Altöttinger Liebfrauenbote

Pfr. Josef Kaiser aus Marktl predigt beim Eucharistischen Stundengebet

Hören und Glauben

„Der Glaube kommt vom Hören“ erklärte Pfr. Josef Kaiser in Anlehnung an den Völkerapostel Paulus (vgl. Röm 10,17f). Der Pfarrer aus Marktl/Inn hat in seinen sechs Predigten beim Eucharistischen Stundengebet in der Altöttinger St. Magdalenakirche vom 15. bis 17. Februar dazu aufgerufen, den Glauben neu zu festigen und er betonte: „Ich denke, der beste Weg ist, auf die Botschaft Jesu wieder neu zu hören.“

Pfr. Josef Kaiser bei der Predigt.
Pfr. Josef Kaiser bei der Predigt.

Pfr. Kaiser nahm das von Papst Benedikt XVI. ausgerufene „Jahr des Glaubens“ und das 50-jährige Jubiläum des II. Vatikanischen Konzils zum Anlass, wesentliche Elemente der Botschaft Jesu zu betonen.

„Das Konzil war wirklich ein Segen. Damals hatten alle in der Kirche großes Zutrauen in die Wirkkraft des Heiligen Geistes, der die Bischöfe bei ihren Entscheidungen führte“, stellte er in seiner ersten Predigt am Freitagvormittag fest und verwies gleichzeitig auf „Gruppen, die auf einmal die Beschlüsse des Konzils, obwohl sie damals mitgestimmt haben, jetzt ablehnen.“ Laut Pfr. Kaiser der falsche Weg. „Heute spürt man eher eine lähmende Angst um die Wahrheit. Aus Angst gibt man sich stark anstatt durch Gottes Geist gestärkt zu wirken. Angst aber ist kein Name Gottes“, sagte er und kündigte „wahrlich frohmachende und aufrichtende Worte“ an.

Worte aus dem Evangelium, die Pfr. Kaiser in den folgenden fünf Predigten näher erläuterte. Mit dem Evangelium „Von der Vergeltung und von der Liebe zu den Feinden“ (Lk 6, 27f) – „Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen“ – begann er am Freitagnachmittag. „Da stehen die harten Forderungen Jesu, die so schwer zu verstehen sind, erst recht kaum ausführbar, aber es führt kein Weg daran vorbei“, stellte er fest. Denn diese „scheinbar so dummen Gutmütigkeiten beruhen nicht auf Schwäche“. Auch Jesus habe sich gewehrt. Und dennoch rief er zu Vergebung und Barmherzigkeit auf, setzte ein Zeichen gegen die „Macht der Faust“ und für die „Macht der Liebe“. Pfr. Kaiser erklärte: „Versetz dich in den andern hinein, so lautet die Handlungsanweisung Jesu, dann wirst du ihn nicht mit den Ellenbogen behandeln, sondern ihm die Hand reichen.“

"Glaube kann man nicht erzwingen und nicht erkaufen"

Kapuzinerpater Andreas Kaiser, Pfr. Josef Kaiser und Pfr. i.R. Franz Hecker bei der Feier der Eucharistie.
Kapuzinerpater Andreas Kaiser (v.l.), Pfr. Josef Kaiser und Pfr. i.R. Franz Hecker bei der Feier der Eucharistie.

Nicht über den Verstand, sondern über „Beziehung“ – über eine „Beziehung zu jemandem, dem und an den ich glaube“ – finde der Mensch zum Glauben. Dies erläuterte Pfr. Kaiser in seiner Predigt am Samstagvormittag. „Liebe geht durch den Magen“, also durch den Ort, wo nach allgemeiner Vorstellung unsere Gefühle säßen. Pfr. Kaiser schilderte das Evangelium vom Mahl beim reichen Pharisäer und der „Begegnung Jesu mit der Sünderin“ (Lk 7, 36-50) und erklärte: „Natürlich kann ich mit meinem Verstand vernünftig untermauern, was ich in meinem Herzen glaube. Und ich muss das sogar tun. Ich darf mir aber absolut nicht einbilden, auf dem Weg des Verstandes, auf dem Wege der wissenschaftlichen Auseinandersetzung, durch Nachdenken, Forschen oder Lesen zum Glauben zu kommen.“ – „Glauben kann ich nicht erzwingen, er ist immer ein Geschenk Gottes.“

