Altöttinger Liebfrauenbote

Passauer Neupriester feiern Nachprimiz in Altötting

"Seid ganz da!"

Es ist gute Tradition: Neupriester, die an St. Peter und Paul in Passau geweiht wurden, feiern eine Dankmesse am Gnadenort Unserer Lieben Frau. Am Abend des 4. Juli konzelebrierten Tobias Reiter und Michael Vogt in der Altöttinger Stiftspfarrkirche und spendeten ihren Primizsegen. Hauptzelebrant Regens Franz Haringer legte in seiner Predigt den beiden Neupriestern ans Herz, stets präsent zu sein.

Die beiden Neupriester Tobias Reiter (2.v.r.) und Michael Vogt (2.v.l.) mit Franz Haringer (M.), Regens des Passauer Priesterseminars St. Stephan, Subregens Hans Bauernfeind (r.) und P. Mirko Legawiec OSPPE vor der Gnadenkapelle.
Die beiden Neupriester Tobias Reiter (2.v.r.) und Michael Vogt (2.v.l.) mit Franz Haringer (M.), Regens des Passauer Priesterseminars St. Stephan, Subregens Hans Bauernfeind (r.) und P. Mirko Legawiec OSPPE vor der Gnadenkapelle.

Ein Aufruf, der selbstverständlich klingt, es aber lange nicht ist. Haringer berichtete von einem Ausflug zum ehemaligen "Todesstreifen" an der vormaligen Grenze zwischen DDR und BRD. Er schilderte seine Eindrücke von den 14 Kreuzwegstationen, die dort mittlerweile ein Künstler angefertigt hat, und erzählte dann von einem Priesterkollegen, der plötzlich sein Handy aus der Tasche zog, noch ehe er all die Eindrücke verarbeitet hatte. "Ich habe nur sofort ein paar Fotos gemacht und ins Internet gestellt, damit gleich die ganze Welt weiß, was ich gerade mache", zitierte Haringer die Begründung seines Kollegen und stellte fest: "Wie viel Energie verwenden wir darauf, immer ganz aktuell und 'up to date" zu sein!"

"Wo bin ich echt, wo bin ich ganz, wo bin ich ganz gegenwärtig und ganz präsent", fragte Haringer und betonte: "Wer nur dem Allerneuesten hinterherhetzt, wer seine Persönlichkeit nur nach dem ausrichtet, was andere von ihm wissen und denken, in dem wird kaum etwas wachsen und Wurzeln schlagen und heranreifen können." An die Neupriester gewandt sagte er: "Auch ihr kommt aus einer schnelllebigen, aus einer glitzernden Zeit, in der sich immer neue Bilder, Worte und Informationen nur so überschlagen. Weniger ist da manchmal mehr. Seid gegenwärtig, seid geistesgegenwärtig, seid präsent! Seid ganz präsent, seid ganz da! Dann, liebe Neupriester, werdet ihr den Menschen auch etwas von Gott vermitteln können. Von dem Gott, dessen kürzester Name schon im Alten Testament lautete: 'Ich bin der, der da ist.'"

Primizsegen in der Gnadenkapelle

Primizsegen in der Stiftspfarrkirche.
Primizsegen in der Stiftspfarrkirche.

Haringer verwies u.a. auf die Präsenz des Herrn während der Feier der Eucharistie: "Das ist ein ganz großes Zeichen dafür, dass der Herr selber da ist, dass er Zeit hat für uns, dass er ganz präsent und gesammelt ist, dass ihm nichts wichtiger ist als jeder einzelne Beter vor ihm." Schließlich erinnerte er: "Weil Maria ganz präsent war, kann sie den zur Welt bringen, der wiederum selber Gott ganz präsent werden lässt." Nachdem er die Neupriester der Gnadenmutter von Altötting anempfohlen hatte, erklärte er: "Sie, Maria, hat dem Gottessohn erst geschenkt, dass er in der Welt präsent werden konnte ... Er selbst ist der Grund, wenn wir Maria verehren. Er selbst ist das Ziel, wenn wir einmal ganz gesammelt in seiner Gegenwart sein dürfen."

Nach der feierlichen Abendmesse – die vom Maria-Ward-Chor unter Leitung von Sr. Avita Bichlmaier würdig gestaltet wurde – in der voll besetzten Stiftskirche, zogen Priester und Gläubige in einer Prozession zur Gnadenkapelle, wo Tobias Reiter und Michael Vogt ein weiteres Mal den Primizsegen spendeten.

"Jesus Christus und die Freude am Glauben verkünden"

Sr. Avita Bichlmaier im Gespräch mit den beiden Neupriestern.
Sr. Avita Bichlmaier im Gespräch mit den beiden Neupriestern.

Einer der beiden stammt aus dem Landkreis Altötting, genauer: aus Emmerting. Michael Johann Patrick Vogt (26) schildert seine Berufung so: "Ich fühle mich berufen. Das heißt für mich, dass ich den Weg den Gott für mich vorgezeichnet hat, gehe, so gut ich es kann." Auf dem Weg zum Priesteramt sei ihm u.a. "der Dienst als Ministrant in meiner Heimatpfarrei" sehr wichtig gewesen: "Hier habe ich erlebt was Kirche ist.", sagte er, und: "Auch mein Freijahr in Irland (Anm.: im St. Patrick's College Maynooth) war für mich sehr bereichernd. Die geistliche Gemeinschaft als Oblat in Niederaltaich finde ich, ist für mich eine geistliche Heimat." Persönlich von Bedeutung ist für Michael Vogt: "Jesus Christus und die Freude am Glauben zu verkünden und ein Beispiel dafür zu geben, dass Gott auf vielfältige Weise in unser Leben treten kann."

Tobias Reiter (29) aus Ettling erzählt: "Von frühester Kindheit an war ich am kirchlichen Dienst interessiert und hatte bereits vor Schulanfang den Wunsch, Priester zu werden. Vom Herrn als Mitarbeiter in seinen Weinberg berufen zu sein, ist eine große Freude aber zugleich auch eine große Verantwortung." Er möchte mithelfen, "die Menschen zu der Quelle des Heils Jesus Christus zu führen und ihnen durch Kraft und Wirkung der Sakramente, die ich in persona Christi spenden darf, Gnade und Heil" vermitteln - so schildert Reiter seine persönlichen Beweggründe.

Text: M. Glaß / iop, Fotos: Roswitha Dorfner

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