Altöttinger Liebfrauenbote

Pilsens Bischof František Radkovský über neuen Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer

„Gut, offen und demütig“

Brückenbauer möchte er sein, so der neue Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, der erst kürzlich geweiht wurde. Als „Brückenbauer“ versteht sich auch sein Pendant in Pilsen, Bischof František Radkovský, der wie fast kein anderer die deutsch-tschechische Versöhnung nicht nur predigt, sondern lebt. Unser Autor Markus Bauer hat sich mit dem Pilsener Oberhirten über sein Regensburger Gegenüber unterhalten.

Pilsens Bischof František Radkovský überreichte seinem neuen Amtsbruder Rudolf Voderholzer als Geschenk zur Bischofsweihe eine Pilsener Madonna.
Pilsens Bischof František Radkovský (r.) brachte seinem neuen Amtsbruder Rudolf Voderholzer als Geschenk zur Bischofsweihe eine Pilsener Madonna mit.

Kannten Sie Prof. Voderholzer bereits vor der Berufung zum Bischof von Regensburg?
Bischof Radkovský: Ich kannte ihn schon seit ein paar Jahren. Kapuzinerpater Victricius Berndt stammte aus der Pfarrei Valec (deutsch Waltsch). Und zu seinen Schülern gehörte unter anderem Prof. Voderholzer. Mit den Deutschen, die von dort stammten, kamen auch P. Victricius und Prof. Voderholzer immer wieder und feierten die heilige Messe. Auch ich war mehrmals dabei. Als P. Victricius 2003 verstarb, kam Prof. Voderholzer weiterhin hierher.

Wie war damals Ihr Eindruck von Prof. Voderholzer bei diesen ersten Treffen?
Ich lernte ihn als guten und ganz offenen Mann kennen, ja als einen demütigen Mann.

Wie haben Sie die Ernennung Prof. Voderholzers zum Bischof von Regensburg erfahren?
Ich habe das von ihm selbst erfahren. Einen Tag nach der Bekanntgabe hat er mit mir telefoniert und hat es mir mitgeteilt. Ich war sehr froh, denn ich kannte ihn ja schon lange und wusste, dass er ein guter Mann ist. Prof. Voderholzer hat mich gebeten, dass ich bei seiner Bischofsweihe Mitkonsekrator sein sollte. Das ist eine große Auszeichnung und Ehre für mich und ein gutes Zeichen der Verbindung. Bei der Weihe von Weihbischof Reinhard Pappenberger war ich ebenfalls schon Mitkonsekrator. Es ist gut, dass es diese engere Verbindung über die Grenze hinweg gibt. An dem Tag der Ernennung war ich in unserem Priesterseminar mit den Theologiestudenten zusammen. Wir haben auch darüber gesprochen, dass heuer am 8. Mai die Wallfahrt der Diözese nach Kladruby (deutsch Kladrau bei Mies) führt. Einer der Theologen stammt nicht weit davon und er erwähnte auch, dass die Mutter von Prof. Voderholzer aus Kladruby stammt und dass er regelmäßig hierher kommt.

Welche Bedeutung messen Sie Prof. Voderholzers sudetendeutsche Wurzeln für das bayerisch/deutsch-tschechische Verhältnis bzw. für die partnerschaftlichen Verbindungen zwischen dem Bistum Regensburg und dem Bistum Pilsen zu?
Ich denke, dass diese gute gegenseitige Verbindung weiter Bestand haben und fortgeführt werden wird. Als ich mit Prof. Voderholzer telefoniert habe, da habe ich ihn zu unserer Diözesanwallfahrt eingeladen, und er hat versprochen, dass er mit seiner Mutter kommen wird.

20-jähriges Jubiläum der Partnerschaft zwischen den Diözesen Regensburg und Pilsen

Der Katholikentag 2014 in Regensburg hat das Motto „Mit Christus Brücken bauen“. Prof. Voderholzer bezeichnete in ersten Stellungnahmen als Bischof als eine seiner Hauptaufgaben, ein „Pontifex“ (Brückenbauer) zu sein. Wird die Brücke zwischen den Bistümern Pilsen und Regensburg und damit auch zwischen den beiden Ländern nun stabiler durch Bischöfe wie Sie, der Sie sich seit langem intensiv für die deutsch-tschechische Versöhnung einsetzen, und durch Bischof Rudolf Voderholzer, der durch die sudetendeutsche Herkunft diese Thematik in besonderer Weise repräsentiert?
Die Aufgabe eines Brückenbauers verbinde auch ich immer schon mit meinem Amt als Bischof von Pilsen. Vom „Centrum Bavaria Bohemia“ (CeBB) in Schönsee habe ich im März letzten Jahres sogar den Brückenbauer-Ehrenpreis erhalten. Was den Katholikentag 2014 betrifft, haben wir konkret noch nichts besprochen. Aber sicherlich wird dort auch unsere Diözese präsent sein.

Sehen Sie die politische bayerisch-böhmische Annäherung vorangekommen? Wo liegen noch Herausforderungen?
Heuer wird man bereits das 20-jährige Jubiläum der Partnerschaft zwischen den Diözesen Regensburg und Pilsen feiern. Etwas länger gibt es schon Tandem, das Koordinierungszentrum deutsch-tschechischer Jugendaustausch mit Sitzen in Pilsen und Regensburg. Ich bin jedes Jahr beim Start dabei oder fahre auch mal ein Stück mit bei der Radtour der Pfadfinder aus beiden Diözesen. Ich finde es sehr wichtig, dass besonders die Kinder und Jugendlichen von Anfang an daran gewöhnt werden, sich in beiden Ländern aufzuhalten und diese Verbindung zu praktizieren. Vieles ist etwa auch im ökonomischen oder im kulturellen Bereich geschehen. Und stark einbezogen sind hier auch die Christen – zum Beispiel die Wallfahrten von uns nach Neukirchen beim Heiligen Blut oder die vielen Wallfahrten von Sudetendeutschen, die von hier stammen, zu uns. Zu nennen sind aber auch Pfarrpartnerschaften wie die zwischen Neutraubling und Graslitz oder anderen Orten bzw. Pfarrgemeinden. Das ist ein guter Beitrag. Und ich bemühe mich selbst, oft bei Veranstaltungen in der Diözese Regensburg zu sein.

Interview: Markus Bauer, Foto: Bischöfliche Pressestelle Regensburg