Ebenso wie man Glaube nicht erzwingen könne, könne man sich ihn auch nicht „erkaufen“. – „Durch die Werke des Gesetzes wird niemand gerecht“, erklärte Pfr. Kaiser in seiner Predigt am Samstagnachmittag in Anlehnung an den Apostel Paulus (vgl. Gal 2, 16). Es gehe also nicht darum, irgendwelche kirchlichen Vorschriften oder Regeln einzuhalten. „Gott schenkt uns den Himmel, absolut gratis. Wir brauchen nichts dafür tun“, sagte Pfr. Kaiser und fügte hinzu: „Gott bestraft nicht. Gott schmeißt niemanden in die Hölle. Denn er hat uns allen schon den Himmel geschenkt. Dieses Geschenk nimmt er nie mehr zurück. Wir brauchen das Geschenk nur anzunehmen.“ Pfr. Kaiser betonte vor allem den Gedanken der Fairneß. „Religiös leben bedeutet nicht, irgendwelche Gesetze zu erfüllen aus Angst vor Gott, sondern bedeutet, fair mit Gott umzugehen: Sich der Liebe Gottes bewusst zu werden und darauf zu antworten.“

Über Verzicht und "helfendes Hinschauen"

Die Monstranz mit dem Allerheiligsten.
Die Monstranz mit dem Allerheiligsten.

Welche Stellung Gott im persönlichen Leben hat, gelte es nicht zuletzt in der Fastenzeit zu hinterfragen – der Sinn von Verzicht war Thema von Pfr. Kaisers Predigt am Sonntagvormittag. In Anlehnung an das Evangelium von der Versuchung Jesu in der Wüste (Lk 4,1-13) erklärte er: „Jesus geht in eine Gegend, in der es keine Hintergrundgeräusche von Tieren, Autos oder anderen Menschen gibt. Eine Gegend, in der man nur sich selbst hört.“ Verzicht schärfe die Sinne und könne helfen sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. „Der Verzicht bietet mir die Möglichkeit, mich selbst besser kennen zu lernen und damit auf manche Fallen, in die ich im Alltag oft gerate, richtig zu reagieren.“

„Solange uns nicht einmal im Angesicht Gottes ein ,heiliger Schauer‘ über den Rücken gefahren ist, solange bleibt ,Gott‘ für uns einfach nur ,lieb‘ und damit auch machtlos. Solange bleibt auch Christsein für uns nur eine mehr oder weniger gute Gewohnheit, aber bedeutungslos für unser Entscheiden und unser Handeln.“ – Ein „persönliches Glauben“, ein „helfendes Hinschauen“ und ein „lebensstiftendes Gutsein“ legte Pfr. Kaiser seinen Zuhörern ans Herz, um nicht in „tödlicher Routine“ zu erstarren. Er berief sich auf das Evangelium von der „Auferweckung eines jungen Mannes in Naïn“ (Lk 7,11-17) und erläuterte es aus der Sicht der Mutter des jungen Mannes, einer Witwe. Diese habe nicht nur ihren Sohn verloren, sondern sei als Witwe damals „durch alle Maschen des sozialen Netzes gefallen“ – niemand außer die eigenen Kinder haben sich in dieser Zeit um Witwen gekümmert. „Jesus erbarmt sich einer verzweifelten Frau“, fasste Pfr. Kaiser den Bericht in einer alternativen Überschrift zusammen.

Auch wenn Gott „unseren“ Weg meistens „viel unspektakulärer und unscheinbarer“ kreuze – „um glauben zu können, muss ein Mensch Gott begegnen“, sagte Pfr. Kaiser, und: „Erst im Licht des Wortes Gottes können wir eine Erfahrung deuten und in ihr Gottes Nähe erahnen.“ – „Und dann bleiben Brot und Wein, die Gaben, die wir bei jeder Eucharistiefeier zum Altar tragen, nicht länger bloße Nahrungsmittel, sondern wir kosten in ihnen einen Vorgeschmack des Himmels.“

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner