Altöttinger Liebfrauenbote

Provinzkapitel der Deutschen Kapuziner in Kloster Reute

Br. Marinus neuer Provinzial

Die Deutsche Kapuzinerprovinz hat vom 9. bis 14. Juni 2013 ihr erstes ordentliches Provinzkapitel gehalten. Die Provinz war 2010 hervorgegangen aus Vereinigung der Rheinisch-Westfälischen und der Bayerischen Kapuzinerprovinz. Am 12. Juni 2013 bestimmten die 82 Brüder im Kloster Reute/Bad Waldsee Br. Marinus Parzinger (50) zum ersten gewählten Provinzialminister. Er folgt in diesem Amt Br. Christophorus Goedereis (48), der zur Gründung der gemeinsamen Provinz 2010 dazu bestimmt worden war.

Die neue Provinzleitung der Deutschen Kapuziner: Br. Marinus Parzinger (Provinzialminister), Br. Bernd Kober (Provinzvikar), Br. Bernd Beermann (Definitor), Br. Laurentius Wenk (Definitor) und Br. Jose Vetikatte (Definitor).
Die neue Provinzleitung der Deutschen Kapuziner: Br. Marinus Parzinger (Provinzialminister, Mitte), Br. Bernd Kober (Provinzvikar, 2.v.l.), Br. Bernd Beermann (Definitor, l.), Br. Laurentius Wenk (Definitor, 2.v.r.) und Br. Jose Vetikatte (Definitor, r.).

Br. Marinus Parzinger war Pfarrer der Pfarrgemeinde St. Joseph/München, aus der sich die Kapuziner im Sommer diesen Jahres verabschieden werden. Auch Altötting kennt er gut aus seinen vielen Ämtern am Gnadenort, unter anderem als Guardian, Vikar, Wallfahrtskustos, MC-Präses sowie als "Botenpfarrer" und geistlicher Begleiter des Altöttinger Liebfrauenboten.

Zu seinem Stellvertreter und Provinzvikar wurde am 12. Juni 2013 Br. Bernd Kober (41), Noviziatsleiter in Salzburg, gewählt. Weitere Brüder in der neuen Provinzleitung, dem sogenannte Definitorium, sind Br. Dr. Bernd Beermann (45), Ökonom im Kapuzinerkloster Münster/W., Br. Jose Vetikatte (51), Seelsorger in Ingolstadt und Br. Laurentius Wenk (54), der das Kloster zum Mitleben in Stühlingen leitet.

Zugänglich sein

Zentrales Thema der Brüderversammlung war das Ringen um eine zeitgemäße Form, die franziskanischen Ideale von Brüderlichkeit, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung zu leben. Im Zentrum der Überlegungen geriet immer wieder die Herausforderung, wie mit zunehmendem Durchschnittsalter der Brüder eine zeitgemäße Kultur der Kommunikation und des Lebensstils gefunden werden kann, die Ausdruck der Hoffnung auf die Gegenwart Gottes mitten in der Lebenswirklichkeit von Orden, Kirche und Welt ist. Dabei stellten die Brüder vor allem heraus, dass sie sich des Auftrags bewusst sind, zugänglich zu bleiben oder gar neu zu werden für die Armen der Gesellschaft, für die Geringgeachteten und für die nach Gott und den Sinn ihres Lebens suchenden Mitmenschen.

Die Berufung, allen Menschen ansprechbare Brüder zu sein, führt dazu, dass sich die Brüder mit großer Mehrheit entschlossen, trotz angespannter Personaldecke das Kloster zum Mitleben in Stühlingen (www.kloster-stuehlingen.de) weiter offen zu halten für die jährlich bis zu 800 Gäste aus allen Weltanschauungen und Religionen. Gleichzeitig gaben sie der neugewählten Provinzleitung den Weg frei, nach klugem Ermessen und je nach Notwendigkeit andere Niederlassungen dafür (und für andere vor allem personelle Dringlichkeiten) zu schließen.

Offen bleiben

Ein weiteres Thema: Nach der eindringlichen Beschäftigung mit den Ergebnissen derer, die den sexuellen Missbrauch von Kapuzinern an deren Schutzbefohlenen untersucht hatten, auf dem Sachkapitel der Provinz vor einem Jahr, stimmten die Brüder für ein Regelwerk, mit dem sie sich verpflichten, jeden Verdacht offen und transparent zur Anzeige zu bringen und zu verfolgen.

Die Anwesenheit des Generalministers der Kapuziner, Br. Mauro Jöhri (62) weitete für die Brüder immer neu den Blick auf die Entwicklung des Gesamtordens. Mit großer Freude nahm das Kapitel zur Kenntnis, dass mit Br. Jose Vetikatte ein Bruder aus der indischen Provinz St. Joseph, Kerala, der schon lange mit den Kapuzinern in Deutschland lebt, in die Provinzleitung gewählt wurde. Sie werteten es als wichtiges Signal an die anwesenden beiden Provinzialminister aus Südindien, und unterstrichen ihren Willen zur Zusammenarbeit mit einem eindeutigen Beschluss, den vorhandenen Vertrag fortzusetzen und die Niederlassung der Kapuziner in Ingolstadt für das Mitleben weiterer Brüder aus Indien zu öffnen.

Freude leben

Aufgrund der guten Vorarbeit des aus dem Amt geschiedenen Provinzials, Br. Christophorus Goedereis und seiner Provinzleitung, herrschte während der gesamten Woche eine entspannte Atmosphäre, auch dann, wenn es thematisch kontrovers wurde. Aus den Erfahrungen dieser Versammlung, die allen Brüdern offenstand, stimmten die Brüder fast einstimmig dafür, dass auch künftige Kapitel nicht mehr, wie es früher üblich war, Delegiertenkapitel sind, an der nur gewählte Vertreter der Brüder teilnehmen. "Vergesst die Freude nicht", rief Br. Mauro Jöhri zum Ende den Kapitualen zu und verwies auf die Geschichte des hl. Franziskus, der vollkommende Freude da empfand, wo ihm die erwartete Brüderlichkeit und Sicherheit nicht gewährt wurde und er dennoch im Frieden mit der Hoffnung, die Gott selber in seinem Herzen war.

"Erst beten, dann reden"

Bevor er sich konkret zu seinen Zielen, Vorstellungen und etwaigen Personalentscheidungen äußere, wolle er zunächst einmal "denken und beten, dann reden", so Br. Marinus gegenüber dem Liebfrauenboten – "damit ich nichts ins Blaue sage". Verständlich und sympathisch.

Text: Br. Paulus Terwitte OFMCap / red, Foto: Deutsche Kapuzinerprovinz