Kreuz. Er ist wie der verlorene Sohn und zeigt uns, dass die Liebe Gottes noch tiefer ist, dass Gottes Freiheit nicht zerstört, sondern zerstörte Freiheit wieder heilt.“

Es gehe also um eine viel tiefere Dimension als um die vordergründige der Rückkehr des Sohnes in bürgerliche Verhältnisse. Dies zeige vor allem das Verhalten des Vaters, in dem Gott selbst gespiegelt sei. Er lasse seinen Sohn ziehen, obwohl er genau wisse, was er vorhat. Als dieser sein Erbe verprasst hat und reumütig zurückkehrt, warte er das Bekenntnis des Sohnes gar nicht erst ab, er trete nicht besserwisserisch auf, nicht rechthaberisch, auch nicht gleichgültig und ebensowenig wie ein „Patriarch, der von oben herab regiert“ – im Gegenteil: „Er rennt seinem Sohn entgegen, sein Herz ist voll Freude – weil seine Liebe zur Freude wird“, sagte der Bischof. Der Neid des zweiten Sohnes mache deutlich, „woran auch wir manchmal kranken: dass wir so klein, so eng denken“. – „Was hat Maria durchgemacht!“, erinnerte er auch die Sodalen, die sich der Gottesmutter anvertraut haben.

Optimistisch verabschiedete sich der Bischof von den Gottesdienstbesuchern: „Wer sich so der Muttergottes anvertraut wie die Sodalen der MC, der wird anderen auch Rede und Antwort stehen können.“ Um mit der Gesellschaft in einen Dialog über den Glauben zu treten, hat er den Sodalen Denkanstöße gegeben, die diese gerne annahmen – dies zeigte der Applaus.

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann bei der Predigt.
MC-Präses P. Georg Greimel predigte am Nachmittag über das II. vatikanische Konzil.
Segen für den MC-Nachwuchs.
Junge Nachwuchs-Sodalen.
Junge Nachwuchs-Sodalen.
Eucharistische Prozession zur Gnadenkapelle.
Eucharistische Prozession zur Gnadenkapelle.
Eucharistische Prozession zur Gnadenkapelle.
Treffen der Obmänner: MC-Präfekt Stefan Burghart (l.) und Bischof Wiesemann.
MC-Präfekt Stefan Burghart und MC-Präses P. Georg Greimel nehmen 15 neue Sodalen auf.