Altöttinger Liebfrauenbote

Um die Sonnenwende gedenken Christen des heiligen Johannes

Täufer statt Sonnengott

Ende Juni ist es so lange hell, sind die Nächte so kurz wie sonst nie im Jahr. Am 21. Juni erfolgt die Sommersonnenwende, drei Tage später ist der Johannistag, an dem Christen der Geburt Johannes des Täufers gedenken. An ihn wird an einem der hellsten Tage des Jahres erinnert. Das Fest selbst ist uralt: Doch während in heidnischen Zeiten der Sonnengott verehrt wurde, setzte sich schließlich im Mittelalter eine "Geburtstagsfeier" für Johannes den Täufer durch.

Darstellung von Johannes dem Täufer am Taufstein der Pfarrkirche St. Martin in Heimertingen.
Darstellung von Johannes dem Täufer am Taufstein der Pfarrkirche St. Martin in Heimertingen.

Johannes der Täufer, Sohn des jüdischen Priesters Zacharias und dessen Frau Elisabeth, lebte als Eremit in der Wüste und taufte Jesus Christus im Jordan. Er starb als Märtyrer unter Herodes Antipas und wurde zum Schutzpatron unzähliger Gotteshäuser, des Viehs sowie der Hirten, Schneider und Maurer und ist als Taufname weit verbreitet.

Bereits zu Beginn des 6. Jahrhunderts wird sein Fest unmittelbar nach den Festen des Herrn erwähnt. Die christliche Kirche ersetzte die Huldigung des Sonnengottes schon frühzeitig durch eine Feier des Geburtsfestes von Johannes, dessen Name "Gott ist gnädig" bedeutet. Die Verknüpfung der ursprünglich "heidnischen Sonnenwendfeier" im Juni mit dem Christentum machte auch die Bezeichnung "Sommerweihnachten" populär. Der Geburtstag des hl. Johannes am 24. Juni datiert genau auf den Tag sechs Monate vor Christi Geburt.

Johanniswasser und Johannisschüsseln

Eine Johannesschüssel im Heimatmusem Hergensweiler – diese wurden früher auf dem Kopf um den Altar von Johanneskirchen getragen, um etwa vor Kopfweh zu schützen oder Frauen fruchtbar zu machen.
Eine Johannesschüssel im Heimatmusem Hergensweiler – diese wurden früher auf dem Kopf um den Altar von Johanneskirchen getragen, um etwa vor Kopfweh zu schützen oder Frauen fruchtbar zu machen.

Und so verbanden sich volkskundliches Brauchtum und religiöse Ursprünge im Mittelalter nachweislich zum Johannisfest. Etwa das Bad im Johanniswasser sollte von Sünden befreien, Körper und Seele "reinigen" und an die Taufe erinnern. Einen aus Holz geschnitzten kleinen Johanniskopf trug man damals als Schutz vor dem Ertrinken bei sich. "Johannisschüsseln" mit dem darin abgebildeten Haupt des Schutzpatrons hatten einst im religiösen Leben eine besondere Bedeutung. Zu Mittsommer auf dem Kopf getragen, sollten sie Kranke von Schmerzen befreien.

Der Wurzelstock des Knabenkrautes wurde zum angeblichen Glücksbringer, wenn seine Gestalt der Hand des Johannes ähnelte. Beifuß, Eisenkraut und Johanniskraut legte man zu einem Bündel zusammen, um dem "Wegbereiter Jesu" eine angenehme Lagerstatt zu bereiten. Brauch war es früher, im Juni reifende, blutrote Früchte, wie Himbeeren oder Johannisbeeren oder das Johannisbrot im Gotteshaus segnen zu lassen, denn sie galten im Volksglauben wegen ihrer Bezeichnung als bevorzugte Speisen des Schutzpatrons.

Die gelbe "Zauberblume"

Johanniskraut ist eine typische Mitsommerpflanze.
Johanniskraut ist eine typische Mitsommerpflanze.

Manche Geschichte rankt sich im Volksglauben noch heute um das im Mittsommer in voller gelber Blüte stehende, mit der Kraft der Sonne verbundene Johanniskraut. Stängel samt Blättern und Blüten kreuzweise gebunden und im Dachgebälk verankert, vermochten in der Volksmeinung Gewittergüsse und Blitzschlag zu verhindern. Als beliebte Räucherpflanze sollten in früheren Zeiten die aufsteigenden Dampfschwaden von der Pest heilen, Hexen vertreiben und insbesondere teuflische Anfechtungen und damit das Böse verhindern.

Dieses auch "Christi Wundenkraut" genannte, im Juni überall an Wegen und Wiesenrändern anzutreffende, auffällige Gewächs scheidet aus Öldrüsen in den durchscheinenden Blättern den roten Farbstoff Hypericin aus. Deshalb schrieb man dem Johanniskraut blutbildende, Energie spendende Eigenschaften zu.

"Leuchte der Menschheit"

Kinder am Johannisfeuer.
Kinder am Johannisfeuer.

In der Volksheilkunde wurde dieses "Heiligenblut" als Mittel zur Wundheilung verwendet. Verschiedentlich pflegt man noch immer den alten Brauch, den Tieren im Stall Johanniskraut unters Futter zu mischen, um Pferde, Rinder und Schweine vor Krankheiten zu schützen. Die gelbe "Zauberblume" war auch als Orakelpflanze bei Mädchen im heiratsfähigen Alter beliebt. Sie sammelten am Morgen des Johannistages heimlich Blütenknospen und verbargen diese in einem weißen Tüchlein. Während des Johannisfeuers schauten die Verliebten erwartungsvoll nach, ob der ausgetretene Pflanzensaft Spuren hinterlassen hatte. "Kommt rotes Blut, so ist die Liebe gut", konnte die Braut dann häufig erfreut ihrem Angebeteten verkünden.

Weil die Christen den hl. Johannes schon immer als "Leuchte der Menschheit" verehrten, ist der Heilige fest im religiösen Leben der Katholiken verankert.

Text: Karl-Heinz Wiedner, Fotos: Mechthild Wiedner