Altöttinger Liebfrauenbote

Vertreter der Wallfahrtsstadt Kevelaer zu Besuch in Altötting

"Entscheidend ist der Mensch"

Über den Besuch einer Delegation aus dem großen niederrheinischen Marienwallfahrtsort Kevelaer vom 4. bis 6. Dezember durften sich Stadtverwaltung und Wallfahrtsleitung Altötting freuen.
 Vorausgegangen war eine Informationsfahrt der Altöttinger Wallfahrtsverantwortlichen nach Kevelaer im Frühjahr 2013. Beide Treffen standen im Zeichen eines näheren Kennenlernens der beiden großen Marienwallfahrtsstädte in Deutschland und im Zeichen der Diskussion gemeinsamer Themen.

Die Delegation aus Kevelaer unter der Gnadenbildkopie im Rathaus Altötting: Andrea Hoenselaer, Verkehrsbüro Kevelaer; Bernd Pool, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kevelaer; Dr. Rainer Killich, Generalsekretär der Wallfahrt Kevel
Die Delegation aus Kevelaer unter der Gnadenbildkopie im Rathaus Altötting: (v.l.) Andrea Hoenselaer, Verkehrsbüro Kevelaer; Bernd Pool, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kevelaer; Dr. Rainer Killich, Generalsekretär der Wallfahrt Kevelaer; Stadtpfarrer Günther Mandl; Domkapitular Rolf Lohmann, Wallfahrtsrektor Kevelaer; Bischof em. Wilhelm Schraml; Gabriele Polders, Vorsitzende des Verkehrsvereins Kevelaer; Prälat Ludwig Limbrunner, Wallfahrtsrektor Altötting; Ulrike Kirnich, Leiterin Wallfahrts- und Verkehrsbüro Altötting; Erster Bürgermeister Herbert Hofauer, Altötting; Bürgermeister Dr. Axel Stibi, Kevelaer.

Nach der herzlichen Begrüßung am Gnadenort Altötting führte Administrator Prälat Ludwig Limbrunner die Damen und Herren aus Kevelaer kurzweilig durch die Ausstellung des Hauses Papst Benedikt XVI. – Wallfahrtsmuseum und Schatzkammer. Anschließend wurde "Unsere Liebe Frau von Altötting" mit einer heiligen Messe am Gnadenaltar begrüßt. Nach einem Kennenlernen des bayerischen Brauchtums im Advent mit Besuch des Altöttinger Christkindlmarktes und des Altöttinger Adventsingens im Alpenländischen Stil, stand am nächsten Vormittag, 5. Dezember, ein Empfang durch Ersten Bürgermeister Herbert Hofauer im Sitzungssaal des Altöttinger Rathauses sowie eine anschließende Gesprächsrunde und später noch eine Führung durch das neue Kultur + Kongress Forum auf dem Programm.

Am Abend des zweiten Besuchstags diskutierten dann die Wallfahrtsverantwortlichen aus Kevelaer und Altötting ihre Eindrücke, Erfahrungen und Überlegungen. Dr. Rainer Killich, Generalsekretär der Wallfahrt Kevelaer, skizzierte kurz die Besonderheiten seines Wallfahrtsorts, der anders als Altötting weniger durch die ganz großen Pilgerzüge als vielmehr durch zahlreiche kleine und mittlere Pilgergruppen mit 50 bis 250 Teilnehmern geprägt sei. Auch betonte er die große Bedeutung Kevelaers als wichtigster Wallfahrtsort für die niederländischen und flämischen Katholiken.

Ein weiterer Unterschied ist die Tatsache, dass die Wallfahrt in Kevelaer ganz maßgeblich durch Laienbruderschaften getragen wird – in Altötting sind es vor allem die Kapuziner und andere Geistliche. Altbischof Wilhelm Schraml konnte das aus eigener Anschauung bestätigen: "Es ist bewegend, wie stark die Laien in Kevelaer einbezogen sind!" Beispielhaft nannte er die Vesper um 6 Uhr in der Früh, die allmorgendlich durch einen Laien gestaltet werde.

Gemeinsam sei beiden Städten, so der Bürgermeister von Kevelaer, Dr. Axel Stibi, dass Weltliches und Kirchliches nicht voneinander zu trennen seien. Entsprechend stark sei das Engagement der Gemeinde für die Wallfahrt – manchmal durchaus gegen politische Widerstände (etwa wenn der Bauhof unentgeltlich Arbeiten erledige). Domkapitular Rolf Lohmann, Wallfahrtsrektor in Kevelaer, betonte die große Bedeutung, die das Anzünden von Kerzen in Kevelaer habe. Es sei den Menschen enorm wichtig, etwas dazulassen, etwas das leuchte, das sich für sie verzehre. Lohmann zeigte sich aber auch beeindruckt von Altötting: "Dieser Ort hat eine ganz ganz starke geistliche Ausstrahlung!"

Die "Fackel vorantragen"

Im Zusammenhang mit immer größerer Glaubensferne und abnehmenden Pilgerzahlen in einer säkularisierten Welt seien die Verantwortlichen berufen, damit ein Wallfahrtsort attraktiv bleibe, erklärte Administrator Limbrunner mit Blick auf gemeinsame Probleme. Bürgermeister Stibi sah das genauso: "Es hängt im Kern von der Glaubwürdigkeit der handelnden Personen ab – wir müssen die Fackel vorantragen!" Administrator Limbrunner warnte aber davor, man dürfe nicht der Versuchung erliegen, allen alles anbieten zu wollen: "Unser Kern ist die Umarmung durch die Gottesmutter."

Konkrete Maßnahmen verabredeten beide Seiten nicht, niemand hat Patentrezepte zur Hand. Einig waren sich Kevelaer und Altötting jedoch darin, dass Glaubwürdigkeit und vor allem Präsenz vor Ort ganz entscheidend seien. Denn die Menschen, gerade die Suchenden, müssten Ansprechpartner finden, damit sie für die Wallfahrt, für den Glauben (neu) gewonnen werden könnten. Bischof em. Schraml pflichtete dem bei: "Entscheidend ist der Mensch. Nehmen wir bitte Abschied von den großen Zahlen, 'größter Wallfahrtsort, meiste Pilger'." Entscheidend seien die Menschen, die kommen – egal wie viele. In diesem Zusammenhang sollten auch die vielen kleinen Wallfahrtsorte wie etwa Sammarei nicht vergessen werden.

So diente das Zusammentreffen durchaus auch dazu, sich in den eigenen Anliegen, Sorgen und Aufgaben - mit den Worten Prälat Limbrunners – zu ermutigen, sich Trost zu spenden. Ein schönes Schlusswort blieb – nachdem er zuvor die enge Verzahnung von Pfarrei und Wallfahrt skizziert hatte – Altöttings Stadtpfarrer und Stiftspropst Prälat Günther Mandl vorbehalten: Wallfahrtsorte seien wie Leuchttürme in der Glaubensdämmerung. Dem konnten sich alle anschließen – nicht ohne die Absicht zu weiteren Treffen bekräftigt zu haben.

Text: Wolfgang Terhörst, Foto: Brandstetter/Stadt Altötting