Altöttinger Liebfrauenbote

Jahresversammlung des Wallfahrts- und Verkehrsvereins Altötting

"Wir stemmen die Wallfahrt"

Die Jahresversammlung des Wallfahrts- und Verkehrsvereins Altötting am Dienstagabend, 4. Juni, war von Herausforderungen, aber auch von Zuversicht geprägt.

Administrator Prälat Ludwig Limbrunner berichtet als Vorstandsvorsitzender des Wallfahrts- und Verkehrsvereins Altötting über den Informationsbesuch im Marienwallfahrtsort Kevelaer (NRW). Im Vordergrund Schatzmeisterin Christine Jehle.
Administrator Prälat Ludwig Limbrunner berichtet als Vorstandsvorsitzender des Wallfahrts- und Verkehrsvereins Altötting über den Informationsbesuch im Marienwallfahrtsort Kevelaer (NRW). Im Vordergrund Schatzmeisterin Christine Jehle.

Zunächst schilderte der Vorstandsvorsitzende, Administrator Prälat Ludwig Limbrunner in seiner Begrüßungsansprache den zurückliegenden Informationsbesuch im nordrhein-westfälischen Marienwallfahrtsort Kevelaer. Dort gebe es mit dem Rückgang der klassischen Wallfahrt ähnliche Probleme. Gleichwohl sei in Kevelaer der Zusammenhalt zwischen Laien – etwa Bruderschaften – und Geistlichkeit beeindruckend. Auch die Einkaufsmöglichkeiten seien ausgezeichnet, so Prälat Limbrunner. Allerdings betont der Administrator der Heiligen Kapelle, dass sich Altötting in Bezug auf das geistliche Angebot nicht zu verstecken brauche. Am Gnadenort gebe es zum Beispiel sonntags 25 heilige Messen, in Kevelaer "nur" zehn (bei vergleichbaren Pilgerzahlen). Auch gebe es in Kevelaer keine Einholungen der Fußpilger durch Geistliche. Davon können sich die Verantwortlichen aus Nordrhein-Westfalen beim Gegenbesuch in Altötting vom 4. bis 6. Dezember 2013 selbst ein Bild machen.

Besser auf "spirituelle Individualpilger" einstellen

Nach Prälat Limbrunner ergriff 1. Vorstand Gabriele Tandler das Wort und brach eine Lanze für die heimische Gastronomie, die sich oft mit Vorwürfen der Pilger konfrontiert sehe, dass die Altöttinger Preise zu hoch seien. Viele kämen allerdings mit Erfahrungen aus ihren preiswerteren Heimatgemeinden an den Gnadenort -die örtlichen Gastronomen müssten aber saisonale Schwankungen abfangen und sehen sich außerdem mit hohen Kosten etwa durch Brandschutzauflagen konfrontiert. Auch werde die Verweildauer der Wallfahrer immer kürzer, während die Ansprüche zugleich stiegen. Übergreifend müsse man sich in Zukunft besser auf "spirituelle Individualpilger" einstellen, ist Tandler überzeugt.

Erster Bürgermeister Herbert Hofauer nutzte das Forum, um eine Lanze für das durch die Diözesancaritas in Passau in Zweifel gestellte Altöttinger Caritashaus St. Elisabeth zu brechen: "Wir werden diese Einrichtung nicht einfach untergehen lassen!" Eine Einrichtung für behinderte Menschen sei gerade am Wallfahrtsort – Hofauer erinnerte dabei an den 21. Weltkrankentag in Altötting am 11. Februar dieses Jahres – am Wallfahrtsort Altötting unerlässlich.

Zuversicht bei Kapuzinern

Anschließend berichtete Herbert Bauer über die Aktivitäten des Wallfahrts- und Verkehrsbüros im zurückliegenden Jahr – zum letzten Mal allerdings, denn nach 25 Jahren tritt er Ende Juni in den Ruhestand. Bauer zeichnete ein insgesamt zufriedenstellendes Bild. Beispielsweise habe der gewünschte langjährige Mittelwert von 100.000 Übernachtungen fast gehalten werden können, obwohl das große Sommerforum der Gemeinschaft Emmanuel in 2012 ausnahmsweise nicht stattgefunden habe. Der langjährige Direktor des Wallfahrts- und Verkehrsbüros sieht sein Haus gut bestellt für die nachfolgende "Frauschaft", angeführt von seiner bisherigen Stellvertreterin Ulrike Kirnich. Bauer wurde von Administrator Limbrunner und Gabriele Tandler mit großem Dank für das Geleistete bedacht. Es sei schlicht "unvorstellbar, dass so ein junger Mann in den Ruhestand gehe", brachte Tandler humorvoll die Stimmung unter den etwa 25 anwesenden Vereinsmitgliedern auf den Punkt.

Wallfahrtskustos P. Andreas Kaiser blieb das Schlusswort vorbehalten. Er deutete an, dass das in Kürze tagende Provinzkapitel der Kapuziner einen neuen Kustos bestimmen werde, da er das Amt nach dem Tod von P. Werner Labus im September vergangenen Jahres nur kommissarisch übernommen habe. Das hinderte P. Andreas aber nicht daran, ganz energisch immer wieder auftauchenden Gerüchten, die Kapuziner seien personell nicht mehr in der Lage, die ihnen anvertraute Wallfahrtsseelsorge zu stemmen, entgegenzutreten. Man habe im Orden vielmehr eine Arbeitsgemeinschaft (AG) "Zukunft Altötting" gegründet, um mit allen Kräften auf die Herausforderungen einer sich wandelnden Wallfahrt reagieren zu können. "Wir Kapuziner sind weiter in der Lage die Wallfahrt zu stemmen!" Mit diesen zuversichtlichen Worten schloss P. Andreas unter dem Applaus der Teilnehmer die Versammlung.

Text und Foto: Wolfgang Terhörst