Altöttinger Liebfrauenbote

Misereor-Fastenaktion: Blick nach Niger

Keinen Tag richtig satt!

Das weltweit größte katholische Entwicklungshilfswerk Misereor ruft während der Fastenzeit zu Solidarität mit den Hungernden auf. In Niger hilft das Entwicklungshilfswerk Kleinbauern im täglichen Kampf gegen den Hunger.

Mit der Spitzhacke wird der dürre Boden gelockert.
Mit der Spitzhacke wird der dürre Boden gelockert.

Ibrahim Abdou drückt jedem Kind eine Stielhacke in die Hand. Dann bücken sie sich und hauen das Eisen in den Sand. Allein würde der nigrische Bauer zehn Tage brauchen, um sein Feld aufzulockern. Doch sein neunjähriger Sohn und zwei Neffen sind dabei. Sie lockern den Boden rings um die jungen Pflänzchen, denn er soll durchlässig sein, damit der Regen bis an die Wurzeln der Hirse kommt. Vorausgesetzt, dass der Regen kommt!

Im Niger spielt das Klima verrückt: Mal bleibt der Regen trotz Regenzeit aus und das Saatgut verdorrt. Mal schüttet es wie aus Kübeln, so dass alles fortgerissen wird und das Feld versinkt. Doch nicht nur das unberechenbare Wetter macht den Menschen zu schaffen.

Heuschreckenschwärme und Raupenplagen, immer mehr Geburten und Flüchtlinge, Versteppung des Bodens und Preisspekulationen bei Hirse und Zwiebeln stürzen die Menschen trotz aller Anstrengungen immer wieder in große Not.

In dieser prekären Lage versucht die Misereor-Partnerorganisation Caritas Développement Niger (CADEV) den Balanceakt: „Wir wollen den Menschen in der Not beistehen, ohne ihre eigene Entwicklung zu gefährden“, erklärt Abdoul Moumouni Illo, Leiter des CADEV-Büros Maradi. „Wir suchen langfristige Entwicklungsstrategien mit der Dorfbevölkerung und nachhaltige Antworten auf den Klimawandel“, sagt er.

Die Trockenzeit als Chance

Die Vorräte sind fast vollständig verbraucht. Ibrahim Abdous Familie lebt fast ausschließlich von verdünnter Hirsesuppe. Im Bild drei Kinder, die vor einer Schale Suppe sitzen und den Löffel von einem zum anderen weitergeben.
Die Vorräte sind fast vollständig verbraucht. Ibrahim Abdous Familie lebt fast ausschließlich von verdünnter Hirsesuppe.

Das gelang zum Beispiel in dem Dorf Bazaga, unweit der Grenze zu Nigeria. Die Hilfe begann 2006 mit einem Nothilfeprogramm. So baute CADEV zusammen mit der Bevölkerung einen Getreidespeicher auf und füllte ihn mit zehn Tonnen Hirse. Die Menschen konnten das Korn zum halben Preis kaufen. Ein Agrarshop wurde eingerichtet, den die Bauern bis heute selbst auffüllen und betreuen. Dort können sie hochwertiges Saatgut, aber auch Pflanzenschutzmittel oder Dünger zu vergünstigten Preisen bekommen.

Und der Misereor-Partner setzte weitere Impulse: Die Bauern von Bazaga lernten, wie sie auch während der Trockenzeit Gemüse anbauen können, das sie selbst verzehren und auf dem Markt verkaufen können. Doch für solch einen Bewässerungsfeldbau braucht es Brunnen. CADEV baute 18 zementierte Brunnen und verkaufte an bedürftige Familien Motorpumpen, zu einem Bruchteil des Preises: Damit erledigen sie die Arbeit in kürzerer Zeit und brauchen nur alle drei, vier Tage zu bewässern. „Ich habe statt 50 Sack Zwiebeln 100 Säcke geerntet“, sagt ein Mann. Viele konnten Rücklagen bilden und neu investieren. Manche Familien haben sich Ziegen gekauft. Andere können ihre Kinder nun zur Schule schicken. „Es ging uns wieder besser“, sagt Ibrahim Abdou.

Zu viele Zwiebeln

Trotz dieser Erfolge geht es seiner Familie heute wieder schlechter. Die Hirseernte fiel in der letzten Saison mager aus. Viele bauten in der Trockenzeit Zwiebeln an. Die Ernte war gut, aber die Preise waren im Keller. Alle hatten auf Zwiebeln gesetzt. Somit kamen viel zu viele Bauern mit dem gleichen Produkt auf den Markt. Die Preise purzelten. Eine solche Not spielt Spekulanten in die Hände, die die Zwiebeln zu Spottpreisen einkaufen – später bringen sie sie zu Wucherpreisen wieder auf den Markt. Auch Hirse kaufen solche Händler billig auf, lagern sie, und bringen sie später zu den Dörfern zurück, wenn die Not groß ist und die Preise hoch. Ein Teufelskreis. Eine Antwort auf solche Herausforderungen wäre, dass sich die Bauern zusammenschließen und eine kleine Marktmacht bilden. Der Zusammenschluss der Bauern von Bazaga „Hadin Kaye – Alle Köpfe zusammen“ ist ein erster Schritt.

Doch trotz aller Rückschläge konnte CADEV in Bazaga eine große Entwicklung anstoßen, die den Weg aus der Armut weist. Durch professionelle Bewässerung, Eselkarren und Know-how sind die Einnahmen der Familien gestiegen.

Text: red, Foto: Hartmut Schwarzbach / Misereor