Altöttinger Liebfrauenbote

Dankgottesdienst für Benedikt XVI. mit Fastenpredigt

„Mehr als nur diese Welt“

Der Pfarrverband Altötting hat sich am 28. Februar im Rahmen der Abendmesse um 19 Uhr von Papst Benedikt XVI. verabschiedet. Die Tagesgebete, die Fürbitten und vor allem die Fastenpredigt durch Abt Hermann-Josef Kugler aus Windberg waren dem Gedenken des Heiligen Vaters gewidmet. Am Ende des Gottesdienstes wurde das Allerheiligste von der Anbetungskapelle in die Stiftspfarrkirche übertragen zu einer stillen Danksagung.

Engagierter Fastenprediger: Abt Hermann-Josef Kugler, Windberg.
Engagierter Fastenprediger: Abt Hermann-Josef Kugler, Windberg.

In der zweiten Fastenpredigt der traditionellen Predigtreihe nahm Abt Hermann-Josef mehrmals Bezug auf Papst Benedikt XVI. und dessen Pontifikat. Schon eingangs schilderte er die rasante Veränderung unserer Welt in den vergangenen 50 Jahren seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Eben dieser gesellschaftlichen Geschwindigkeit hatte sich auch Benedikt XVI. mit zunehmendem Alter nicht mehr seinem Amt gemäß gewachsen gesehen.

Dennoch sei der Papst emeritus gerade in seinem Rücktritt auch weiter Vorbild: ein Vorbild des unbedingten Gottesglaubens nämlich und ein großer Beter. Denn, so führte der Fastenprediger aus, Glaube habe viel mit Vertrauen zu tun und dieses wiederum könne durch das persönliche Gebet gestärkt werden: „Nur wenn ich in meinem Leben Gottes Nähe und Wirklichkeit erfahre, kann mein Vertrauen und mein Glaube immer mehr wachsen. Damit sich unser Glaube immer wieder erneuern kann und wir darin bestärkt werden, braucht es die Treue im Gebet.“

"Sehnsucht nach Ewigkeit"

Eucharistiefeier.
Eucharistiefeier.

Doch wir sollten uns nichts vormachen, so der Abt der Prämonstratenserabtei Windberg, der Glauben können verloren gehen, die gegenwärtige Gotteskrise sei unübersehbar. Dabei gerate selbstverständlich nicht Gott selbst in die Krise, sondern viele Menschen mit ihm: „Sie leben ein ausschließlich diesseitiges, materialistisch ausgerichtetes Leben. Sie fragen nicht mehr hinter die Dinge: nach ihrem Grund, nach einem Sinn, nach einem letzten Woher und Wohin. Sie leben auch ohne Gott ganz gut.“ Das aber sei ein Trugschluss, so Abt Hermann-Josef, denn jeder Mensch „hat in sich eine unbändige und unstillbare Sehnsucht nach Ewigkeit, nach dem unendlichen Glück, nach vollkommener Harmonie. Es muss mehr als alles geben!“

Gott der Ruhepol und die Kraft

Vor der Monstranz aus der Anbetungskapelle dankten die Gläubigen Papst Benedikt XVI. zum Ende seines Pontifikats.
Vor der Monstranz aus der Anbetungskapelle dankten die Gläubigen Papst Benedikt XVI. zum Ende seines Pontifikats.

Doch alles sei eben hier nicht zu haben, so der Prediger. Wer aber an Gott glaube, für den gebe es „mehr als nur diese Welt. Wer nicht an Gott glaubt muss sich mit dem Diesseits trösten“. Dann werde das Leben hektisch, angestrengt, überfordert und die Angst, zu kurz zu kommen und das leben zu verpassen, lasse wenig Lebensenergie übrig für andere. Abt Hermann-Josef appelliert: „Halten wir in uns die Sehnsucht nach dem Größeren, nach Gott, lebendig!“ Denn wer glaube, der lasse sich auch von der Glaubenskrise vieler Menschen nicht aus der Ruhe bringen: „Wer glaubt, der sieht das Wesentliche und versucht es immer neu zu ergründen und zu vertiefen.“ Dabei sei Gott der Ruhepol und die Kraft, die ihm die Angst nimmt: „Darum zittert nicht, wer glaubt.“

Nach diesen Worten, der gemeinsamen Messfeier und dem Dank an Papst Benedikt XVI. für sein Petrusamt in der Anbetung der Monstranz und dem feierlichen Geläut der Kirchenglocken um 20 Uhr gingen die vielen Gottesdienstbesucher gleichzeitig bewegt und nachdenklich nach Hause.

Text: Wolfgang Terhörst, Fotos: Roswitha Dorfner