Altöttinger Liebfrauenbote
Bischof Rudolf Voderholzer wird von den Wallfahrtsteilnehmern mit Applaus begrüßt.
Bischof Rudolf Voderholzer wird von den Wallfahrtsteilnehmern mit Applaus begrüßt.

Über 8.000 Pilger bei Regensburger Fußwallfahrt – Premiere für Bischof Rudolf Voderholzer

Brücken bauen

Über 8.000 Regensburger Pilger sind am Pfingstsamstag nach drei Tagen und 111 Kilometer Fußmarsch in Altötting angekommen. Premiere für Bischof Rudolf Voderholzer: Zum ersten Mal nahm er an der Wallfahrt teil. In seiner Predigt im Kirchenzelt neben der St. Anna-Basilika rief er dazu auf, Brücken zu bauen statt Mauern zu errichten. Außerdem lud er zum Katholikentag 2014 in Regensburg ein.

Pilgerleiter Bernhard Meiler begrüßt die Wallfahrtsteilnehmer, daneben Wallfahrtskustos, Kapuzinerpater Br. Andreas Kaiser.
Pilgerleiter Bernhard Meiler begrüßt die Wallfahrtsteilnehmer, daneben Wallfahrtskustos, Kapuzinerpater Br. Andreas Kaiser.

Willkommen daheim in Altötting", begrüßte Wallfahrtskustos Br. Andreas Kaiser die Regensburger Pilger. Zwar konnten sie nicht in "ihr" Gotteshaus einziehen – die St. Anna-Basilika ist derzeit wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. Doch bei herrlichem Pilgerwetter fanden sie genug Platz im Kirchenzelt und auf der Wiese im Klostergarten von St. Konrad. Ausdrücklich dankte Br. Andreas für das "gewaltige Glaubenszeugnis".

Gewaltig vor allem in der Zahl: Von 8-9.000 Teilnehmern sprach Pilgerleiter Bernhard Meiler – sie umrundeten beim Einzug die Gnadenkapelle, wo Kapelladministrator Prälat Ludwig Limbrunner den Segen mit dem Gnadenbild spendete. Gewaltig sind aber auch die Anstrengungen des dreitägigen Fußmarsches – ganz ohne die üblichen Blessuren wie Blasen an den Füßen ging auch diese Wallfahrt nicht vonstatten. Insgesamt ist aber alles wieder "unfallfrei" verlaufen, wie Meiler betonte; ausdrücklich dankte er dafür, dass "alle gesund angekommen sind". Gewaltig ist nicht zuletzt auch der organisatorische Aufwand. Über 25.000 Tassen Tee habe das Bayerische Rote Kreuz (BRK) an den drei Tagen ausgegeben, erzählte Meiler. Er dankte nicht nur den Wallfahrern, sondern auch den vielen Helfern, wie u.a. Polizei, Feuerwehr, BRK, Begleitfahrzeugführer – insgesamt waren 60 Begleitfahrzeuge im Einsatz, Ordnern, Lautsprecherträgern, Vorbetern, Sendeträgern und Kapuzinern.

"Selig die geglaubt hat, dass sich erfüllt..."

Kapelladministrator Prälat Ludwig Limbrunner hielt zur Begrüßung der Pilger das Gnadenbild.
Kapelladministrator Prälat Ludwig Limbrunner hielt zur Begrüßung der Pilger das Gnadenbild.

"Pilger so weit mein Auge reicht", machte Bischof Voderholzer aus. Ein Teilstück war er mit den Wallfahrern mitmarschiert, in Altötting begrüßte er sie an der Gnadenkapelle, wo er den Segen spendete und schließlich im Kirchenzelt, wo er mit ihnen eine hl. Messe feierte. "Ich freue mich sehr, dass ich zum ersten Mal als Bischof in Altötting sein darf – noch dazu mit euch", sagte er eingangs seiner Predigt und erntete lauten Applaus.

Seine Predigt lehnte er an das Motto des Katholikentages an, der 2014 in Regensburg stattfinden wird – "Mit Christus Brücken bauen". Eine Brücke sei auch in seinem Bischofswappen abgebildet, erzählte Voderholzer – und dies nicht ohne Grund: "Die Brücke ist eine segensreiche Erfindung der menschlichen Architektur." Sie führe Menschen zueinander und "hätten Menschen mehr Brücken als Mauern gebaut, es wäre sehr viel friedlicher zugegangen". "Es gibt auch Brücken aus Fleisch und Blut", betonte der Bischof. "Jesus Christus ist die Brücke zwischen Gott und Menschen, zwischen Himmel und Erde." Jesus habe als Mensch gewirkt mit seinem Tod Sünde und Schuld überbrückt – sein "gesamtes irdisches Wirken stand im Geist des Brückenbauens". Nicht nur Jesus, sondern auch seine Mutter Maria sei am "Brückenschlag zwischen Himmel und Erde beteiligt" – "Das Ja-Wort Mariens, ihr Glaube, ihr für Gottes Wort und Wille offenes Ohr und ihr offenes Herz haben den Brückenschlag der Menschwerdung Gottes erst möglich gemacht." "Selig die geglaubt hat, dass sich erfüllt...", zitierte er das Motto der Wallfahrt und rief die Gläubigen dazu auf, Brücken zu bauen – "Brücken in die Zukunft": Ausdrücklich betonte Voderholzer: "Wir sind für die Kultur des Lebens und wir haben ein Verständnis von Ehe und Familie, das unsere Gesellschaft erst zukunftsfähig macht – all das dürfen wir mit frohem Mut und Glaubensbewusstsein vertreten."
Zahlreiche Pilger verweilten auch nach der hl. Messe am Gnadenort, ruhten sich auf dem Kapellplatz aus und nahmen am Abend an der Lichterprozession auf dem Kapellplatz teil.

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

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