Altöttinger Liebfrauenbote
Groß und Klein ließen vor dem Papstgeburtshaus in Marktl (rechts) 700 weiße und blaue Luftballons mit guten Wünschen für den emeritierten Pontifex in den Himmel steigen.
Groß und Klein ließen vor dem Papstgeburtshaus in Marktl (rechts) 700 weiße und blaue Luftballons mit guten Wünschen für den emeritierten Pontifex in den Himmel steigen.

Marktl feiert den Abschied von „seinem“ Papst mit Andacht und Würde

Freude, Dank und Wehmut

Für den Papstgeburts- und Taufort Marktl am Inn nahe Altötting endet mit dem Rücktritt Benedikt XVI. eine besondere Zeit. Schweren Herzens haben sich Markt- und Pfarrgemeinde mit Andacht und Würde von „ihrem“ Papst verabschiedet. Amtsträger wie einfache Bürger sprachen von der historischen Dimension, äußerten ihr Verständnis für den Amtsverzicht und wünschen Benedikt jetzt eine ruhigere und gute Zeit.

Pfr. Josef Kaiser.
Pfr. Josef Kaiser.

Zur Stunde der Abreise des scheidenden Pontifex aus dem Vatikan am Donnerstag, 28. Februar versammelten sich rund 70 Gläubige zu einem leisen Abschied mit Wehmut und andächtiger Stille im Geburtszimmer des Papsthauses am Marktplatz. Danach reihten sie sich zu einer kurzen Andacht in der Pfarrkirche um den berühmten Taufstein, wo Joseph Ratzinger in der Osternacht 1927 getauft worden war.

Am Sonntag, 3. März zogen dann zahlreiche Menschen und Fahnenabordnungen vom Papstgeburtshaus zum Gottesdienst mit Dankesaktionen in der überfüllten Pfarrkirche. Der Leiter des Papstgeburtshauses, Ludwig Raischl, und der Marktler Ortspfarrer, BGR Josef Kaiser würdigten die Persönlichkeit und das Pontifikat des ausgeschiedenen Papstes, bezeichneten ihn als „Stern, der uns Orientierung gegeben hat in einer unübersichtlichen Welt“, erinnerten an ergreifende Ereignisse und Momente und sprachen ihm den Respekt und die Hochachtung für die mutige Entscheidung aus. Die Erstkommunionkinder drückten ihr Danke in Großbuchstaben aus und besteckten den aus Buchs gebundenen Schriftzug am Taufstein mit weißen Rosen.

Traditionelle Festwoche zum Geburts- und Tauftag Joseph Ratzingers bleibt bestehen

Ein „Danke“ aus Rosen zierte den „Papst-Taufstein“.
Ein „Danke“ aus Rosen zierte den „Papst-Taufstein“.

Danach verwandelte sich die wehmütige Stimmung in heitere Dankesfreude. Groß und Klein ließen vor dem Papsthaus 700 Luftballons in den bayerischen Farben Weiß und Blau als symbolischen Gruß nach Rom in den Himmel steigen und wollten damit auch ihre guten Wünsche für den emeritierten Papst zum Ausdruck bringen.

Kirche und Gemeinde können auf zuvor undenkbare Ereignisse zurückblicken, etwa die Partnerschaften mit den Papstgeburtsorten Wadowice in Polen und Sotto il Monte in Italien, große Gottesdienste mit Kardinälen und Bischöfen oder den Besuch dreier amtierender bayerischer Ministerpräsidenten und vieler anderer Würdenträger. Ein Lufthansajet und ein Regionalzug wurden auf den Namen Marktl getauft.

Inzwischen ist es zwar ruhiger geworden, die Gemeinde wird aber immer Papstgeburtsort bleiben. Rund um den Geburts- und Tauftag Joseph Ratzingers und den Papstwahltag ist bisher jedes Jahr Mitte April eine Festwoche veranstaltet worden, das soll sich auch heuer nicht ändern; wie die Festtage ablaufen, muss aber noch von den Offiziellen aus Kirche und Gemeinde geplant und organisiert werden.

Neue Akzente in der Begegnungsstätte

Bewegender Dankgottesdienst in der Marktler Pfarrkirche.
Bewegender Dankgottesdienst in der Marktler Pfarrkirche.

Nach dem Amtsverzicht von Benedikt XVI. will der theologische Leiter des Papstgeburtshauses, Ludwig Raischl, neue Akzente in der Begegnungsstätte setzen. Raischl sagte, bislang stehe, ausgehend von Benedikts Geburtszimmer, die Frage nach den eigenen Wurzeln im Mittelpunkt. Künftig werde verstärkt eine zweite religiöse Frage hinzukommen: „Wohin geht’s mit uns Menschen? Wohin gehen wir?“ Raischl zufolge wird derzeit die einführende Multimediaschau überarbeitet. Bis das Haus im Frühjahr wieder regulär öffnet, soll die Schau aktualisiert sein und auch den Amtsverzicht des Papstes berücksichtigen. Weitere Veränderungen in der Dauerausstellung sind laut Raischl bisher nicht geplant. Die neuen Akzente sollen vielmehr über Sonderausstellungen gesetzt werden.

Text und Fotos: Monika Kleiner