Altöttinger Liebfrauenbote
Wallfahrer blicken auf die Basilika "Mariä Geburt" in Mariazell. Foto: Weinfranz.at

Neuer Pilgerweg "Via Maria" verbindet Altötting und Mariazell – Wege zu Fuß, mit dem Rad, mit der Bahn und mit dem Auto/Motorrad

Von der Schwarzen Madonna zur Magna Mater Austriae

Schon seit langem besteht eine Verbindung zwischen zwei der berühmtesten Marienwallfahrtsorte in Europa und die Zusammenarbeit zwischen Altötting und Mariazell hat sich in den vergangenen Jahren intensiviert. Ein Beleg dafür ist der neue Pilgerweg "Via Maria", den beide Orte erst Ende Juni im Rahmen einer Ausstellung vorstellten. Eine "Pilgerwanderung durch abwechslungsreiche Natur- und Kulturlandschaften" versprechen die Verantwortlichen den Fußpilgern. Extra Routen gibt es aber auch für Radler, Bahn- sowie Auto- oder Motorradpilger.

Die "Magna Mater Austriae", eine kleine hölzerne Marienstatue aus dem 13. Jahrhundert in der Basilika Mariä Geburt in Mariazell.
Die "Magna Mater Austriae", eine kleine hölzerne Marienstatue aus dem 13. Jahrhundert in der Basilika Mariä Geburt in Mariazell. Foto: Mariazell

Maria muss ja nicht gleich einen Felsen spalten, aber ein klein wenig Kraft und Hilfe auf dem Weg kann der "Via Maria"-Pilger schon brauchen – rund 400 Kilometer in 16 Tagesetappen, teils über alpines Gelände, sieht die Routenführung vor. Dies erfordert eine gute Vorbereitung, doch die ist es wert: Immerhin erwarten den Fußpilger "faszinierende Landschaften, die wundervolle Aus- und Einblicke bieten - von den sanften Hügeln des Alpenvorlandes über urwüchsige Naturlandschaften bis hin zur alpinen Bergwelt", informiert die Broschüre "Via Maria – Bayerisch-österreichischer Marienweg von Altötting nach Mariazell", herausgegeben vom Wallfahrts- und Verkehrsbüro Altötting (WVB) und dem Tourismusverband Mariazeller Land (TVB). Doch das Naturerlebnis ist nur ein Aspekt auf einer spirituellen Reise der besonderen Art. Immerhin verbindet der neue Weg zwei berühmte Gnadenbilder: Die "Schwarze Madonna", Unsere Liebe Frau von Altötting und die "Magna Mater Austriae", die kleine hölzerne Marienstatue aus dem 13. Jahrhundert in der Basilika Mariä Geburt in Mariazell. Der Mönch Magnus brachte sie einst hierher und errichtete ihr eine kleine Holzkapelle – aus Dankbarkeit, weil die Muttergottes seine Gebete erhört hatte und einen Felsen spaltete, der ihm den Weg versperrt hatte.

Gelebte Volksfrömmigkeit

Die "Schwarze Madonna", Gnadenbild in Altötting.
Die "Schwarze Madonna", Gnadenbild in Altötting. Foto: Roswitha Dorfner

Von vielen Wundern wurde in den vergangenen Jahrhunderten berichtet, noch immer bringen dankbare Pilger Votivbilder. Gelebte Volksfrömmigkeit zeigt sich hier wie dort. So gesehen, sind sich die beiden Orte sehr nahe und sehr naheliegend ist auch die Idee, sie durch einen Pilgerweg zu verbinden.

Auf Hans Kleinhofer, Leiter des TVB, und Herbert Bauer, ehemaliger Leiter des WVB, geht die Initiative für das Projekt zurück. Die Zusammenarbeit von Altötting und Mariazell existiert schon seit mehreren Jahren. Ulrike Kirnich, seit Juli diesen Jahres Leiterin des WVB, informiert: "Im Rahmen der 'Shrines of Europe'-Kooperation ergab sich eine Intensivierung in der Zusammenarbeit zwischen Altötting und Mariazell." Die "Shrines of Europe" sind ein Zusammenschluss sechs der bedeutendsten Marienwallfahrtsorte Europas: Altötting, Fátima, Loreto, Lourdes, Mariazell, Tschenstochau. Der oberbayerische und der obersteirische Wallfahrtsort konnten bereits auf bestehende Wege aufbauen. Kirnich informiert: "Da von Salzburg nach Mariazell ohnehin schon der Salzburger Mariazeller Weg besteht und es von Altötting nach Salzburg den St. Rupert-Pilgerweg gibt, dachte man daran, eine Verbindung herzustellen." Zur Routenführung fügt sie hinzu: "Wem die Variante über den Waginger See allerdings zu lang ist, dem wollen wir den direkten Weg am Tauernradweg entlang von Salzburg nach Tittmoning vorschlagen."

Viele Höhepunkte

Lang mag er ja sein, dafür liegen viele besondere Orte auf dem Weg, historisch und kulturell bedeutsame Orte, aber vor allem solche, wo Pilger Ruhe finden, sich auf das Wesentliche konzentrieren und Kraft schöpfen können. Da ist zum einen die "bescheidene, bewusst schlicht gehaltene" Stille Nacht Kapelle in Oberndorf oder zum anderen der Salzburger Dom, ein "eindrucksvoller Monumentalbau des Frühbarocks diesseits der Alpen". Die der Heiligen Dreifaltigkeit geweihte Wallfahrtsbasilika Sonntagberg liegt auf dem Weg, ebenso wie das Benediktinerstift Seitenstetten, ein "Vierkanthof, wo Bauern und Mönche beten und arbeiten". Einer "der bedeutendsten Pilgerorte des christlichen Abendlandes" ist zweifellos St. Wolfgang und wer von Benediktinern erfahren möchte, wieso "die Vielfalt von Menschen und Völkern nicht Hindernis, sondern Chance für ein erfülltes Leben ist", der ist im Europakloster Gut Aich an der richtigen Stelle.

Die "Buntheit europäischen Lebens" findet sich in Altötting wie in Mariazell: "Europäische Geschichte verdichtet sich hier (Mariazell) unter dem Vorzeichen der Gemeinsamkeit im christlichen Glauben, dessen Höhepunkt die 'Wallfahrt der Völker' des Mitteleuropäischen Katholikentags im Mai 2004 war", fassen WVB und TVB zusammen. Altötting z.B. wird heuer im September für seinen Einsatz für die europäische Einheit der Europa-Preis 2013 verliehen. Es ist dies die höchste Auszeichung, die der Europarat an Kommunen vergibt.

Menschen zusammenzuführen ist zentrales Anliegen des christlichen Glaubens. Und wo könnte man dies besser erfahren, als auf einer "Via Maria"? – Auf einem Weg, der jener Frau gewidmet ist, die den Weg zu Jesus weist.

Text: Michael Glaß

Infos zu Routen mit Bahn, Rad, Auto/Motorrad oder zu Fuß finden Sie hier.

Einen Routenplan (inkl. PDF zum Download) finden Sie hier.

Eine Beschreibung der Via Maria (inkl. PDF zum Download) finden Sie hier.

Nähere Informationen und Info-Material erhalten Sie bei:

Pilgern mit dem Bus

Das Wallfahrts- und Verkehrsbüro Altötting und der Tourismusverband Mariazeller Land bieten auch einen Vorschlag für ein "5-Tages-Programm" für Buspilger an. Tag 1: Altötting; Tag 2: Altötting, Frauen-/Herrenchiemsee, Kloster Seeon, Altötting; Tag 3: Altötting, Marktl, Burghausen, Salzburg, St. Wolfgang; Tag 4: St. Wolfgang, Hallstatt, Bad Aussee, Admont, Gesäuse, Mariazell; Tag 5: Mariazell.

Impressionen

(Zum Vergrößern auf ein Bild klicken)

Blick auf den Altöttinger Kapellplatz mit der Gnadenkapelle. Foto: Roswitha Dorfner
Die Burg in Tittmoning. Foto: Tourist-Info Tittmoning
Blick auf St. Gilgen am Wolfgangsee. Foto: WTG
Blick auf die Basilika in Mariazell. Foto: Mariazell
Die Zusammenarbeit zwischen Altötting und Mariazell funktioniert, dies zeigte sich auch heuer beim Altöttinger Klostermarkt. Im unteren Bild (v.l.): Bernhard Schwischei, Vorsitzender des TVB, Herbert Hofauer, Bürgermeister Altötting, Ulrike Kirnich, neue Leiterin des WVB, Josef Kuss, Bürgermeister Mariazell, Herbert Bauer, ehemaliger Leiter WVB, Johann Kleinhofer, Geschäftsführer des TVB, Gerhard Hofbauer, Leiter des Familienreferats der Diözese Graz-Seckau. Foto: Wallfahrts- und Verkehrsbüro Altötting