Altöttinger Liebfrauenbote

Einkehrtage der Marianischen Männerkongregation Altötting

„Ich glaube – wir glauben“

Die katholische Kirche feiert ein „Jahr des Glaubens“ und für die Marianische Männerkongregation Altötting (MC) ist das vom Papst ausgerufene Themenjahr Auftrag und Inspiration zugleich: Beim zweiten von insgesamt vier Einkehrtagen im Altöttinger Franziskushaus setzten sich rund 85 Teilnehmer mit dem Glaubensbekenntnis und dem Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) auseinander. „Ich glaube – wir glauben“ war ein Vortrag von MC-Präses P. Georg Greimel überschrieben.

MC-Präses P. Georg Greimel beim Vortrag.
MC-Präses P. Georg Greimel beim Vortrag.

„Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt. – Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen ...“ – Gemeinsam beteten die Sodalen das Nicäno-Konstantinopolitanum, das sog. große Glaubensbekenntnis, eine Erweiterung des Glaubensbekenntnisses vom ersten Konzil von Nicäa (325), die vom ersten Konzil von Konstantinopel (381) beschlossen worden war. Ein uralter Text, der u.a. auch von den Ostkirchen anerkannt ist, wie P. Georg erläuterte.

Sowohl das große wie auch das Apostolische Glaubensbekenntnis seien eine „Grundformel für das Wesentliche“, erläuterte der MC-Präses. Glaube sei ein „vielschichtiger Vorgang“, weltweit verbreitet und mit einer langen Geschichte. Nicht nur um sprachliche Barrieren zu überwinden, brauche es allgemein anerkannte Texte, die die wesentlichen Glaubensinhalte zusammenfassen. Eine regelmäßige Rückbesinnung auf die wesentlichen Glaubensinhalte sei für alle Gläubigen wichtig, sagte P. Georg.

Glaubensinhalte, die im KKK noch sehr viel ausführlicher abgehandelt sind. P. Georg legte den Sodalen einen regelmäßigen Blick in den Katechismus ans Herz und hob anhand eines Vortrags von Kardinal Joseph Ratzinger zum zehnjährigen Jahrestag des „Weltkatechismus“ im Oktober 2002 die zentralen Anliegen des Werkes hervor. „Glaube ist nicht zuerst ein Nährstoff für intellektuelle Experimente, sondern der feste Grund, auf dem wir leben und sterben können“, zitierte P. Georg den heutigen Papst. „Der Katechismus ist nicht ein Buch der Theologie, sondern des Glaubens bzw. der Glaubenslehre.“

Keine „Buchreligion“

MC-Sodalen bei der Anbetung in der Kapelle des Franziskushauses.
MC-Sodalen bei der Anbetung in der Kapelle des Franziskushauses.

Die Verkündigung des Glaubens sei das zentrale Anliegen des Werks, das selbstverständlich das Verständnis und das Reflektieren über die Glaubenslehre mit einbeziehe. Doch nicht Buchstaben formen den Glauben, wie Kardinal Ratzinger damals ausführte; P. Georg zitierte aus dem Vortrag: „,Der christliche Glaube ist jedoch nicht eine ,Buchreligion‘‘, sagt der Katechismus lapidar (108). Dies ist eine äußerst wichtige Aussage. Der Glaube bezieht sich nicht einfach auf ein Buch, das als solches einzige und letzte Instanz für den Glaubenden wäre. In der Mitte des christlichen Glaubens steht nicht ein Buch, sondern eine Person – Jesus Christus, der selbst das lebendige Wort Gottes ist und sich sozusagen in den Wörtern der Schrift auslegt, die aber umgekehrt immer nur im Leben mit ihm, in der lebendigen Beziehung zu ihm recht verstanden werden können.“ Das gemeinsame Glaubensbekenntnis und die Gemeinschaft der Kirche hatte der Kardinal hervorgehoben: „Und da sich Christus die Kirche, das Gottesvolk, als seinen lebendigen Organismus, seinen ,Leib‘ gebaut hat und baut, gehört zur Beziehung mit ihm das Mitsein mit dem pilgernden Volk, das der eigentlich menschliche Autor und Eigentümer der Bibel ist, wie wir hörten.“

In Anlehnung an Ratzingers Vortrag betonte P. Georg die besondere Bedeutung der Liturgie, die eben keine „zufällige Zeremoniensammlung“ sein dürfe, sondern das „Wesen des Sakraments“ zum Ausdruck bringen müsse. „Darum darf kein sakramentaler Ritus nach dem Belieben der Amtsträger oder der Gemeinde abgeändert oder manipuliert werden. Selbst die höchste Autorität der Kirche kann die Liturgie nicht nach Belieben ändern, sondern nur im Glaubensgehorsam und in Ehrfurcht vor dem Mysterium der Liturgie“ (1125), zitierte der MC-Präses aus dem KKK. P. Georg wies zwar darauf hin, dass es weltweit natürlich keine absolut einheitliche Gottesdienstgestaltung geben könne, doch dass es einen „gemeinsamen Kern“ brauche, auf den alle zurückgreifen können – „Vielfalt in der Einheit“ war hierbei das Stichwort. Mit den Schlussworten aus Ratzingers Vortrag beendete auch P. Georg seine Ausführungen: „Er (der KKK) bietet eine aus der Heiligen Schrift und dem ganzen Reichtum der Überlieferung in ihren vielfältigen Gestalten geschöpfte, vom II. Vatikanischen Konzil her inspirierte organische Sicht der Ganzheit des katholischen Glaubens, der gerade als Ganzheit schön ist – mit einer Schönheit, in der der Glanz der Wahrheit aufleuchtet.“

Einzelne Paragrafen zum Thema Offenbarung, Tugend, Gnade, Vernunft sowie Freiheit und Notwendigkeit des Glaubens besprach P. Georg mit den Sodalen, bevor sie gemeinsam zur Anbetung in die Kapelle des Franziskushauses gingen. Ein Rosenkranz in der Gnadenkapelle und eine hl. Messe in der St. Magdalenakirche beendeten den Einkehrtag.

Text und Fotos: Michael Glaß