Altöttinger Liebfrauenbote

Sudetendeutsche Wallfahrt nach Altötting

Über die "wahre Heimat"

Etwa 500 Sudetendeutsche Pilger haben am 7. Juli im Basilika-Kir-chenzelt in Altötting eine Festmesse gefeiert. Der Edlinger Pfr. Msgr. Karl Wuchterl erinnerte in seiner Predigt, dass Heimat mehr ist als Land und Besitz und erklärte, warum sich Sudetendeutsche gerade auf Wallfahrten ein bisschen wie zuhause fühlen.

Eine lange Tradition ist die alljährliche Wallfahrt der Sudetendeutschen. – Einzug über den Kapellplatz.
Eine lange Tradition ist die alljährliche Wallfahrt der Sudetendeutschen. – Einzug über den Kapellplatz.

Ein Gotteshaus stand den Pilgern aufgrund der Generalsanierung der St. Anna-Basilika heuer leider nicht zur Verfügung, doch sie nahmen gerne auch das Kirchenzelt an. Ilse Estermaier, die Vorsitzende der Ackermann-Gemeinde in der Diözese Passau, begrüßte die Wallfahrtsteilnehmer und griff die Symbolik eines Kirchenzelts auf: Immer wieder müssten Menschen ihre "Zelte abbrechen und wieder aufbauen", dies wüssten gerade auch die Heimatvertriebenen aus dem Sudetenland, sagte sie.

Als eine "große Leistung" würdigte Msgr. Wuchterl den Wiederaufbau Deutschlands nach dem II. Weltkrieg – ein Aufbau, an dem auch die Vertriebenen ihren Anteil hatten. Viel schwerer als an Zerstörungen und am Verlust ihres Heimatlandes hätten die Sudetendeutschen jedoch am Verlust der Beziehungen zu Verwandten, Freunden und Nachbarn zu leiden gehabt. Erst dadurch seien die Vertriebenen "richtig heimatlos geworden". Es begann schließlich "das große Suchen", wie Msgr. Wuchterl erzählte – "das zerrissene Beziehungsgeflecht" wurde "neu geknüpft und wiederbelebt". "Die vielen Wallfahrten nach Altötting und an viele andere Orte waren jedes Mal ein Fest des Wiedersehens", erinnerte der Prediger. Hier habe es stets "Platz und Raum" gegeben, um "Maria und Gott das Herz auszuschütten", aber auch, um Dank zu sagen. Die "wahre Heimat" fänden die Menschen schließlich bei Gott: "Am Ende erwartet uns Christus und schenkt uns die Fülle des Lebens und des Glücks."

Solidarität mit Flüchtlingen weltweit

Heuer konzelebrierten (v.l.) P. Angelus Waldstein, Pfr. Msgr. Karl Wuchterl und Msgr. Johann Tasler.
Heuer konzelebrierten (v.l.) P. Angelus Waldstein, Pfr. Msgr. Karl Wuchterl und Msgr. Johann Tasler.

Ausdrücklich erinnerte Pfr. Wuchterl an "viele neue Vertriebene und Flüchtlinge" in heutiger Zeit und rief zu Solidarität auf. "Wir haben viel gearbeitet und geschuftet, aber das allein hätte nicht ausgereicht, wenn uns andere nicht auch unterstützt hätten", sagte er. "Wir haben die Verpflichtung den Vertriebenen und Flüchtlingen unserer Tage zu helfen."

Ein weiteres Thema sprach Pfr. Wuchterl an – den fehlenden Priesternachwuchs. Es sei richtig, um Priesterberufungen zu beten, sagte er. In Anlehnung an das Tagesevangelium von der "Aussendung der 72 Jünger" (Lk 10,1-24) wandte er aber ein: "Die 72 Jünger wurden ohne Weihe hinausgeschickt!" Es sei die Aufgabe aller Getauften, das Evangelium zu leben, hinauszugehen zu den Leuten von den Erfahrungen zu erzählen. Der Prediger erinnerte an den hl. Franz v. Assisi, der seinen Orden als Laie gegründet hatte und bis heute "eine große Herausforderung" für alle Gläubigen geblieben sei.

Nach einer Andacht mit P. Angelus Waldstein am Nachmittag, zogen die Pilger hinauf zur Gnadenkapelle, wo sie von Adminis-trator Prälat Ludwig Limbrunner herzlich in Empfang genommen wurden.

Impressionen

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