Altöttinger Liebfrauenbote

Frühjahrsvollversammlung der bayerischen Bischöfe in Waldsassen

Kardinal Marx: Christen sollen Europa prägen

Bei einem Gottesdienst anlässlich der Vollversammlung der Freisinger Bischofskonferenz hat Kardinal Reinhard Marx am Mittwochabend, 30. Januar, an Krieg und Leid in Europa erinnert und die Christen aufgefordert, Europa mit der Botschaft Christi zu prägen. Bei dem Bischofstreffen standen ein historisches Treffen mit tschechischen Bischöfen, Jugendarbeit, die 100-Jahrfeier Patrona Bavariae 2017, Konkordatslehrstühle und die Bildung für Flüchtlinge auf der Tagesordnung.

Kardinal Reinhard Marx.
Kardinal Reinhard Marx leitet die Freisinger Bischofskonferenz.

„Wir gehören zu einem Kulturkreis, einer großen gemeinsamen Tradition und haben doch Kriege geführt. Wie viel Blut ist geflossen“, sagte der Vorsitzende der bayerischen Bischöfe und Erzbischof von München und Freising in seiner Predigt in der überfüllten Basilika in Waldsassen. Es gebe in Europa große Zeugen des Glaubens, so Marx, „doch zugleich ist da die Erschütterung, dass dieser so christliche Kontinent so stark verführt wurde zu Gewalt, Ausbeutung, Ungerechtigkeit“.

Niedergang und Aufbruch, Zerstörung, konfessionelle Spaltung und Kriege hätten tief in das Leben der Menschen eingegriffen, beklagte Kardinal Marx in seiner Predigt: „Wie kann es sein, dass wir in Europa im 20. Jahrhundert so tief in eine barbarische Kultur gesunken sind? Noch nie in seiner Geschichte war Europa auf dem Stand, dass man hätte sagen können: Jetzt haben alle das Evangelium verstanden. Deswegen ist es nicht richtig zu sagen, früher sei alles besser gewesen.“ Er erinnerte in diesem Zusammenhang auch an den Dreißigjährigen Krieg.

Marx forderte eine neue Evangelisierung. „Wir sollen das Evangelium nicht benutzen zum persönlichen Vorteil oder zur Macht. Der christliche Glaube ist die Entdeckung einer neuen Wirklichkeit in Jesus Christus“, sagte der Erzbischof: „Christus will Schluss machen mit Aufrechnungen, mit Rache und Vegeltung. Gott erlaubt allen Mächten des Todes und der Sünde der Welt, sich am Kreuz auszutoben, damit die Kette des Hasses endlich ausgelöscht und gesühnt wird.“ Die Christen hätten den Auftrag, die Botschaft, die vom Kreuz ausgehe, in Europa einzubringen, mahnte Marx: „Es ist die Botschaft von Freiheit, Sühne und Versöhnung. Wir wollen den Auftrag annehmen, Christus und das Wort Gottes anzunehmen, zu hören und Frucht zu bringen.

An der feierlichen Messe nahmen neben den bayerischen Bischöfen auch der Vorsitzende der Tschechischen Bischofskonferenz, der Prager Kardinal Dominik Duka OP, sowie weitere Bischöfe und andere Vertreter der tschechischen Kirchenprovinz teil. Bei dem Gottesdienst begrüßte der neue Bischof von Regensburg, Rudolf Voderholzer, die tschechische Delegation und seine bayerischen Mitbrüder. Mit einem Grußwort richtete er sich an die Gläubigen in der in seiner Diözese gelegenen Basilika Waldsassen.

Bayerisch-Tschechische Freundschaft, Jugendarbeit, Hilfe für Flüchtlinge, Konkordatslehrstühle und 100 Jahre Patrona Bavariae

Die bayerisch-tschechische Freundschaft bestimmte auch den weiteren Verlauf der Frühjahrskonferenz. Zum ersten Mal tagten die bayerischen Bischöfe gemeinsam mit ihren Mitbrüdern der Prager Kirchenprovinz, wie die Freisinger Bischofskonferenz in einer offiziellen Pressemitteilung verkündete. Die Bischöfe betonten die auf der einen Seite heimatverbundene, auf der anderen Seite grenzüberschreitende versöhnende Rolle der Katholischen Kirche gerade auch für ein geeintes Europa. Es wurde vereinbart, sich zukünftig regelmäßiger zu treffen.

Außerdem würdigten die bayerischen Bischöfe im Rahmen des Jahresberichts der Landesstelle für katholische Jugendarbeit in Bayern und des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend Bayern "die Vielfalt der katholischen Jugendarbeit".

Die bayerischen Bischöfe beschäftigten sich intensiv mit der Situation der Flüchtlinge in Deutschland. In der Pressemitteilung forderten sie besser Bildungschancen für Migranten ein: "Die Freisinger Bischofskonferenz sieht mit Besorgnis, dass viele Menschen mit Migrationshintergrund mit hoher Lernmotivation oder Qualifikation zu uns kommen, ihre Leistungsfähigkeit aber nicht einbringen können. Die lang andauernden Asylverfahren sind oft verlorene Jahre auf dem Bildungs- und Arbeitsweg. Den Flüchtlingen Bildung oder Arbeitsaufnahme zu ermöglichen, ist ein Gebot der Menschenwürde und stellt zugleich bei erfolglosem Asylverfahren kein Hindernis für die Rückführung in die Heimat dar.  Die Bischöfe setzen sich für folgende Erleichterungen des Zugangs zu Bildung und bei der Arbeitsaufnahme auch bei noch nicht anerkannten Flüchtlingen ein: Eine menschenwürdige Behandlung beginnt damit, den Menschen bereits vor Anerkennung als Asylbewerber oder Flüchtling den Spracherwerb kostenlos zu ermöglichen ... Die Befreiung von der Residenzpflicht sollte zum Zwecke des Besuchs des Arbeits-, Studien-, Schul- und Ausbildungsplatzes die Regel werden."

Desweiteren beschlossen die Bischöfe auf die Ausübung des Rechts zur Mitwirkung an der Besetzung der außerhalb der Katholisch-Theologischen Fakultäten bestehenden Konkordatslehrstühle verzichten zu wollen. "Diesbezüglich wird das Katholische Büro Bayern beauftragt, die erforderlichen Kontakte zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Freistaat Bayern herzustellen", verlautbarten die Bischöfe.

Thema war auch die 100-Jahrfeier Patrona Bavariae 2017.  Jedes Jahr im Mai laden die Bischöfe in eine der bayerischen Diözesen ein, um gemeinsam den Schutz der Gottesmutter zu erbitten. Den Auftakt bildete im Jahr 2011 Altötting, 2012 luden die Bischöfe die Gläubigen nach Vierzehnheiligen in der Erzdiözese Bamberg ein. Dieses Jahr ist unter dem Motto „Mit Maria auf dem Weg“ am 1. Mai eine Wallfahrt zum Bogenberg in der Diözese Regensburg geplant.

 Text: red, Foto: Erzbistum München