Altöttinger Liebfrauenbote

In Kärnten erinnert ein Brauch an Christus als das „Licht der Welt“

„Ante Pante Populore“

„Ante pante populore, Kozelna vrate cvilelore.“ Wie eine Beschwörungsformel klingt der Vers, eine Mischung aus lateinischen, deutschen und slowenischen Sprachbrocken. Ein Kanon, mit dem zwei- bis dreihundert Männer, Frauen und Kinder jetzt durch die Dunkelheit ziehen. Kleine Kirchen haben sie auf lange Stangen montiert. Gotteshäuser en miniature aus Pappe und Holz, hinter deren roten Papierfenstern und -türen wie immer am Vorabend des Lichtmesstages kleine Kerzen leuchten. Lichter, die ein bisschen Glanz in die Finsternis bringen – und Herzenswärme in die oft kalte Winternacht. „Ante Pante“ heißen sie den Brauch in Bad Eisenkappel, dem Kärntner Kur-Städtchen in den östlichen Karawanken.

Einem alten Brauch folgend tragen die Kinder in Eisenkappel am Vorabend von Mariä Lichtmess hell erleuchtete Kirchenmodelle durch die Stadt zum Fluss, wo einige schließlich ins Wasser gesetzt werden.
Einem alten Brauch folgend tragen die Kinder in Eisenkappel am Vorabend von Mariä Lichtmess hell erleuchtete Kirchenmodelle durch die Stadt zum Fluss, wo einige schließlich ins Wasser gesetzt werden.

Volkskundler sprechen vom Kirchleintragen, hinter dem sich eine der schönsten Lichterprozessionen Österreichs verbirgt. Ziel des Zuges ist die Vellach, wo die kleinen Pappkirchen schließlich ins Wasser gesetzt werden. Lichter der Hoffnung, die langsam mit den Wellen weiter tanzen, viele hundert Meter oft, ehe sie die Fluten letztlich verschlucken.

In Bad Eisenkappel will man wissen, schon vor Jahrhunderten hätten Bürger Jahr für Jahr eine oder mehrere Lichterkirchen in Erfüllung eines Gelöbnisses zu Wasser getragen. Eines Tages nämlich sei das Städtchen und seine spätgotische Wallfahrtskirche Maria Dorn von einem gewaltigen Hochwasser bedroht gewesen, hätte man die tosenden Fluten nur besänftigen können, indem man eine Miniaturkirche zu Wasser gelassen habe. Eine schöne Geschichte ist das, die wie die meisten Ortssagen aber keine historisch genauen Belege kennt.

„Das Feuer ins Wasser tragen“ hieß der Brauch einst in Eisenkappel und erinnerte daran, dass von Mariä Lichtmess an nicht mehr bei künstlichem Licht wie sonst den Winter über gearbeitet wurde. Lichtmess war im bäuerlichen Leben eine wichtige Zäsur. Zu diesem Termin wurde neues Personal eingestellt, altes entlassen. Entscheidend für die Brauchgestaltung aber war vermutlich die Lukas-Perikope des Feiertages (Lk 2,25-32), welche die christliche Heilsbotschaft mit dem „Licht, das die Heiden erleuchtet“ gleichsetzte.

Knecht dichtete Spottvers

Einem alten Brauch folgend tragen die Kinder in Eisenkappel am Vorabend von Mariä Lichtmess hell erleuchtete Kirchenmodelle durch die Stadt zum Fluss, wo einige schließlich ins Wasser gesetzt werden.
Einem alten Brauch folgend tragen die Kinder in Eisenkappel am Vorabend von Mariä Lichtmess hell erleuchtete Kirchenmodelle durch die Stadt zum Fluss, wo einige schließlich ins Wasser gesetzt werden.

So soll der Lichterprozession in Bad Eisenkappel lange Zeit ein alter Mann vorausgegangen sein, der die Verse des Evangeliums vortrug. „Quia viderunt oculi mei salutare tuum, quod parasti ante faciem omnium populorum.“ Aus dem lateinischen Vorbild wurde in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts schließlich eine Art Spottvers, indem man an das mehr und mehr verballhornte Original statt den lateinischen Spruch „Gloria patri“ den noch heute gebrauchten windischen Spruch „Kozelna Vrate cvilelore“ anhängte. „Beim Kozel“, hieß das übersetzt, „quietschen die Türen“. Als Urheber will man einen Knecht ausgemacht haben, der sich für den Geiz seines Herrn rächen wollte und die Kinder damals anstiftete, den Kozel-Bauern und seinen Hof mit dem Spottvers lächerlich zu machen.

Schon damals war das Kirchleintragen längst nicht mehr nur Sache erwachsener Männer, die mitunter so große Nachbildungen fertigten, dass sie gleich mehrere Burschen tragen mussten. Heute ist der Brauch vor allem Sache der Kinder, die in den Tagen vor Mariä Lichtmess in Volksschule und Kindergarten die kleinen Kirchen gleich in Dutzenden basteln. Wunderschöne Exemplare oft, die zu schade für die Vellach sind. Die prächtigsten werden deshalb schon lange nicht mehr zu Wasser gelassen, kommen beim Zug durch die dunklen Straßen aber noch immer zum Vorschein. „Ante pante populore...“

Text: Günter Schenk, Fotos: Tourismusverein Bad Eisenkappel

Mariä Lichtmess

Das Fest am 2. Februar erinnert an die „Darstellung“ Jesu im Tempel, die nach jüdischem Gesetz für jeden Neugeborenen vorgeschrieben war. In der Westkirche aber wurde der Tag schon früh eher als Marienfest verstanden, als Abschluss der sogenannten Reinigungszeit Mariens, die nach mosaischer Tradition 40 Tage währte. An diesem Tag endete früher auch der Weihnachtsfestkreis. Mitte des 7. Jahrhunderts sind die ersten Lichtmessfeiern in Rom belegt. Lichterprozessionen und Kerzenweihe kamen erst später hinzu. Der Kerzensegen sollte vor Schaden an Leib und Seele bewahren. Symbolisch stand das Licht für Christus, der als „Licht der Welt“ alle Finsternis überwand.

Festpraxis

In der Regel zieht die Lichterprozession am 1. Februar um 18 Uhr von der Volksschule in Bad Eisenkappel zum südlichen Ortsteil, wo die „Kirchlein“ schließlich in Höhe der sogenannten Schlossbrücke in die Vellach gesetzt werden. Unterwegs segnet der Pfarrer alle Teilnehmer der Prozession. Eine ähnliche Prozession wie in Eisenkappel gibt es übrigens auch im bayrischen Fürstenfeldbruck, wo am Luziatag (13. Dezember) beim so genannten Lichterschwemmen ebenfalls kleine, mit Kerzen bestückte Gebäude aus Papier, Holz und Pappe zu Wasser gelassen werden.

Kontakt

Tourismusverein Bad Eisenkappel, Bad Eisenkappel 7, 9135 Bad Eisenkappel, Österreich, Tel. 0043-42388686. Internet-Adresse: www.bad-eisenkappel.info.