Altöttinger Liebfrauenbote

60. St. Anna-Wallfahrt der Oberschlesier

"Wer klopfet an ..."

Oberschlesische Kulturtage mit Festvorträgen über ihre Votiv- und Gedenktafel im Umgang der Gnadenkapelle (Oberschlesier pilgern nach Altötting 1953-2013), über den "St. Annaberg, Herz und Mitte Oberschlesiens" und die "Geschichte der katholischen Kirche Oberschlesiens", außerdem ein Empfang im Rathaus der Wallfahrtsstadt durch Bürgermeister Herbert Hofauer und eine feierliche Lichterprozession bildeten den Auftakt zur 60. St. Anna-Wallfahrt der Oberschlesier am vergangenen Wochenende. Zum Festgottesdienst im Kirchenzelt am Sonntag, 28. Juli, mit Bischof em. Walter Mixa, ein Landsmann aus der "alten Heimat", waren 1.000 oberschlesische Pilger aus ganz Bayern und darüber hinaus gekommen.

Bischof em. Walter Mixa begrüßt einen Pilger.
Bischof em. Walter Mixa begrüßt einen Pilger.

Es bot ein farbenprächtiges Bild, als die vielen Trachtengruppen und Fahnenabordnungen sowie Vertreter der landsmannschaftlichen Gruppen vor dem Kirchenzelt Aufstellung machten. Als Hauptverantwortliche und Organisatoren der Landsmannschaft Oberschlesien (LdO) sprachen der Bundesvorsitzende Klaus Plaszcek, der stellvertretende Landesvorsitzende Günter Rinke, Würzburg, sowie die Wallfahrtsleiterin Gertrud Müller, München, Grußworte. Altöttings Administrator Prälat Ludwig Limbrunner freute sich über die zahlreiche Teilnahme – trotz großer Hitze – und betonte: "Ich bin mir sicher, Euer Bischof wird eine ebenso hitzige Predigt halten."

Bischof Mixa hielt Wort und hinterfragte am Beispiel einer krebskranken Frau, eines Arbeitslosen und einer fast gestrauchelten Abiturientin das Lukas-Evangelium dieses Sonntags (Lk 11,9: "Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet"): Wo war die erforderliche Hilfe "von oben"geblieben? Auf schicksalhafte Situationen im Leben gebe es nur eine Antwort: Der Blick auf das Kreuz! Gott habe uns durch die Menschwerdung seines Sohnes die größte Liebe geschenkt, die ein Vater nur vergeben könne. Es gebe keine größere Auszeichnung: kein Leid, sei es seelischer oder körperlicher Art, das nicht Christus selber erfahren und mitgetragen habe. Dieses Wissen helfe uns, unsere eigenen Sorgen und Nöte besser zu ertragen. Da tue sich auch die Fragestellung auf: Woher komme ich, welches Lebensziel werde angestrebt über den Tod hinaus? Für diese Antwort, so Bischof Mixa, wurde uns eine Mutter zur Seite gestellt, die Gottesmutter Maria, die ihren Sohn bis zum Tod am Kreuz und darüber hinaus begleitet habe. Gerade die vielen Votivbilder zeugten von wunderbaren Gebetserhörungen. Maria unsere Mutter und Fürsprecherin sei Glaubenszeugin: "Das Lebenskreuz ist der Zugang zu Jesus." Bischof Mixa bekräftigte: "Diesen Weg zu finden lohnt sich", denn: "Wer klopfet an, dem wird aufgetan!"

"Achtung füreinander erfolgt im Gebet miteinander und füreinander"

Freudiges Beisammensein nach der hl. Messe.
Freudiges Beisammensein nach der hl. Messe.

Auf den schicksalhaften Weg der Vertreibung aus der oberschlesischen Heimat verweisend, den die Eltern und Großeltern in schmerzlicher Weise gegangen waren, sei die Bezeichnung "Kreuzweg" zutreffend. Bischof Mixa erzählte aus eigener Erfahrung, wie viele Landsleute finanzielle und materielle Sicherheiten eingebüßt und sich 1945 – nur mit einem Koffer ausgestattet – Richtung Wien aufgemacht hatten: "Alles, was bisher gut war, mussten wir zurücklassen." Der Empfang in der neuen Heimat sei eher misstrauisch beäugt worden. "Achtung füreinander erfolgt im Gebet miteinander und füreinander", betonte Mixa. Zur Muttergottes und deren Mutter, der hl. Anna, hätten die gläubigen Oberschlesier immer und zu aller Zeit gebetet. Die 60. St. Anna-Wallfahrt nach Altötting sei ein großartiges Glaubenszeugnis im Gedenken und Gebet für die vielen Millionen Flüchtlinge auf der ganzen Welt, aber auch Grund zum Danken, dass seit dem "Fall des Kommunismus im Osten" der "geliebte Annaberg in der alten Heimat" wieder frei zugänglich sei.

Wegen der hochsommerlichen Temperaturen wurde die Andacht am Nachmittag, bei der Stiftskanonikus Wolfgang Renoldner den Eucharistischen Segen spendete, in der Stiftspfarrkirche St. Philippus und Jakobus abgehalten. Zum feierlichen Jubiläumsabschluss zogen die Fahnenabordnungen und Trachtengruppen zur Gnadenkapelle und hielten vor der Gedenktafel eine kurze Statio.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

(Zum Vergrößern auf ein Bild klicken)