Altöttinger Liebfrauenbote

Vor 65 Jahren verstarb Pater Joseph Anton Kessler, Bauherr der Altöttinger St. Anna-Basilika

„Bruder Konrad, wenn Du mir hilfst...“

"Jetzt wird gestorben", soll Pater Joseph Anton Kessler seinen Mitbrüdern kurz vor seinem Tod am 26. Oktober 1947 erklärt haben, als die ihm zu einer Behandlung bei einer medizinischen Kapazität geraten hatten. Ebenso entschlossen, wie er dem nahen Tod entgegen sah, setzte sich der Kapuziner für den Bau der Basilika St. Anna und für die Seligsprechung des heiligen Bruders Konrad ein.

P. Joseph Anton auf einer alten Aufnahme.
Ungemein tatkräftig und doch milde: P. Joseph Anton.

Pater Joseph Anton erblickte am 9. Januar 1868 in Harsberg auf der Sickinger Höhe in der Pfalz unter dem Namen Karl Kessler das Licht der Welt. Als "stiller, braver Bub" beschrieb Albert Kessler, ehemals Pfarrer von Ballweiler, den Sohn frommer und fleißiger Landwirte. Der Heranwachsende machte Abitur und leistete Dienst beim Militär. Dort galt er als ungestümer und verwegener Reiter, bis er einmal vom Pferd fiel und anschließend berichtete: "Da habe ich den Teufel gesehen." Ob er sich deshalb für ein Leben im Kloster entschied? Mit 21 Jahren ließ er sich jedenfalls als Kapuziner einkleiden; 1890 legte er die einfache, 1892 die ewige Profess ab. In diesem Jahr wurde er auch zum Priester geweiht.

"Im tätigen Leben und auf der Kanzel ein Löwe und im Beichtstuhl ein Lamm, nach außen stark und entschlossen, nach innen milde und barmherzig", so beschrieben Mitbrüder das Wesen des Paters Anton. Die größten Herausforderungen warteten auf ihn in Altötting. 1908 wurde er als Guardian des damaligen St. Anna-Klosters nach Altöt­ting berufen. Er wirkte nicht nur als Oberer und Beichtvater, als Volksmissionar und Exerzitienmeister, sondern er sollte noch ganz Anderes zu Wege bringen.

Altötting um 1900

Steinrelief mit dem Portrait des Bauherrn in der P. Joseph Anton-Kapelle in der gleichnamigen Straße in Altötting.
Steinrelief mit dem Portrait des Bauherrn in der P. Joseph Anton-Kapelle in der gleichnamigen Straße in Altötting.

Altötting um die Jahrhundertwende, ein kurzer Rückblick: Die Wallfahrtsstadt wurde an das bayerische Eisenbahnnetz angeschlossen, immer mehr Pilger strömten in den Gnadenort, und die Stiftspfarrkirche platzte aus allen Nähten. Pater Joseph Anton erkannte die Notwendigkeit eines größeren Betsaales. Die Marianische Männerkongregation erklärte sich bereit, die Kosten für den Bau zu übernehmen und innerhalb von zwei Jahren zwischen 1910 und 1912 wurde die Basilika St. Anna erbaut.

Prinzregent Luitpold von Bayern verlieh P. Joseph Anton in Anerkennung seiner Leistungen den Titel eines „Königlich Geistlichen Rates“. Doch der Weg dahin war nicht einfach: Lästige und hinhaltende Diskussionen, Quertreibereien und Streitigkeiten musste Pater Joseph Anton als Bauherr überwinden. Finanzierungsprobleme kamen hinzu. Zwar konnte er schließlich den Prinzen Ludwig von Bayern als Schirmherrn gewinnen, doch seine Hoffnung setzte er auf einen 1894 verstorbenen Mitbruder als er betete: „Bruder Konrad, wenn Du mir hilfst, die Basilika zu bauen, werde ich dafür sorgen, dass Du heilig gesprochen wirst.“

Vizepostulator im Verfahren zur Seligsprechung Bruders Konrad

Eine kleine Kapelle in Sichtweite der St. Anna-Basilika (im Hintergrund) erinnert an P. Joseph Anton Kessler, den Bauherrn der Basilika.
Eine kleine Kapelle in Sichtweite der St. Anna-Basilika (im Hintergrund) erinnert an P. Joseph Anton Kessler, den Bauherrn der Basilika.

Tatsächlich erlangte der Bauherr mehrmals auffällige Hilfe und schon wenige Tage nach Fertigstellung der Basilika machte sich Pater Joseph Anton an die Vorbereitungen des Prozess­verfahrens. Dem christlichen Volk galt Bruder Konrad ohnehin schon als heilig, doch Pater Joseph Anton sorgte dafür, dass diese Würde offiziell wurde. Als Vizepostulator hatte er maßgeblichen Anteil an der Selig­sprechung des Bruders Konrad durch Papst Pius XI. am 13. Juni 1930 in Rom. In überaus kurzer Zeit konnte er den Prozess beenden: Bereits vier Jahre später, am Pfingstfest, dem 20. Mai 1934, folgte die Heiligsprechung. Die Stadt Altöt­ting verlieh Pater Joseph Anton Kess­ler 1930 die Ehrenbürgerwürde.

Auch in hohem Alter und von Krankheiten gezeichnet, suchte Pater Joseph Anton mit letzter Kraft den Altar des Heiligen Bruders Konrad auf, am 15. Oktober 1947 feierte er dort seine letzte hl. Messe. „Das ist meine letzte Krankheit, meine Zeit ist abgelaufen“ entgegnete er den Ärzten, die ihn aufmuntern wollten. Trotz heftigster Schmerzen regelte der 79-Jährige seine letzten Angelegenheiten: Er bat seine Mitbrüder, ihm den Text seiner Predigt von der Barmherzigkeit Gottes mit ins Grab zu legen.

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner 2, Kapuziner 1

Die St. Anna-Basilika wird derzeit aufwendig generalsaniert. Wie schon beim Bau der rund 8.000 Menschen umfassenden Wallfahrtskirche, sind die Kapuziner als Träger der Baulast dringend auf Unterstützung angewiesen – ohne das Wohlwollen und der Spenden von Pilgern und Betern wäre dieses Gotteshaus niemals entstanden! Spenden unter dem Stichwort „Renovierung der Basilika“ auf das Konto-Nr.: 4331303, LIGA Bank eG, BLZ 750 90 300 sind herzlich erbeten. Mehr Informationen zur Generalsanierung und zu Spendenmöglichkeiten im Internet unter www.basilika-altoetting.de.