Altöttinger Liebfrauenbote

Das Kloster Maria Hilf in Cham mit dem Gnadenbild der „Immerwährenden Hilfe“

Ein „Bilderbuch Gottes“

Fast unübersehbar thronen die beiden Kirchtürme über der Silhouette der oberpfälzer Kreisstadt Cham. Maria Hilf, die Klosterkirche des gleichnamigen Redemptoristenklosters, prägt seit über 100 Jahren das Stadtbild. Der neuromanische Backsteinbau hat sogar Einzug in die deutsche Filmgeschichte gehalten. In Bernhard Wickys Antikriegsfilm „Die Brücke“, ist er immer wieder zu sehen.

Blick in die Klosterkirche Maria Hilf: Über dem Hochaltar der farbenprächtig ausgestalteten Klosterkirche Maria Hilf in Cham hängt das Gnadenbild der „Immerwährenden Hilfe“.
Über dem Hochaltar der farbenprächtig ausgestalteten Klosterkirche Maria Hilf in Cham hängt das Gnadenbild der „Immerwährenden Hilfe“.

Betritt man nun die Kirche, nach dem man die große Auffahrt passiert hat, wird man von einer ganz besonderen Atmosphäre in den Bann gezogen. Der Erbauer der Kirche, Pater Josef Schleinkofer CSsR, soll geweint haben, als er den Innenraum fertig ausgemalt sah. Das Werk seines Mitbruders, Frater Max Schmalzl CSsR, wurde in nur fünf Jahren geschaffen und trägt nicht umsonst den Namen „Bilderbuch Gottes“.

Gleich einer Byzantinischen Kirche ist der gesamte Innenraum mit biblischen Szenen und Heiligenbildern ausgemalt. Der 52 Meter lange und 23 Meter breite Innenraum wird bestimmt durch die thronende Christusfigur in der Apsis, die von Maria und Josef angebetet wird. Der 14-teilige Bilderzyklus aus dem Marienleben und die zahlreichen Bilder von Heiligen aus dem bayerisch-österreichischen Raum sind immer noch, wie vor hundert Jahren, ein farbenfrohes Glaubenszeugnis.

Allerorts sind natürlich die Bezüge zum Orden, der „Kongregation des Heiligsten Erlösers“ in Lateinisch „Congregatio Sanctissimi Redemptoris“ kurz CSsR, zu finden. Der Orden war im Jahre 1732 von dem italienischen Priester Alfonso Maria de Liguori gegründet worden. Seine Hauptaufgabe sah der hl. Alfons in der Sorge um die seelische und religiöse Not seiner Zeitgenossen. Mit dem hl. Klemens Maria Hofbauer wurde der erste Deutsche Mitglied des Ordens, 1841 rief König Ludwig I. von Bayern die Redemptoristen als Wallfahrtsseelsorger nach Altötting. Heute hat der Orden weltweit über 5.100 Mitglieder in rund 80 Ländern, davon etwa 250 in Deutschland.

Unsere Liebe Frau von der immerwährenden Hilfe

Kopie des Gnadenbildes „Unserer Lieben Frau von der immerwährenden Hilfe“ in der Sakristei der Klosterkirche.
Kopie des Gnadenbildes „Unserer Lieben Frau von der immerwährenden Hilfe“ in der Sakristei der Klosterkirche.

An der eigentlichen Aufgabe des Ordens hat sich, wenn auch die Nöte der Menschen in den Jahrhunderten andere geworden sind, nichts geändert. Gerade durch die Volksmissionen der Redemptoristen ist der Orden in vielen Diözesen bekannt geworden. Ein „Mitbringsel“ solcher Einkehrtage war in den vergangenen Jahrzehnten das Gnadenbild „0“. Die Original-Darstellung der Gottesmutter mit dem Jesusknaben aus dem 14. Jahrhundert und wohl von der Insel Kreta, wurde nach wechselnden Standorten im Jahre 1867 von Papst Pius IX. dem Redemptoristenorden übergeben. Seither schmückt es den Hochaltar der römischen Kirche Sant’ Alfonso und ist durch die volksmissionarische Tätigkeit des Ordens weltweit verbreitet worden. Auf dem Gnadenbild zeigen die Engel dem Jesusknaben die Marterwerkzeuge seines Kreuzestodes, die ihn zum Redemptor – zum Erlöser für die Menschheit werden lassen.

Das vielverehrte Gnadenbild findet sich in der Klosterkirche Maria Hilf dann nicht nur über dem Hochaltar, unter dem thronenden Christus, sondern auch an unzähligen weiteren Plätzen in Kirche und Kloster. So sieht man es z. B. in einer Seitenkapelle, in der auch der hl. Bischof Johann Nepomuk Neumann CSsR und der hl. Bruder Gerhard Majella CSsR verehrt werden, zwei bekannte Heilige aus dem Orden.

Zum Kloster und der Klosterkirche Maria Hilf gehört auch noch ein Exerzitienhaus, das von vielen Gläubigen ganzjährig wegen eines breitgefächerten geistlichen Angebots besucht wird. Der Ordensgründer, der hl. Alfonso Maria de Liguori, wurde später auch noch Bischof von Sant’ Agata de’ Goti bei Neapel. Das ist dann auch eine häufige Darstellung des Heiligen, mit Mitra und Bischofsstab.

Besucht man nun in Cham das Kloster Maria Hilf, so begegnet einem der Ordensgründer in vielfältigen Darstellungen. Eine davon, eine fast lebensgroße Figur, trägt die Züge des seligen Papst Johannes Paul II., der wie der Ordensgründer ein großer Verehrer der Gottesmutter Maria war. Papst Johannes Paul II. richtete 1996 ein Schreiben an die Redemptoristen, in welchem er zum Werk des Ordensgründers schrieb: „Die Zahl seiner Schriften, die rasche Folge von Ausgaben und Übersetzungen, die Fähigkeit, in einer einfachen und allen zugänglichen Sprache auch die anspruchsvollsten Wahrheiten des Glaubens und der Moral auszudrücken, haben seine Lehre in allen Schichten des Christenvolkes verbreitet.“

Text und Fotos: Carl Prämaßing

Bildergalerie

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Seitenkapelle mit der Gnadenbildkopie „Unserer Lieben Frau von der immerwährenden Hilfe“ und Darstellungen des hl. Johann Nepomuk Neumann und des seligen Papst Johannes Paul II.
Eine Darstellung des Ordensgründers der Redemptoristen, des hl. Alfonso Maria de Liguori, trägt die Züge des seligen Papst Johannes Paul II., beide verband eine große Verehrung für die Gottesmutter.
Alte Abbildung des Chamer Redemptoristenklosters mit seiner Patronin, der Gottesmutter, sowie den Ordensheiligen, dem hl. Alfonso Maria de Liguori (links) und dem hl. Josef.